5 Januar 2007

Mais für Biogasanlagen

Biogas boomt und damit auch der Bedarf, ausreichend Biomasse in möglichst naher Entfernung zur Anlage zu produzieren. Betriebswirtschaftliche Berechnungen bescheinigen dem Mais eine kostengünstige Produktion, sodass er zurzeit mit Abstand der am häufigsten eingesetzte nachwachsende Rohstoff in Biogasanlagen ist. Bewährte Technik, sowohl bei der Aussaat, Ernte und Silierung sprechen ebenfalls für seinen Einsatz in Biogasanlagen.

Eine ausschließliche Ausrichtung auf den Maisanbau für die Beschickung von Biogasanlagen findet häufig allerdings wenig Akzeptanz in der Öffentlichkeit. Die positive Einstellung in der Bevölkerung zur Produktion von Strom aus Biomasse droht zu kippen, wenn kleinräumig überwiegend nur noch Maisanbau stattfinden sollte. Gleichwohl ist auch Schreckensszenarien entgegenzuwirken, wo von Maiswüsten mit entsprechenden Umweltbelastungen die Rede ist.

Bereits in den achtziger und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts konnte dem Maisanbau bei fachlich guter Praxis ein auch in Wasserschutzgebieten gutes, d.h. wenig umweltbelastendes Zeugnis ausgestellt werden.

Statt Monokultur sollte der Mais in ökonomisch, aber auch ökologisch sinnvolle Fruchtfolgen integriert werden. Seitens der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wird seit 2004 u.a. durch die Mitwirkung in unterschiedlichen Projekten daran gearbeitet, alternative Fruchtarten und Fruchtfolgen zur Produktion von Biomasse für den Einsatz in Biogaslagen in unserem Land zu überprüfen. Diesbezüglich werden erste Ergebnisse in Kürze vorgestellt.

Wie sollte “die” Biomassesorte aussehen

Auch im Verlaufe des Jahres 2006 sind seitens der Wissenschaft noch keine konkreten Aussagen zur sortenspezifischen Gasausbeute erfolgt. Daher ist nach wie vor der Trockenmasseertrag sicherlich das ausschlaggebende Kriterium bei der Sortenwahl.

Ertrag alleine reicht jedoch nicht; es muss auch in ungünstigen Jahren eine sichere Abreife gewährleistet sein, wobei die Pflanzen zum Zeitpunkt der Ernte über eine noch vitale Restpflanze verfügen sollten, um insgesamt eine hohe Verdaulichkeit aufzuweisen. Damit der Mais mit ca. 30 bis 34% Trockenmassegehalt beerntet werden kann, sollte nicht die Restpflanze Abreifeerscheinungen mit der Folge zunehmender Lignineinlagerung aufweisen, sondern es muss eine entsprechende Kolbenreife vorhanden sein.

Nur auf diese Weise kann gewährleistet sein, dass ein gut silierbares Erntegut eingefahren wird und im Normalfall kein Sickersaftaustritt stattfindet. Die Sorten sollten also neben hohem Ertrag und sicherer Abreife auch eine verhaltene Abreife, sogenannte “stay greenTypen”, aufweisen. Dies schafft die Voraussetzungen, dass bei der Beerntung von ca. 225 Hektar Mais für eine 500 KW-Anlage ein etwas weiteres Erntezeitfenster vorhanden ist, ohne dass die Zunahme im TM-Gehalt am Ende zu rasch voranschreitet.

Mais-Sortenprüfungen zur Biomasseproduktion

Die große Euphorie im Hinblick auf den Anbau sehr spät abreifender Sorten ist nach dem Anbaujahr 2005 wieder etwas gebremst worden, nachdem viele Bestände zu früh geerntet wurden und erhebliche Probleme bei der Silobefüllung mit einhergehenden Sickersaftproblemen auftraten.

