16 Juni 2004

Leipzig: Stadtwerke steigen ins Geschäft mit Biogas ein

Die Stadtwerke Leipzig setzen jetzt verstärkt auf erneuerbare Energien. Neben einem großen Holzkraftwerk wollen sie in Thüringen eine Biomasseanlage errichten, eine zweite in Brandenburg. Sind die Projekte erfolgreich, könnten weitere folgen.

Über erneuerbare Energien denken derzeit viele nach. Dass sie gerade jetzt wieder stärker im Gespräch sind, ist angesichts der hohen Benzinpreise kein Wunder. In der Werbung von Esso wird Wasserstoff als Fahrzeugantrieb der Zukunft vorgestellt, die dafür notwendige Brennstoffzelle will der weltweit größte Autohersteller General Motors bis 2010 zur Serienreife bringen.

In diesem Trend liegen auch die Stadtwerke Leipzig. “Ja, wir orientieren uns verstärkt auf erneuerbare Energien”, bestätigt Klaus-Joachim Pfeuffer, Geschäftsbereichsleiter Technische Dienste. Sollten drei jetzt geplante Projekte verwirklicht werden, würden rund 13 Prozent des von den Stadtwerken selbst hergestellten Stroms aus Biomasse stammen.

Im thüringischen Bad Köstritz wollen die Leipziger eine Biomasseanlage errichten, die an eine Brennerei für Industriealkohol angeschlossen ist. Brennereireste aber auch Altbackwaren oder verdorbenes Getreide werden in großen Tanks vergoren. Das dabei entstehende Methangas wird in einem Blockheizkraftwerk verbrannt, das Elektroenergie und Wärme liefert. Der Strom soll ins öffentliche Netz eingespeist und die Wärme an gewerbliche Abnehmer in der Nachbarschaft verkauft werden. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf neun Millionen Euro, 15 Arbeitsplätze sollen entstehen.

Bereichsleiter Pfeuffer hofft auf einen Baubeginn im Sommer, zum Jahresende könnte die Anlage in Betrieb gehen. Ein gleichartiges Projekt wollen die Stadtwerke in Brandenburg realisieren. “Sind die Unternehmen erfolgreich, können wir uns durchaus noch mehr derartige Anlagen vorstellen”, sagt Pfeuffer.

Um die unternehmerischen Risiken in Grenzen zu halten, errichten die Stadtwerke die neue Anlage zusammen mit privaten Investoren, die auch die Verfahrenslizenzen besitzen und den größten Teil der Investitionssumme aufbringen. Nach eigenen Angaben sind die Leipziger an der gemeinsamen Firma “Wabio Biokraftwerk” nur mit rund 25 Prozent beteiligt.

Die beiden Biomasseanlagen kommen zusammen auf eine elektrische Leistung von sechs Megawatt. Weitaus größer mit 20 Megawatt Leistung ist das 50 Millionen Euro teure Holzkraftwerk, das die Leipziger Stadtwerke im thüringischen Bischofferode errichten wollen. Derzeit besteht laut Pfeuffer allerdings eine Projektstopp, “weil wir erst die Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes abwarten müssen. Nur unter dieser Bedingung lässt sich das Projektrealisieren.” Das für Biomasseanlagen deutlich verbesserte EEG-Gesetz wurde zwar vom Bundestag Anfang April verabschiedet, im von der CDUdominierten Bundesrat jedoch in den Vermittlungsausschuss verwiesen. Experten rechnen damit, dass im September oder Oktober eine positive Entscheidung fällt.

In Thüringen ist nach Angaben des Wirtschaftsministeriums seit dem Jahr 2000 die Zahl der industriellen Biomasseanlagen deutlich gestiegen. Neben dem Holzkraftwerk der Stadtwerke Leipzig plane derzeit etwa ein Sägewerk im Ostthüringer Lobenstein eine ähnlich große Anlage.

Source: Leipziger Volkszeitung vom 2004-06-16.

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