6 Februar 2009

Kunststoffindustrie in Japan sucht Wachstumsmotoren

Biokunststoffe vor allem für Innovationen in der Automobilbranche wichtig

Die japanische Kunststoffindustrie muss sich auf ein schwieriges Jahr 2009 einstellen. Die schlechte Lage der wichtigen Abnehmerbranchen hat einen fallenden Absatz bei vielen Kunststoffmaterialien zur Folge. Bei der Suche nach neuen Wachstumsmotoren sind neue Werkstoffe für die Kfz-Industrie ein Schwerpunkt. Auch an Biokunststoffen und Separatoren für Batterien wird gearbeitet. Die schwierige Lage der Branche macht die Bildung neuer Unternehmensallianzen wahrscheinlich.

Schwierige Situation der japanischen Kunststoffindustrie
Japans Kunststoffindustrie sucht nach Auswegen aus der schwierigen wirtschaftlichen Lage. Als Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise im In- und Ausland verkauften die heimischen Produzenten in den ersten neun Monaten 2008 insgesamt nur knapp 9,7 Mio. t an Kunststoffmaterialien. Gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum war dies ein Minus von 5,7%. Im Segment der Standardkunststoffe fiel zum Beispiel der Absatz von Polyethylen um 3,3%, der von Polypropylen um 5% und der von PVC sogar um 14,7%.

Bei allgemeinen technischen Kunststoffen ist die Lage nicht viel besser. Der Absatz etwa von Polykarbonat ging unter dem Einfluss der sehr schwachen Konjunktur in der Kfz- und Elektronikindustrie in den ersten drei Quartalen 2008 um 10,5% zurück. Auch PET verkaufte sich schlechter (-4,3%). Umgekehrt hingegen stieg der Absatz von Polyamid um 1,5%, und der von Polyacetat um 1,1%.

Die weiteren Aussichten sind aber auch hier wie in den anderen Bereichen nicht sehr gut. Denn die wichtigen Abnehmer von Kunststoffen wie die Automobilindustrie oder die Elektro- und Elektronikbranche stehen unter großem wirtschaftlichen Druck. Die Produktion von Kfz oder Flachbildschirmen wird immer schneller und drastischer gedrosselt. Aus der Bauwirtschaft kommen ebenfalls nur wenige Impulse, da der private Wohnungsbau stockt und die öffentlichen Infrastrukturprojekte derzeit nur bedingt für Ausgleich sorgen. Unklar ist die Lage im Verpackungssektor. Zumindest bei Verpackungen für Nahrungsmittel ist allerdings auch 2009 noch mit einem relativ stabilen Geschäft zu rechnen.

Innovationen gesucht
In dieser Situation suchen alle großen Hersteller aktiv nach neuen Wachstumsmotoren. Trotz der gegenwärtig sehr schlechten Lage in der Kfz-Industrie gibt es viel Bewegung bei der Entwicklung von Kunststoffen, die Gewicht und Energieverbrauch der Fahrzeuge einsparen helfen. Das Gleiche gilt ebenfalls für die Luft- und Raumfahrtbranche.

Mitsubishi Chemical plant, die Forschung und Entwicklung von Kunststoffen zu verstärken, die das Autogewicht um 50% reduzieren sollen. Kohlefaserverstärkte Kunststoffe sind ein Feld, in dem das Unternehmen seine Aktivitäten verstärkt hat. Ein anderer Chemiehersteller, Toray Industries, eröffnet in seinem “Automotive & Aircraft Center” im Werk Nagoya voraussichtlich im April 2009 das sogenannte Advanced Composite Center (ACC). Dort soll unter anderem an neuen Verbundwerkstoffen auf der Basis von Thermoplasten gearbeitet werden.

Mit Biokunststoffen wird ein neues wichtiges Feld erschlossen, dem auch die Kfz-Industrie trotz vergleichsweise noch hoher Materialkosten große Aufmerksamkeit schenkt. So gab zum Beispiel Toyota Mitte Oktober 2008 bekannt, bis 2015 etwa 20% der in Autos verwendeten künstlichen Materialien durch Biokunststoffe ersetzen zu wollen. Erstes Einsatzfeld werden Innenraum-Komponenten sein. Bei der Entwicklung der Kunststoffe will Toyota unter anderem mit Sumitomo Chemicals und mit Mitsui Chemicals Polyurethanes kooperieren.

Mazda hat nach Presseberichten von September 2008 mit der Universität Hiroshima eine Vereinbarung zur Entwicklung von Polypropylen-Biokunststoffen getroffen. Die dabei verwendete Biomasse soll nicht aus Nahrungsmitteln, sondern unter anderem aus Reisstroh gewonnen werden. Mazda hofft, die neuen Kunststoffe ab 2013 für Stoßstangen und Instrumentenbretter einsetzen zu können.

Angesichts eines schwächelnden Marktes und der Notwendigkeit, Strategien für ein dauerhaftes Wachstum zu entwerfen sowie die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, hat eine Reihe von Kunststoffverarbeitern schon in den vergangenen Jahren Allianzen mit anderen Herstellern gebildet. Nach Auffassung der Fachzeitschrift “Japan Chemical Week” wird sich in Zukunft die Tendenz zur Bildung neuer Partnerschaften verstärken. Viele Herausforderungen, ob Ölpreisfluktuationen, Importkonkurrenz oder ein unsicherer Binnenmarkt, seien zu groß, als dass sie von einem Unternehmen allein bewältigt werden könnten, heißt es in dem Blatt.

Source: Plasticker, 2009-02-06.

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