9 Oktober 2001

Johanniskraut – Gute Laune von deutschen Äckern

FNR bahnt heimischer Johanniskrautproduktion den Weg

Mit der Unterstützung eines dreijährigen Forschungsvorhabens schafft die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) jetzt die Grundlage für die Züchtung von welkeresistenten Johanniskrautsorten. Zwei Bundesanstalten und die Forschungsvereinigung der Arzneimittelhersteller (FAH) sollen dafür sorgen, dass die Droge bald ohne Verluste in der Landwirtschaft erzeugt werden kann.

Nicht nur für den Körper, auch für die Seele hat sich Johanniskraut als Heilmittel seit Jahrhunderten bewährt. Dennoch, der landwirtschaftliche Anbau ist risikoreich: die Wildpflanze lässt sich nur sehr schwer kultivieren. Was am Wegesrand üppig wuchert, geht auf dem Feld nur sehr unsicher auf oder fällt einer Welkekrankheit zum Opfer.

In einem Vorläufervorhaben hatte die FNR bereits über 120 Herkünfte auf ihre Qualitäten auswerten lassen. Nun gilt es, aus den besten besonders leistungsfähige Zuchtstämme zu entwickeln und im nächsten Schritt ihre guten Eigenschaften zu kombinieren. Eine anbautaugliche Sorte muss nicht nur resistent gegen die Welke sein, sondern sollte zudem in den Blüten möglichst viel der heilenden Inhaltsstoffe enthalten.

Vor der Inkulturnahme stammte der Rohstoff für Johanniskrautpräparate im Wesentlichen aus der Wildsammlung und aus Importen. Die Kontrolle der Drogengewinnung und die Herstellung der von Verbrauchern und Verarbeitern gewünschten Qualität wurden dadurch erschwert. Ein systematischer und kontrollierter Anbau vor Ort schafft Abhilfe – sofern geeignete Sorten dafür bereit stehen. An ihrer Entwicklung arbeiten die Wissenschaftler seit Anfang des Jahres. Dabei werden sie durch eine Eigenheit der Pflanze vor eine besondere Herausforderung gestellt: Johanniskraut vermehrt sich je nach Lust und Laune meist ohne – aber in einigen Fällen auch mit Befruchtung. Auf herkömmliche Arbeitsweisen können die Züchter also nur bedingt zurückgreifen, wenn sie inhaltsstoffreiche und resistente Zuchtstämme kombinieren wollen. Erst wenn die besonderen Umstände der Vermehrung des Johanniskrauts vollständig durchschaut sind, kann die Züchtung effektiv tätig werden.

Schlüssel für die erfolgreiche Lösung der anspruchsvollen Aufgabe ist die Zusammenarbeit von Fachleuten aus öffentlicher Forschung und über die FAH auch aus der Wirtschaft: Die Bundesanstalt für Züchtungsforschung Quedlinburg entwickelt die Zuchtstämme, deren Eigenschaften die Firma N.L. Chrestensen Erfurt durch Kreuzungsexperimente kombiniert. In Quedlinburg werden auch die Resistenztests und die komplizierte Bestimmung des Vermehrungstyps durchgeführt. Unterstützung bei der Entwicklung der Methoden gibt es durch die Biologische Bundesanstalt und das Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung Gatersleben. Pharmazeutische Unternehmen der FAH finanzieren die aufwändigen Inhaltsstoffanalysen. Die komplexe Bearbeitung des Forschungsthemas schafft die besten Voraussetzungen, um mit Hilfe der Zuchtstämme und des züchterischen Know-hows in absehbarer Zeit besonders leistungsfähige Johanniskrautsorten für den Anbau zur Verfügung zu stellen.

Kontakt:
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR)
Hofplatz 1
18276 Gülzow
Tel.: 03843/69 30-0
Telefax: 03843/69 30-102
E-Mail: info@fnr.de
Internet: http://www.fnr.de

Quelle: Pressemitteilung der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Source: Pressemitteilung der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

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