23 November 2006

“Ökomanager des Jahres” von WWF und ‘Capital’

Sonderpreis für Heinrich Kranz, Stoffkontor Kranz AG

Ökomanager Konzerne: Umwelt- und Ressourcenschonung mit Tradition.

Die Auszeichnung “Ökomanager des Jahres” vergeben der WWF Deutschland und ‘Capital’ seit 1990 an herausragende Unternehmer und Manager, die sich um die Umwelt verdient machen. Die Preisträger beweisen, dass sich nachhaltiges Wachstum, Ressourcenschonung und Rendite nicht ausschließen.

Franz Fehrenbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, Stuttgart, ist von der Umweltstiftung WWF Deutschland und dem Wirtschaftsmagazin Capital zum “Ökomanager des Jahres 2006″ im Bereich Konzerne gewählt worden

Zwischen langfristiger Unternehmenssicherung und Umweltbelangen die Balance zu halten, ist für den Bosch-Chef Franz Fehrenbach eine zentrale Aufgabe. Er sieht nicht nur die ökonomische, sondern auch die ökologische Globalisierung als große Herausforderung für Gesellschaft und Unternehmen.

Ökomanager Mittelstand: Ökostrom aus Biomasse

Bei den mittelständischen Unternehmen wurde Heiko von Tschischwitz, Geschäftsführer der LichtBlick – die Zukunft der Energie GmbH & Co. KG in Hamburg, ausgezeichnet. Der Ökostrom-Anbieter ist heute der größte unabhängige Stromlieferant Deutschlands und versorgt bundesweit über 215.000 Privathaushalte und 50.000 Betriebe.

LichtBlick ist heute der größte unabhängige Stromlieferant Deutschlands und versorgt bundesweit über 215.000 Privat­kunden und 50.000 Betriebe, Schulen und andere Abnehmer. Erzeugt wird der Strom vor allem mit Biomasse- und Wasser-Kraftwerken. Strom aus Kohlekraftwerken und Atommeilern ist für LichtBlick tabu. Das garantieren der TÜV Nord und das vom Öko-Institut Freiburg, der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und dem WWF vergebene Gütesiegel “ok-Power”.

Die Gründung des Bundesverbandes neuer Energieanbieter geht wesentlich auf die Initiative von LichtBlick zurück. Erklärtes Unternehmensziel von LichtBlick ist es, einen Marktanteil von fünf Prozent im deutschen Strommarkt zu erreichen und zwei Millionen Haushaltskunden zu versorgen.

Sonderpreis: Riesenbrennnesseln zum Anziehen

Ein Sonderpreis ging in diesem Jahr an Heinrich Kranz, Vorstand der Stoffkontor Kranz AG in Lüchow/Wendland. Er stellt aus bis zu drei Meter hohen Riesenbrennnesseln einen weichen Stoff her, der es ohne weiteres mit Baumwollstoffen aufnehmen kann.

Kranzs Brennnesseln, eine spezielle Sorte mit drei Meter hohen Pflanzen, an der die Universität Hamburg die Rechte hält, werden zurzeit von Vertragslandwirten auf 160 Hektar angebaut. Das vermeintliche Unkraut ist dabei Biotop, sehr genügsam, gedeiht ohne Pestizid-Einsatz und nur ab und an ist eine Gabe von Dünger nötig. Etwa alle 10 bis 15 Jahre muss neu gepflanzt werden. Im Verhältnis zur Baumwolle, bei deren Produktion allein 24 Prozent aller weltweit erzeugten Insektizide auf den Feldern landen, eine wahrhaft ökologische Pflanze.

Einmal im Jahr werden die Nesseln mit einem Kreiselmäher gemäht. Aus den getrockneten Pflanzen werden dann die Fasern über einen eigenen Maschinenpark herausgelöst und anschließend mit einem patentierten Bio-Verfahren mit Enzymen gereinigt.

In einer eigenen kleinen Weberei fertigt Heinrich Kranz daraus Stoffe, Bettwäsche, Hemden und Jeans, die inzwischen über 1.500 Händler und das Internet vertrieben werden. 17 Mitarbeiter erwirtschaften mit den Brennnesseln zurzeit einen Umsatz von 1,8 Millionen Euro.

Heinrich Kranz ist überzeugt, dass seine Brennnesseln eine echte Konkurrenz zur Baumwolle sein könnten. Ab einer Anbaufläche von 10.000 Hektar würden die Brennnessel-Stoffe made in Germany nicht mehr als indischer Baumwollstoff kosten – und das ganz ohne umweltfeindliche Erzeugungsweise. (Vgl. Meldung vom 2006-08-11.)

Zum Originaltext

Source: WWF vom 2006-11-22.

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