5 März 2003

„Jugend forscht“: BAW aus Chitosan

Schüler entwickelt Bio-Folie aus Krustentierabfällen

Den ersten Preis beim Regionalwettbewerb von “Jugend forscht” in Frankenthal errang Philipp Börsch-Supan, Schüler der zwölften Jahrgangsstufe am Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium in Neustadt, mit einem selbst entwickelten Verfahren zur Kunststoffgewinnung aus Krustentierabfällen.

Der Preisträger erläuterte, er habe die Methodik, die eigentlich schon in Fachkreisen bekannt sei, optimiert sowie durch erheblich weniger Chemikalieneinsatz vereinfacht und damit auch umweltverträglicher gestaltet.

Chitin und das daraus gewonnene Chitosan hatten den Jungforscher schon länger als Ausgangsmaterial für biologisch abbaubare Kunststoffe interessiert, nur fehlte es ihm noch an Rohstoff für Reihenversuche. Schließlich habe er durch einen beruflichen Wohnortwechsel seines Vaters nach New Hampshire (USA) Gelegenheit gefunden, dort in großen Mengen an Hummerabfälle zu gelangen, da dieses Krustentier in der Gegend ein beliebtes Speisetier ist.

In einem Küchenmixer pulverisierte der Schüler „kiloweise“ Hummerschalen, um methodische Versuche mit dem Material zu machen. Das so entstandene Pulver habe er in Essig aufgelöst, die Mischung auf ein antihaftbeschichtetes Backblech gegossen und den Essig verdunsten lassen. Zurück blieben biologisch abbaubare Folienstoffe, die er nach Rückkehr in seine Heimatstadt mit Hilfe seiner Schule und regionalen Unternehmen optimieren konnte. Auch ein zweiwöchiges Praktikum am Max-Planck-Institut in Mainz hatte zur weiteren Optimierung seines Verfahrens beigetragen, dessen zusätzlicher Vorteil die rasche Gewinnungsmöglichkeit für das Rohmaterial Chitin ist.

Rund eine Mrd. Tonnen Chitin, das nach Zellulose am zweithäufigsten vorkommende Biomaterial der Erde, fiele jährlich durch Krustentiere, Pilze und andere Tiere an, wusste der Jung-Chemiker zu berichten. Aus Chitosan erzeugte Materialien seien neben kompostierbaren Verpackungsfolien aber zum Beispiel auch körperverträgliche Kompressen in der Medizin, dabei aber biologisch verrottbar wie Holz oder Blätter.

Philipp Börsch-Supan wird sein Verfahren Anfang April in Bitburg bei „Jugend forscht“ auf Landesebene präsentieren und bis dahin weiter an Verfeinerungen arbeiten. Auch hat der Abiturient beim Patentamt schon eine Anfrage zum Procedere für eine mögliche Patentierung gestellt.

(Vgl. Meldungen vom 2002-10-30 und 2002-03-13.)

Source: Rheinland Pfalz online vom 2003-03-03.

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