21 Oktober 2002

Klimawandel – Nachwachsende Rohstoffe als Chance

Überflutete Keller, auslaufende Heizöltanks, unterspülte Häuser und Strassen waren Blickfänger in den Nachrichten. Mit starken Regenfällen bildeten sich im August an Donau, Elbe und Moldau Flutwellen mit extremen Pegelständen. Evakuierungen und Dammbrüche waren Folgen dieser historischen Sommerflut, die häufig im Zusammenhang mit den Begriffen Klimaänderung, Treibhausgase und Erderwärmung genannt wurden. Inzwischen bestimmen andere Themen die Schlagzeilen. Dabei verstärken sich die Indizien für eine Klimaänderung mit Einfluss auf Häufigkeit und Intensität von Naturkatastrophen.

Zum Thema “Klimaänderung: Schadenspotentiale und Vorsorgestrategien” referierte Dr. Gerhard Berz, Leiter der GeoRisikoForschung der Münchener Rückversicherungsgesellschaft im Juli auf dem C.A.R.M.E.N.-Symposium. Seit über 30 Jahren analysiert die Münchener Rück globale Umwelt- und Klimaänderungen. Große Naturkatastrophen haben seit den 60er Jahren nach Anzahl und Schäden deutlich zugenommen. Gründe sind zunehmende Verstädterung, Industrialisierung und anthropogene Umweltveränderungen. Die Versicherungen wollen sich vor den Auswirkungen der Schadenszunahme schützen, auch durch klima-“freundliche” Versicherungsprodukte z.B. bei Vermögensanlagen.

Der Wert für das wichtigste Treibhausgas – CO2 – stieg seit Beginn der Industrialisierung um 30 Prozent, vor allem durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas. Pro Tag wird die Energiespeicherleistung von 500.000 Tagen Erdgeschichte irreversibel in Kohlendioxid umgewandelt. Es gibt nicht “die Schlüsseltechnologie”, mit der allein Klimaschutz zu erreichen ist. Verschiedene Technologien und nicht-fossile Energiequellen werden eine wichtige Rolle spielen. Nachwachsende Rohstoffe (Biomasse), organische Stoffe pflanzlichen oder tierischen Ursprungs, die als Industrierohstoff oder Energieträger genutzt werden, schonen fossile Energiequellen, sind dezentral verfügbar und reduzieren die Importabhängigkeit.

Derzeit trägt die Biomasse mit 1,9 Prozent zum Primärenergiebedarf in Deutschland bei. Für Bayern liegt dieser Anteil sogar bei 3,6 Prozent, Tendenz steigend. Damit wird die Freisetzung von gut 5,5 Millionen Tonnen CO2 vermieden. Gewonnen wird diese biogene Energie auf vielfältige Weise: 111 Biomasse-Heiz(kraft)werke, 250 Klär- und Deponiegasanlagen, 560 landwirtschaftliche Biogasanlagen und eine Produktionskapazität von 80.000 Tonnen Biodiesel belegen – zusammen mit 1,76 Millionen Holzöfen und Kaminen, 400.000 Stückholz- und Hackschnitzelheizungen – dass Bayern Spitze ist, wenn es um Nachwachsende Rohstoffe geht. Dieser Schwerpunkt der bayerischen Agrarpolitik kommt der Umwelt und der Landwirtschaft zugute und beinhaltet ebenso die stoffliche Nutzung Nachwachsender Rohstoffe.

Biologisch abbaubare Werkstoffe (BAW) auf Basis Nachwachsender Rohstoffe wie Stärke, Zucker, Cellulose, Pflanzenöle oder Proteine finden sich schon heute in vielen Produkten. Verpackungsmaterialien, Einweggeschirr und Dämmstoffe für den “Normalverbraucher” sind ebenso erhältlich wie Produkte für die Medizin-, Bio- und Umwelttechnik. Auch in Landwirtschaft, Garten- und Landschaftsbau kommen zunehmend Mulchfolien, Bindegarne und Pflanztöpfe aus BAW zum Einsatz.

Weitere Informationen: Rohstoffe – regenerativ und rentabel, Tagungsband C.A.R.M.E.N.-Symposium, Intergovernmental Panel of Climate Change, Süddeutsche Zeitung, Münchener Rück

Source: nawaros® vom 2002-09-12.

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