2 Mai 2006

Kopetz in Brüssel: Biomasse für Europa

Perspektiven einer europäischen Biomasse-Politik

“Angesichts der Verknappung der fossilen Ressourcen und dem fortschreitenden Klimawandel und vor allem angesichts der damit verbundenen dramatischen Preisanstiege am Energiemarkt sollte es Klarheit über die langfristige Zielsetzung für das europäische Energiesystem geben und davon abgeleitet klare Ziele und Grundsätze für die Entwicklung der Biomasse”,

fordert Heinz Kopetz, Vorsitzender des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Präsident des Europäischen Biomasse-Verbandes (AEBIOM), anlässlich seiner Rede am “Energy Day” in Brüssel. Die Veranstaltung im Europäischen Parlament demonstrierte unter dem Motto “energyze yourope” anhand der Beispiele von Schweden, Deutschland und Österreich mögliche Wege aus der derzeitigen Energiekrise.

Maximaler Beitrag der Biomasse

Kopetz präsentiert dazu Schwerpunkte für eine optimale Biomasse-Politik: “Die längerfristige Zielsetzung sehe ich in der möglichst weitgehenden Umstellung unseres Energiesystems auf erneuerbare Energieträger bei gleichzeitiger Reduktion des Primärenergieverbrauches durch höhere Effizienz und verstärktes Energiesparen. Daraus folgt als oberste Zielsetzung für die Biomasse: Die Biomasse soll den maximal möglichen Beitrag zur Versorgung Europas mit Endenergie erbringen.”

Drei Kriterien bestimmen diese “Best policy” für Biomasse:

  • Minimierung der Umwandlungsverluste,
  • Maximierung der Energieerträge je Hektar sowie
  • Minimierung der Kosten.

Wärmegewinnung am effizientesten

“Sowohl vom Standpunkt der erreichbaren Effizienz, der Energieausbeute je Hektar als auch der Erzeugungskosten ist der Schwerpunkt der energetischen Biomassenutzung auf die Wärmeerzeugung zu legen”, ist der Vorsitzende überzeugt. “Der rasche Umbau des Wärmesystems kann aber nur gelingen, wenn es nationale Programme für private Haushalte und Betriebe gibt – z. B. generelle Investitionszuschüsse in der Höhe von 30 bis 40% und hohe Steuern auf Fossile Brennstoffe (Heizöl, Erdgas).”

Die Erzeugung von Biotreibstoffen hilft die Abhängigkeit Europas von Energieimporten zu verringern. Sie soll laut Kopetz daher weiter ausgebaut werden. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die Energieausbeute je Hektar und die Energiebilanz deutlich schlechter ist als bei der Wärmeerzeugung. Es zeichne sich ab, dass bei Beachtung der aufgezeigten Prioritäten, die Biomasse aus Europa in Zukunft jedenfalls weniger als ein Viertel des aktuellen Treibstoffverbrauches decken kann.

Nationale Umsetzungsprogramme als Schlüssel zum Erfolg

Eine deutliche Absage erteilt der Biomasse-Experte der reinen Stromerzeugung aus Biomasse ohne volle Nutzung der dabei frei werdenden Wärme bzw. der Zufeuerung in Kohlekraftwerken. Dies führe zu ineffizienten Systemen und zur Vergeudung des wertvollen Rohstoffs Biomasse. “Das Beispiel Cofiring zeigt, dass es nicht genügt, im bestehenden Energiesystem einfach fossile Energieträger durch Biomasse zu ersetzen, sondern dass es notwendig ist, eine neue dezentrale Versorgungsstruktur aufzubauen, beispielsweise durch die Errichtung von Nahwärmesystemen oder durch die Entwicklung kleiner dezentraler Stromerzeugungseinheiten für Biomasse”, so Kopetz abschließend.

“Der vorliegende Europäische Biomasse-Aktionsplan muss weiter entwickelt werden und vor allem die nationale Verantwortung für die Umsetzung stärker zum Ausdruck gebracht werden.”

(Aussendung: Österreichischer Biomasse-Verband)

(Vgl. Meldungen vom 2006-04-27 und 2005-05-25.)

Source: Oekonews.at vom 2006-04-29.

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