Es ist unseres Erachtens bei vielen Biogasanlagenbetreibern der Trend hin zu Sorten mit sicherer Abreife festzustellen. Das Jahr 2006 zeigte insbesondere auf den trockenheitsgefährdeten Standorten auf, dass bei der Sortenwahl nicht in jedem Fall die Erzielung maximaler Erträge, sondern auch eine möglichst hohe Ertragssicherheit unter den jeweiligen Standortverhältnissen Kauf und Anbau entscheidend sein kann.

2006 haben die Landwirtschaftskammern Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wiederum auf ausgewählten Standorten Maissortenprüfungen für die Nutzung zur Biomasseproduktion für die Beschickung von Biogasanlagen durchgeführt.

Dabei wurden neben etablierten Sorten, die sich bereits in der Rindviehfütterung, aber auch für die Fütterung der “Betonkuh” bewährt haben, auch neue Sorten bzw. Neuzüchtungen getestet. Insgesamt wurden 24 Sorten in einer frühen Gruppe mit einer Siloreifezahl bis S 270 und 11 Sorten in einer späten Gruppe (] S 270) getestet.

Dabei wurden nicht alle Sorten auch auf allen Standorten geprüft, so dass die Aussagekraft einzelner Sortenergebnisse mit abnehmender Standortzahl entsprechend eingeschränkt zu bewerten ist. Ferner ist zu erwähnen, dass die Sorte Aarley lediglich nur zum zweiten Erntetermin geprüft wurde; dadurch sind die Ergebnisse nicht direkt mit denen der übrigen Sorten vergleichbar.

Als Vergleichssorte und Bezugsgröße wurde Gavott in der frühen und späten Gruppe mitgeprüft. Beide Gruppen wurden zu jeweils zwei Ernteterminen, d.h. bei ca. 28-30% TM-Gehalt und bei 31-33% TM-Gehalt beerntet. Beim zweiten Termin der frühen Gruppe wurden die späten Sorten zum frühen Schnitttermin gehäckselt.

Insgesamt fanden die Prüfungen auf fünf Standorten statt, wobei drei in Niedersachsen und jeweils ein Standort in Nordrhein-Westfalen und in Schleswig-Holstein angelegt wurden. Bedingt durch die außergewöhnliche Frühsommertrockenheit wurden die Bestände in Merfeld (Kreis Coesfeld, NRW) und in Lüchow-Trabuhn (Kreis Lüchow-Dannenberg, Nds.) stark in Mitleidenschaft gezogen, sodass keine aussagekräftigen Ergebnisse gewonnen werden konnten.

Sortenempfehlungen/ Fazit

Solange noch keine verlässlichen Aussagen zu sortenspezifischen Gasausbeuten getroffen werden können, wird für die Nutzungsrichtung Biomasseanbau die herkömmliche Sortenbewertung nicht auf den Kopf gestellt. Trockenmasseertrag und Abreife sind zurzeit die entscheidenden Beurteilungskriterien. Züchterisch wird intensiv weiter an noch ertragreicheren Sorten gearbeitet. Bei sich abzeichnenden klimatischen Veränderungen sollten allerdings auch weitere Merkmale, wie z.B. Trockenheitstoleranz, in der Züchtung mit einfließen.

Mais wird in naher Zukunft sicherlich die dominierende Kultur zur Biomasseerzeugung bleiben. Um die öffentliche Akzeptanz für die Energieproduktion vom Acker nicht zu gefährden, wird es darauf ankommen, den Mais in ökonomisch und ökologisch sinnvoller Weise anzubauen. Fruchtfolgen und die Einbindung alternativer Fruchtarten sind dabei wichtige Ansatzpunkte.

Ein ausführlicher Bericht ist auf den Seiten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zu finden.

Kontakt:
Carsten Rieckmann
Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-1357
Telefax: 0511 3665-1500

Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432

(Vgl. Meldungen vom 2006-11-02 und 2006-11-03.)

Source: Landwirtschaftskammer Niedersachsen vom 2007-01-05.

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