7 August 2018

Millionen-Investition im Covestro Industriepark Brunsbüttel: Wasserstoff aus Windstrom

Elektrolyse-Anlage von Wind to Gas Energy geht bald in Betrieb

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Simon Brinkmann und Tim Brandt (v.l.) vor dem Neubau der Elektrolyse-Anlage im Covestro Industriepark Brunsbüttel.

Die Wind to Gas Energy GmbH & Co. KG hat im Covestro Industriepark Brunsbüttel mit dem Bau einer Elektrolyse-Anlage zur Herstellung von Wasserstoff begonnen. Sie soll im Rahmen eines Forschungsprojekts mit Windenenergie betrieben werden und im Sommer in Betrieb gehen. Das Dithmarscher Start up-Unternehmen investiert dafür am Standort einen Betrag im einstelligen mittleren Millionen-Bereich.

Überschüssigen Windstrom zu nutzen statt Windkraftanlagen wegen Netzüberlastung abschalten zu müssen – für Tim Brandt, Geschäftsführer und Gesellschafter von Wind to Gas Energy, bedeutet das Chance und Herausforderung zugleich. „Es geht darum, Strom- und Gasnetze intelligent aufeinander abzustimmen.“ Das wissenschaftlich begleitete Forschungsvorhaben ist Teil der Norddeutschen EnergieWende NEW 4.0 und wird bis Ende 2020 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert. Ziel ist es, markttaugliche Lösungen für eine sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung der Zukunft zu entwickeln und zu demonstrieren.

„Wind to Gas ist ein sehr interessantes Projekt“, sagt Dr. Steffen Kühling, Standortleiter von Covestro in Brunsbüttel. „Mit der Ansiedlung wollen wir einem jungen Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energien die Möglichkeit geben, die Flächen und die gute Infrastruktur im Covestro Industriepark Brunsbüttel für sich zu nutzen.“

Die Elektrolyse-Anlage mit einer Leistung von 2,4 Megawatt (MW) entsteht auf einem etwa 20 mal 30 Meter großen Baufeld auf der Nordseite des Industrieparks am Holstendamm. Zum Einsatz kommt modernste PEM-Technologie (Protone Exchange Membran), die in zwei 40-Fuß-Containern untergebracht ist. Dabei wird destilliertes Wasser durch Windstrom in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten.

„Die Anlage kann durch die Protonen-Austausch-Membran extrem dynamisch gefahren werden“, berichtet Geschäftsführer Brandt. „So können wir sehr schnell auf Veränderungen der Netzauslastung reagieren.“

Den grünen Strom für die Elektrolyse bezieht das Unternehmen aus dem eigenen Windpark. Im vergangenen Jahr hat Wind to Gas Energy auf der Nordseite von Brunsbüttel fünf Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 15 Megawatt errichtet. Über eine neu gebaute, rund sechs Kilometer lange Kabeltrasse, die bis zu 27 Meter tief unter dem Nord-Ostsee-Kanal hindurch führt, fließt der Strom aus dem Windpark in die Anlage im Covestro Industriepark Brunsbüttel.

In Spitzenzeiten können in der Elektrolyse bis zu 450 Norm-Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde produziert werden. Gerechnet wird dies bei einem Druck von 30 Bar. Die Menge entspricht etwa 40 Kilogramm. „Ein Pkw mit Elektro-Antrieb sowie eingebauter Brennstoffzelle kann damit eine Strecke von 4.000 Kilometern zurücklegen“, berichtet Geschäftsführer Brandt. An der Tankstelle zahlen Autofahrer aktuell 9,50 Euro pro Kilogramm Wasserstoff. Hiermit lassen sich etwa 100 Kilometer zurücklegen.

Der von Wind to Gas Energy am Covestro-Standort produzierte Wasserstoff wird allerdings nicht in großen Tanks gespeichert oder mit Tankwagen abtransportiert, sondern erstrangig vor Ort ins öffentliche Erdgas-Netz eingespeist. Die technischen Voraussetzungen dafür schafft die Schleswig-Holstein Netz AG mit dem Bau einer neuen Verdichtungs- und Einspeisestation. Mit dem grünen Strom aus dem eigenen Windpark wäre es möglich, jährlich rund zwei Millionen Norm-Kubikmeter bzw. 180.000 Kilogramm Wasserstoff herzustellen – bei prognostizierten 3.000 Volllaststunden der fünf Windkraftanlagen.

„Aus unserer Sicht ist der Standort für die Wasserstoff-Elektrolyse-Anlage ideal gewählt“, betont Simon Brinkmann, Leiter Industriepark-Marketing bei Covestro in Brunsbüttel. Das Areal biete nicht nur Möglichkeiten für eine spätere Erweiterung, sondern auch für den Bau der Verdichtungs- und Einspeisestation. Nachdem sich die bundesweit aktive Initiative H2-Mobility auf Betreiben von Wind to Gas Energy für Brunsbüttel als Standort einer neuen Wasserstoff-Tankstelle für PKW ausgesprochen hat, führt Brinkmann auch in dieser Richtung erste Gespräche.

 

Über Covestro

Mit einem Umsatz von 14,1 Milliarden Euro im Jahr 2017 gehört Covestro zu den weltweit größten Polymer-Unternehmen. Geschäftsschwerpunkte sind die Herstellung von Hightech-Polymerwerkstoffen und die Entwicklung innovativer Lösungen für Produkte, die in vielen Bereichen des täglichen Lebens Verwendung finden. Die wichtigsten Abnehmerbranchen sind die Automobilindustrie, die Bauwirtschaft, die Holzverarbeitungs- und Möbelindustrie sowie der Elektro-und Elektroniksektor. Hinzu kommen Bereiche wie Sport und Freizeit, Kosmetik, Gesundheit sowie die Chemieindustrie selbst. Covestro produziert an 30 Standorten weltweit und beschäftigt per Ende 2017 rund 16.200 Mitarbeiter (umgerechnet auf Vollzeitstellen).

Über Wind2Gas Energy

Die Gesellschafter der Wind to Gas Energy GmbH & Co. KG gehörten zu den ersten Pionieren der Windenergienutzung in Schleswig-Holstein. Ende der 1980er Jahre wurden die ersten Windkraftanlagen zur Eigenversorgung errichtet. Mittlerweile betreiben die Gesellschafter zahlreiche Windparks in der windreichen Region Dithmarschen und tragen damit maßgeblich zur Energiewende bei. Mit der Gründung der Wind to Gas Energy wird der nächste Schritt für eine erfolgreiche und nachhaltige Energiewende angegangen – die Marktoptimierung von Speichertechnologien.

Source: Covestro, Pressemitteilung, 2018-07-12.

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