25 Oktober 2007

Mecklenburg-Vorpommern: Holz aus dem Nationalpark verliert FSC-Zertifizierung

Erneute Aussetzung wegen illegalen Holzeinschlags und zu hohen Wildbestands

Das Zertifikat des Forest Stewardship Council (FSC) für eine nachhaltig ökologische, soziale und ökonomische Waldbehandlung in den Nationalparken von Mecklenburg-Vorpommern ist erneut ausgesetzt worden. Die Entscheidung erfolgte aufgrund eines im Juli 2007 in den Nationalparken Vorpommersche Boddenlandschaft und Jasmund durchgeführten Überwachungsaudits. Illegaler Holzeinschlag und zu hohe Wildbestände waren laut Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus die Hauptgründe für das Aussetzen des Zertifikats.

“Ich bedauere das außerordentlich. Gerade in den Nationalparken wird mit hohem Einsatz der Umbau der noch überwiegend naturfernen Wälder in sich künftig selbst regulierende Naturwälder vollzogen. Die Grundlage dafür haben wir bereits 2005 mit einer umfassenden Waldbehandlungsrichtlinie geschaffen”, reagierte der Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Dr. Till Backhaus. “Unser Ziel ist es, so schnell wie möglich jenen Zustand zu erreichen, der nicht nur die Wiederanerkennung sondern die dauerhafte Zertifizierung gewährleistet. Hier werde ich notfalls energisch durchgreifen und die erforderlichen Maßnahmen treffen.”

Einer der beiden für die Aussetzung des Zertifikats Ausschlag gebenden Hauptgründe seien illegale Einschläge von Laubholz im Nationalpark Jasmund. “Hier sollen bereits Ende letzten Jahres an mehreren Orten durch Dritte widerrechtlich Laubbäume eingeschlagen und zu Brennholz aufgearbeitet worden sein. Im Rahmen einer Untersuchung der Vorfälle durch das zuständige Nationalparkamt konnten zwei der Verursacher festgestellt werden”, teilte der Minister mit und versicherte: “Ich werde solche Verstöße gegen die Nationalparkverordnung rückhaltlos aufklären und ahnden lassen.”

Zweiter Hauptkritikpunkt seien die in den beiden genannten Nationalparks noch immer zu hohen Wildbestände, vor allem bei Rot- und Damwild, die eine vorrangig angestrebte natürliche Verjüngung der Wälder behinderten. “Um dieses bereits im letzten Jahr monierte Problem schnellstmöglich anzupacken, haben wir bereits im vergangenen Jahr aus meinem Haus heraus eine Expertengruppe gebildet, die geeignete Festlegungen für die Wildbestandsregulierung in den Nationalparken erarbeitet”, so der Minister. Es sei allerdings nachvollziehbar, wenn es eine gewisse Zeit dauere, bis die geeigneten Managementregeln zu jener nachhaltigen Wildbestandsregulierung führen, die sowohl den FSC-Kriterien als auch denen eines Nationalparks voll gerecht werde.

Zwischenergebnisse aus der Arbeitsgruppe befinden sich mittlerweile in der Umsetzung, beispielsweise ein intensives Wildbestandsmonitoring, das objektive Grundlagen für die Festlegung künftiger Abschusspläne liefern soll. “Regional ist bei einigen der vorkommenden Wildarten bereits eine Reduktion der Populationsdichte festzustellen. Diesen Weg werden wir auch unter Anwendung neuer Jagdstrategien konsequent weiter verfolgen”, so der Minister.

Darüber hinaus seien im Zertifizierungsbericht weitere, aber weniger schwere Verstöße genannt, die von der Nationalparkverwaltung allerdings überwiegend als nicht zutreffend bewertet werden. “Wir können dies daher auch nicht ohne weiteres akzeptieren. Hier besteht noch erheblicher Gesprächsbedarf mit dem zertifizierenden Unternehmen”, kündigte Minister Dr. Backhaus an.

Dokumente

(Vgl. Meldungen vom 2007-03-10 und 2006-06-28.)

Source: Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern, Pressemitteilung, 2007-10-23.

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