13 März 2011

Lenzing: “Schon jetzt können wir nicht genug Fasern liefern”

Lenzing-Chef Peter Untersperger erwartet, dass bei Naturfasern die Lücke zwischen Nachfrage und Kapazität größer wird

Lenzing-Chef Peter Untersperger kommt mit dem Kapazitätsausbau kaum nach, um den steigenden Hunger nach Viskose stillen zu können. Um den Marktanteil zu halten, müsste Lenzing bis 2020 die Kapazitäten auf 1,7 Millionen Tonnen ausweiten. Zudem ist der Ausbau kapitalintensiv.

Der weltweite Bedarf an Zellulosefasern (Baumwolle und Viskose) steigt rasant an, so schnell, dass der Markt nicht Schritt halten kann. Deshalb treibt Lenzing-Vorstandschef Peter Untersperger den Kapazitätsausbau massiv voran. “Bis ins Jahr 2030 wird der weltweite Cellulose Gap gut elf Millionen Tonnen betragen”, sagt Untersperger in einem Interview mit dem WirtschaftsBlatt. “Schon jetzt können wir unseren Kunden nicht genug Fasern liefern. Wir sind seit acht Monaten ausverkauft”, fügt er an. Lenzing ist Weltmarktführer bei Viskose- und Spezialfasern wie Tencel und Modal, die für Kleidung und Textilien ebenso verwendet werden wie für kosmetische und medizinische Produkte.

Zu wenig Kapazitäten
Schon 2010 überstieg die weltweite Nachfrage die Lieferungen an Zellulosefasern um 600.000 Tonnen, bis 2020 wird sich die Lücke auf 5,3 Millionen Tonnen ausweiten, belegt eine Studie von Gherzi, dem führenden Marktforscher in diesem Bereich. In dieser Studie seien die jetzt geplanten Kapazitätsausweitungen bereits inkludiert.

Für die stark steigende Nachfrage nennt der Firmenchef mehrere Gründe. So seien etwa die Anbauflächen für Baumwolle zurückgegangen. “Besonders China, das heute größter Baumwollhersteller ist, hat gut elf Prozent der Baumwollanbauflächen in Nahrungsmittel-Anbauflächen umgewandelt, denn sie müssen ihre Leute ernähren”, so Untersperger. Auch die Subventionierung von Biotreibstoffen trage dazu bei. Zudem sei Baumwolle so teuer wie noch nie. Hinzu komme der Trend zu einem stärkeren Ökobewusstsein, das eine Abkehr von der Synthetikfaser nach sich ziehe, und schließlich wachse mit dem Wohlstand in den Schwellenländern der Faser- und Textilverbrauch.

Für Lenzing bedeutet das übervolle Auftragsbücher. Doch um den Hunger der Kunden nach Viskose-Fasern annähernd stillen zu können, muss Lenzing viel Geld für den Ausbau in die Hand nehmen, denn Viskosewerke sind kapitalintensiv. “Eine neue Linie in Indien kostet heute 200 Millionen Dollar”, sagt Untersperger. Allein in den nächsten vier Jahren investiert Lenzing 1,5 Milliarden €, um die Produktionskapazität von 710.000 auf eine Million Tonnen auszuweiten. Darin enthalten ist auch der Kauf einer dritten Zellstofffabrik, um den Rohstoff zu 70 Prozent selbst erzeugen zu können.

Doch das reicht lange nicht. Die weltweite Produktion von Viskose wird von derzeit 4,2 Millionen Tonnen bis 2020 auf zehn Millionen Tonnen steigen. Lenzing hat derzeit einen Marktanteil von 17 Prozent. “Wir wollen den Marktanteil zumindest halten, wenn nicht weiter ausbauen”, so Untersperger. Rechnet man den Marktanteil hoch, muss Lenzing die Kapazitäten bis 2020 auf 1,7 Millionen Tonnen ausweiten.

Lenzing-Chef Peter Untersperger erwartet, dass bei Naturfasern die Lücke zwischen Nachfrage und Kapazität größer wird.

Source: Wirtschaftsblatt.at, 2011-03-13.

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