26 Juni 2007

Kaufen Chinesen Deutschen Wald?

Unterschiedliche Einschätzung der Verbände

Chinas Holzbedarf wächst. In den kommenden Jahren soll das Land, das Importholz bisher vor allem aus dem asiatisch-pazifischen Raum einführt, zum größten Rohholzimporteur aufsteigen. Ob deutsche Wälder künftig in großem Stil von chinesischen Investoren aufgekauft werden, ist allerdings umstritten.

Bund Deutscher Forstleute: “Die Chinesen kaufen auf Teufel komm raus.”
Wie der Bund Deutscher Forstleute (BDF) erfahren hat, kaufen die Chinesen in Deutschland großflächig ganze Wälder. Matthias Manthey, Grundstücksmakler aus Ahrensburg und Geschäftspartner der Chinesen gegenüber der Zeitung Die Welt: “Die Chinesen kaufen auf Teufel komm raus.” Im Raum Celle haben die Chinesen laut Manthey bereits 500 Hektar Wald gekauft und würden derzeit im großen Stil über Waldkäufe in Schleswig-Holstein verhandeln.

Bernhard Dierdorf, Bundesvorsitzender der Fachgewerkschaft Bund Deutscher Forstleute, befürchtet negative Auswirkungen auf den naturnahen Waldbau, auf die Verkehrssicherungspflicht, auf den heimischen Holzmarkt und auf die Allgemeinwohlverpflichtung der Wälder. Der BDF befürchtet mit Blick auf die leeren öffentlichen Kassen mittelfristig allerdings auch den Ausverkauf der Staatswälder.

Der von Franz Müntefering kreierte Begriff “Heuschrecken” zieht auch in die deutsche Forstwirtschaft ein. Der Globalplayer China ist dabei, eine Führungsrolle in der Weltforstwirtschaft zu übernehmen. Der Rohstoff Holz ist im eigenen Land ein knappes Gut und der Holzverbrauch steigt seit Jahren stetig. Selbst über genmanipulierte Baumarten und eine intensive Plantagenwirtschaft ist die innerchinesische Holznachfrage nicht zu befriedigen. Da sich der Holzmarkt in den vergangenen Jahren deutlich erholt hat, scheinen die Chinesen mittelfristig nicht mehr bereit zu sein, die steigenden Holzpreise zu zahlen. Über den Erwerb von Waldeigentum in Deutschland soll nun der Eigenbedarf an Holz wirtschaftlich akzeptabel gesichert werden. Deutschland ist aufgrund der hohen Holzvorräte für die Chinesen ein lukratives Waldland, in dem es sich lohnt, zu investieren.

Der BDF sieht, obwohl sich auch die Chinesen an die Länderforstgesetze halten müssen, diese Entwicklung mit großer Sorge. Die Sicherung des Rohstoffes Holz durch die Chinesen wird zur Folge haben, dass der deutschen Holzwirtschaft erhebliche Holzmengen entzogen werden. Bernhard Dierdorf: “Im Rahmen der ordnungsgemäßen und nachhaltigen deutschen Forstwirtschaft werden die sozialen, ökologischen und ökonomischen Waldfunktionen gesichert. Die diesen Funktionen dienende Allgemeinwohlverpflichtung des Waldes ist bis heute nicht in Frage gestellt.” “Ob sich die Chinesen an diese Allgemeinwohlverpflichtung gebunden fühlen, ist zu bezweifeln”, so Dierdorf weiter. Die finanziellen Investitionen in den Erwerb von Wald werden die Chinesen durch entsprechende Ernteerträge wieder einfahren wollen. Da werden die Erholungseinrichtungen im Wald sehr schnell zur Mangelware werden. Der Wald ist Wirtschaftsgut, Arbeitsplatz und Kulturlandschaft zugleich. Deshalb fordert der BDF die Politik, die Forstverwaltungen und die Gesellschaft auf, dem Ausverkauf deutscher Wälder entschieden entgegen zu wirken.

AGDW: Größere Waldflächen sind derzeit nicht auf dem Markt
Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e.V. (AGDW) teilt diese Besorgnis nicht: “Die Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Markt für Waldflächen und die konkrete Nachfrage bei unseren Mitgliedern lassen solche Entwicklungen kaum möglich erscheinen”, sagt Dr. Ute Seeling, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e.V., zu Gerüchten über Waldkäufe ausländischer Investoren (“Heuschrecken”) in großem Stil.

Insgesamt ist der Waldflächenumsatz in Deutschland sehr gering, nur wenige Tausendstel der Gesamtfläche wechseln jährlich den Eigentümer. In Niedersachsen sind es beispielsweise ca. 0,18% des Bestandes, in Nordrhein-Westfalen ca. 0,23%. Diese geringfügige Bewegung, sieht man von der langjährigen Reprivatisierung durch die Treuhand in den Neuen Bundesländern ab, die jedoch mittlerweile zu gut 90% abgewickelt ist, macht es fast unmöglich, von einem “Markt” zu sprechen.

In Deutschland befinden sich ca. 46% der Gesamtwaldfläche in privater Hand. Bei 50 bis 75% der Fläche handelt es sich um Klein- und Kleinstflächen (bis zu 30 Hektar). Für Investoren, denen es um effiziente Nutzung der Bestände geht, sind diese Größenordnungen vollkommen unattraktiv. Attraktiv sind sie nur für den umliegenden Waldbesitzer, dem sie zur Arrondierung seiner bereits bestehenden Waldfläche dienen. Die dabei zugrundeliegende Motivation muss als sehr positiv eingeschätzt werden, denn sie dient zur Erhaltung und Schaffung nachhaltig wirtschaftender Betriebe.

Die Idee der Sicherung von Ressourcen und der engeren Verzahnung von Wertschöpfungsketten ist nicht neu. So hat es in der Vergangenheit durchaus schon den ein oder anderen interessierten Investor aus dem In- und Ausland (z.B. Skandinavien, Österreich) gegeben. “Bislang sind derartige Bemühungen an den beschriebenen Marktverhältnissen mehr oder weniger gescheitert”, erläutert Dr. Seeling. “Jeder Waldbesitzer in Deutschland ist zudem an die gesetzlichen Vorgaben gebunden, die eine ordnungsgemäße, nachhaltige Forstwirtschaft vorschreiben. Es besteht kein Grund zur Beunruhigung.”

Die Pressemeldungen stehen zum Herunterladen zur Verfügung:

(Vgl. Meldungen vom 2007-05-10 und 2006-08-10.)

Source: Bund Deutscher Forstleute (BDF), 2007-06-25 und Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e.V. (AGDW), 2007-06-27.

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