24 Juli 2007

Landwirtschaftliche Biosprit-Hersteller müssen sich vernetzen

Anlässlich der Einweihung der ersten Bioethanol-Tankstelle in Deutschland, die unter dem Markennahmen E 85 Regionol ausschließlich Kraftstoff vertreibt, der von landwirtschaftlichen Kornbrennereien hergestellt und zentral gereinigt wurde, erklärt der Mittelstandsbeauftragte und zuständige Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion, Reinhard Schultz:

Die Idee, dezentral Alkohol zu erzeugen, der dann von einem Dienstleister zentral gereinigt und gemeinsam in der Region vertrieben wird, geht auf intensive Diskussionen zwischen mir und den Verbänden der landwirtschaftlichen Getreide- und Kartoffelbrenner bereits vor vier Jahren zurück. Seitdem ist in mehreren Studien von Professor Wetter (Fachhochschule Münster) ein optimale Produktions- und Vertriebsstruktur entwickelt worden, die ebenso nachhaltig wie auch wirtschaftlich ist. Der gesamte Prozess in der landwirtschaftlichen Brennerei kommt ohne Fremdenergie aus, Prozessenergie wird auf Basis von Biomasse erzeugt. Rückstände werden verfüttert, die Gülle dient als Dünger für die Förderung des Wachstums der Energiepflanzen.

Die Reinigung des Alkohols auf Kraftstoffqualität führt in Herne ein Dienstleister durch, der das fertige Produkt an die Raiffeisengenossenschaften abgibt. Neun Brenner aus dem Münsterland haben sich zusammengeschlossen, weitere stehen auf dem Sprung. Diese Entwicklung erinnert an die Entwicklung des Molkereiwesens. Am Anfang wurde die Milch in der Kanne vom Bauern geholt, dann wurden genossenschaftliche örtliche oder regionale Molkereien gegründet und auch heute noch findet die Milchproduktion dezentral statt, Aufbereitung und Verteilung sind jedoch zentral organisiert. Nur so haben landwirtschaftliche Produzenten eine Chance, mit industriellen Konkurrenten einigermaßen Schritt zu halten und ihren Biosprit auf den Markt zu bringen.

Die Vorgehensweise der landwirtschaftlichen Brenner im Münsterland lässt sich auch auf die Betreiber landwirtschaftlicher Ölmühlen übertragen. Landwirtschaftliche Biokraftstoff-Hersteller müssen sich vernetzen.

Drei Maßnahmen sind wichtig für die Entwicklung des Biokraftstoff-Marktes:

  • Der Massenmarkt wird durch die Biokraftstoffquote erschlossen. Diese werden wir in vorprogrammierten Schritten bis zum Jahr 2015 auf 15 Prozent heraufsetzen. Die Quote muss so hoch sein, dass die Mineralölwirtschaft gezwungen ist, neben der Beimischung auch Reinkraftstoffe auf den Markt zu bringen. Hier liegt die Chance für Landwirte und die mittelständische Mineralölwirtschaft.

  • In Zukunft sollen nur Biokraftstoffe zugelassen werden, die den Kriterien der Nachhaltigkeit entsprechen. Die CO2-Bilanz muss positiv sein, Raubbau an der Natur muss ausgeschlossen werden, Transportwege werden eingerechnet. Die Zertifizierung von Biokraftstoffen wird in einer Nachhaltigkeitsverordnung geregelt, die die Bundesregierung noch im Herbst erlassen wird.
  • Biokraftstoffe der Zweiten Generation werden noch auf längere Sicht steuerlich gefördert, zumindest so lange, bis sie eine Marktreife erreicht haben. Das gilt für synthetische Kraftstoffe und besonders auch für Bioethanol (E 85)

Bioethanol wird eine weit größere Bedeutung für den Kraftstoffmarkt haben, als mancher noch vor einem Jahr angenommen hat. Viele europäische Länder, wie Frankreich oder Schweden, fahren eine ausgeprägte Biokraftstoffstrategie. Die französischen und schwedischen Automobilhersteller, oder solche, die für den französischen und schwedischen Markt produzieren – wie Ford – haben sich darauf eingestellt. Nur die deutschen Hersteller zögern. VW und Mercedes sollten sich bewegen, und zwar schnell, bevor der Gesetzgeber sie zwingt, bivalent betriebene Fahrzeuge, also solche die sowohl Mineralöl als auch Bioethanol verkraften, auch in Deutschland anzubieten.

Die niedrigeren durchschnittlichen CO2-Emissionen der Automobilhersteller zwingen zum Angebot zumindest eines Segments an attraktiven Klein- und Mittelklassewagen, die aus Kostengründen nicht mit Diesel, sondern mit Ottokraftstoffen betrieben werden. Und diese lassen sich in beliebiger Beimischung oder total mit Bioethanol betreiben, wenn sie dafür serienmäßig ausgerüstet sind.

(Vgl. Meldung vom 2007-07-06.)

Source: SPD-Fraktion, 2007-07-23.

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