17 November 2001

Markteinführung für biogene Treib- und Schmierstoffe gestaltet sich mühsam

Wenngleich sich die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten nachwachsender Rohstoffe auf der gerade abgeschlossenen Landtechnikmesse “Agritechnica 2001″ erfolgreich präsentieren ließen, so tun sich viele Hersteller von alternativen Treib- und Schmierstoffen, Tensiden, Stärken oder Verbundwerkstoffen noch schwer, ihre Produkte auf dem Markt zu etablieren. Allein der ökologische Faktor begünstigt nicht die Kaufkraft, sind doch die Bioprodukte zum Teil bis zu fünfmal teurer als synthetische aus Erdöl.

Geschätzt werden die pflanzlichen Rohstoffe allerdings schon in vielen Industriezweigen wie der Automobilbranche, der alternativen Energieerzeugung oder im Baubereich (vgl. auch Meldung vom 2001-07-30). So warten die Naturfasern mit technischen Vorteilen gegenüber synthetischen Produkten oder Glasfasern auf, wie z.B. ihrem geringeren spezifischen Gewicht oder ihrer Recyclefähigkeit, die besonders für Formpressteile in der Automobilindustrie gefragt sind (vgl. auch Meldungen vom 2001-10-18 und 2000-05-04). Die ausgestellte Autotür eines Audi A2 zeigte das gepresste Innenleben aus Naturfasern anschaulich.

Viel beachteter Nutzungszweig der “Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR)” bleiben allerdings die biogenen Treib- und Schmierstoffe, die seit vergangenem Jahr vom Berliner Verbraucherschutzministerium mit einem Markteinführungsprogramm gefördert werden (vgl. auch Meldungen vom 2001-09-07, 2001-09-05 und 2001-08-29). Das jährlich mit 20 Millionen DM ausgestattete Förderprojekt unterstützt alle Landwirte, Forstbetriebe und Bauunternehmen mit der kostenlosen Umrüstung ihrer Maschinen auf biologische Treib- und Schmierstoffe. Nun nahm das Ministerium die Agritechnika zum Anlass, die Projektbefristung bis 2002 aufzuheben.

“Jetzt können wir richtig loslegen”, freut sich Gabriele Peterek von der FNR, die das Programm betreut, “heute sind die Bioschmierstoffe mindestens so gut wie die Mineralölprodukte. Aber das muss erst noch in die Köpfe.” Bei den rund 300 Teilnehmern des Markteinführungsprogramms habe es bislang keinen einzigen Störfall gegeben. 650.000 Liter Schmierstoffe aus Pflanzenölen seien bereits auf den Markt gebracht worden. Ein schwieriges Geschäft, wenn man bedenkt, dass der Gesamtumsatz an Schmierstoffen in Deutschland bei 1 Mio. Tonnen liegt.

In Deutschland wuchsen nach Angaben der Bundesanstalt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die alternativen Rohstofflieferanten in diesem Jahr auf insgesamt 678.000 Hektar Ackerfläche (1993 nur 236.000 Hektar) heran. Aufgrund der Option, nachwachsende Rohstoffe auch auf Stilllegungsflächen zu kultivieren, konnten die Landwirte ökonomischer wirtschaften, da sie zusätzlich zur Stillegungsprämie über die Einnahmen der Feldfrüchte zur industriellen Nutzung verfügten. Einen Boom des Anbaus gab es 1999 nach einer Erhöhung der Prämie.

Speziell in Niedersachsen werden nach Angaben der Landwirtschaftskammer Hannover nachwachsende Rohstoffe auf 53.200 Hektar (3 Prozent der Ackerfläche) angebaut, von denen wiederum 23.000 Hektar für die Nahrungs- und Futtermittelproduktion stillgelegt sind. Auf 99 Prozent dieser Flächen blüht nun der sogenannte “Non-Food-Raps”, dessen Samen zur Gewinnung von Biodiesel, biologisch abbaubaren Schmierstoffen und Tensiden, Pflanzenschutzmitteln sowie Lacken und Farben dienen.

Weitere Informationen im Netz unter:
www.pflanzenoel-initiative.de (Markteinführungsprogramm biogene Treib- und Schmierstoffe)
www.fnr.de (Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe)
www.ufop.de (Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen – Thema Biodiesel)
www.lkk-hannover.de (Landwirtschaftskammer Hannover)

Autorin: Marion Kupfer (nova)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: Hannoversche allgemeine Zeitung vom 2001-11-17.

Source: Hannoversche allgemeine Zeitung vom 2001-11-17.

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