30 März 2017

Markthürden für biobasierte Dämmstoffe beseitigen

Zwei neue BMEL-geförderte Projekte gestartet – 9. Auflage der FNR-Marktübersicht Dämmstoffe erschienen

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Zellulose-Flocken. Foto: Ingo Bartussek

Zwei neue Projekte zielen darauf, den Marktanteil biobasierter Dämmstoffe auszuweiten: Im Verbund „NawaRo-Dämmstoffe“ wollen insgesamt zwölf Forschungseinrichtungen, dreizehn Industriepartner und drei Verbände unter Koordination des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung (WKI) Materialkennwerte ermitteln und Messverfahren entwickeln. Mit deren Hilfe sollen die pflanzlichen Materialien künftig Baugenehmigungsverfahren deutlich einfacher durchlaufen können. Die Partner planen außerdem die Ermittlung von Nachhaltigkeitskennwerten, um potenzielle Zusatznutzen in diesem Bereich noch besser zu belegen.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und das Thünen-Institut für Holzforschung (TI) setzen im Projekt „StaR-Dämm“ auf Fachdialoge und Öffentlichkeitsarbeit, um bestehende Hemmnisse zu identifizieren, Lösungsvorschläge zu erarbeiten und Informationen zu vermitteln. Das TI, das auch im ersten Verbund „NawaRo-Dämmstoffe“ mitarbeitet, bringt seine Expertise zum Thema Nachhaltiges Bauen mit ein, während die DUH die Thematik allgemeinverständlich und verbraucherfreundlich aufbereitet.

Beide Vorhaben laufen bis Ende 2019 und werden vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) gefördert.

Viele nützliche Informationen für Anwender enthält zudem die „Marktübersicht Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen“ der FNR, die jetzt umfangreich überarbeitet in der 9. Auflage erschienen ist.

Noch immer bestehen, vor allem im Baurecht und in Normen, strukturelle Hemmnisse, die den Einsatz von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen erschweren.

Der umfangreiche Forschungsverbund „NawaRo-Dämmstoffe“ setzt hier an. Im Arbeitsbereich Brandschutz wollen die Forscher Daten ermitteln, um die Feuerwiderstandsdauer von Konstruktionen mit biobasierten Dämmstoffen berechnen zu können. Die Möglichkeit der Berechnung würde das Genehmigungsprozedere deutlich vereinfachen, denn aktuell müssen Bauplaner und Architekten für den Feuerwiderstandsnachweis aufwändige Bauteilprüfungen durchführen. Zudem plant das Forscherteam die Entwicklung eines Konzeptes für ein biobasiertes Wärmedämmverbundsystem, das der Baustoffklasse B1 entspricht, also „schwer entflammbar“ ist. Dieses könnte auch in der Gebäudeklasse 4 und 5 zum Einsatz kommen und damit breitere Anwendungsbereiche erschließen. Vorgesehen ist schließlich ein Brandschutzleitfaden für diese Gebäudeklassen, der dem besonderen Brandverhalten der pflanzlichen Materialien, etwa dem Glimmen, Rechnung trägt.

Im Arbeitsbereich Wärmeschutz steht die Untersuchung der Wärmeleitfähigkeit in Abhängigkeit unterschiedlicher Feuchtigkeitsgehalte auf der Agenda. Mit den Ergebnissen könnten die zum jetzigen Zeitpunkt pauschal gewählten Feuchtezuschläge für nachwachsende Dämmstoffe korrigiert werden. Für den Wärme- und Schallschutz ist außerdem die Neu- bzw. Weiterentwicklung von Messverfahren geplant, um die entsprechenden Materialeigenschaften einfacher nachweisen zu können. Für den Schallschutz sollen außerdem, ähnlich wie für den Brandschutz, grundlegende Daten ermittelt werden, um die Eigenschaften in diesem Bereich berechnen zu können und nicht mittels aufwändiger Bauteilprüfungen nachweisen zu müssen.

Einen weiteren Schub könnten NawaRo-Dämmstoffe erhalten, wäre ihr Zusatznutzen in puncto Nachhaltigkeit quantifizier- und damit noch eindeutiger kommunizierbar. Ein Ziel des Forschungsverbundes ist es deshalb, Daten für die Nachhaltigkeitsbewertung bereit zu stellen. Die Forscher wollen dabei auch die Fähigkeit der organischen Materialien untersuchen, Schadstoffkonzentrationen in der Raumluft zu minimieren.

Auch im Vorhaben „StaR-Dämm“ geht es darum, für NawaRo-Dämmstoffe bessere Chancen auf dem Markt zu schaffen. DUH und TI wollen dazu zwei Strategien verfolgen:

Zum einen sind Fachdialoge mit Experten aus Wissenschaft, Praxis, Politik und Verbänden geplant. Ziel ist es, strukturelle Hemmnisse gegenüber den nachwachsenden Produkten zu identifizieren, Lösungsvorschläge zu entwickeln und Informationsdefizite abzubauen. Zu diesem Arbeitspaket gehört auch die Bereitstellung wissenschaftlich fundierter, umfassender und allgemein-verständlicher Ökobilanzen der verschiedenen Dämmprodukte. Das TI bringt hierzu Erkenntnisse aus dem Forschungsverbund „NawaRo-Dämmstoffe“ ein. Die Informationen zur Nachhaltigkeitsbewertung sind insbesondere für die Kommunikation mit Politik und Fördereinrichtungen wie der KfW-Bank wichtig.

Zum anderen wollen die Projektpartner im Arbeitspaket „Gesellschaftlicher Dialog“ breitere Schichten mit Interesse am Thema aber einer geringeren fachlichen Qualifikation ansprechen. Bestehenden Vorurteilen und Informationslücken soll gezielt begegnet werden. Die DUH hat hier als herstellerunabhängiger Umwelt- und Verbraucherschutzverband einen Glaubwürdigkeitsvorteil.

Insgesamt hat das Projekt durch die Bereitstellung komplexer, wissenschaftlicher Daten und deren Umwandlung in verbraucherfreundliche und leicht verständliche Formate ein Alleinstellungsmerkmal.

An Bauherren und alle am Thema Interessierten richtet sich auch die Marktübersicht Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen der FNR, die aktuell in der 9. überarbeiteten Auflage erschienen ist. Sie enthält neben den bewährten Produktübersichten zu 13 verschiedenen Rohstoffgruppen – von Flachs bis Zellulose – viele nützliche Informationen, u. a. zur Bauphysik, zum Einsatz bei Sanierungen und zur Innenwanddämmung. Besonders umfangreich aktualisiert wurden die Kapitel zur Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit, zu energiesparrechtlichen Regelungen und zur Forschung. Bestellbar oder als PDF verfügbar ist die Marktübersicht in der Mediathek.

 

Die Teilvorhaben im Projekt „Mehr als nur Dämmung – Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen (NawaRo-Dämmstoffe)“:

Weitere Informationen stehen unter den Förderkennzeichen (FKZ) bereit

Fraunhofer-Institut für Holzforschung
Wärme-, Feuchte- und Brandschutz, Emissionen sowie Koordination
FKZ 22011615

Institut für Holztechnologie Dresden gemeinnützige GmbH
Feuchte- und Wärmeschutz
FKZ 22004216

Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Rosenheim
Schallschutz
FKZ 22005516

Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Brandschutz/Glimmen
FKZ 22004716

Hochschule Magdeburg-Stendal
Brandschutz/Glimmen
FKZ 22005616

Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
Schallschutz
FKZ 22005716

Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. (ATB)
Nachhaltigkeitsbewertung
FKZ 22006216

Papiertechnische Stiftung (PTS)
Wärmeschutz
FKZ 22005016

Johann Heinrich von Thünen-Institut Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei
Nachhaltigkeitsbewertung
FKZ 22004916

Universität Stuttgart
Nachhaltigkeitsbewertung
FKZ 22006316

Technische Universität Dresden
Wärme- und Brandschutz
FKZ 22005816

Materialprüfamt NRW
Wärmeschutz
FKZ 22013516

 

Die Teilvorhaben im Projekt „Stärkung nachwachsender Rohstoffe im Dämmstoffmarkt (StaR-Dämm)“:

Weitere Informationen stehen unter den Förderkennzeichen (FKZ) bereit

Deutsche Umwelthilfe e.V.
Informationsmaßnahmen
FKZ 22019615

Johann Heinrich von Thünen-Institut – Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei – Thünen-Institut für Holzforschung
Nachhaltigkeitsbewertung und Ökobilanzierung
FKZ 22015816

Source: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), Pressemitteilung, 2017-03-27.

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