1 Juli 2003

Jetzt auch in Deutschland: Holzpellets für Strom und Wärme

Wer als Deutscher mit Bahn oder Auto durch Österreich fährt, und in fast jedem Dorf und schon in vielen Städten Berge von Holzhackschnitzel und Anlagen zur Produktion von Holzpellets sieht, fragt sich: Wo steht Deutschland beim Einsatz von Biomasse?

In Bayern werden immerhin schon vier Prozent der Energie aus Biomasse gewonnen. In Österreich aber insgesamt schon 15 Prozent. In Deutschland insgesamt sind es aber weniger als ein Prozent. Das große Deutschland sollte lernen vom kleinen Österreich.

Immerhin machen sich Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen (NRW) auf dem Weg zur Biomasse-Nutzung. Einen guten Start hatte die Aktion Holzpellets in NRW. Kurz nach dem Startschuss wurde die junge Branche gleich zweimal gestärkt: Im niederrheinischen Sonsbeck in der Nähe von Wesel ging die erste nordrhein-westfälische Produktionsanlage für Holzpellets in Betrieb. Die erste Pelletierpresse wird eine Jahresleistung von bis zu 2.500 Tonnen haben und kann damit den Bedarf von nahezu 500 Haushalten decken. Das Rohmaterial stammt von Holz verarbeitenden Betrieben in der Region.

Im sauerländischen Eslohe wurde zudem der Grundstein für eine weitere Holzpellets-Großanlage gelegt. Die Anlage auf dem Gelände der Firma Baust wird nach Inbetriebnahme eine Jahresleistung von rund 10.000 Tonnen Holzpellets haben. Die Firma Baust Holzbetriebs GmbH hatte sich nach der Beratung durch die Energieagentur NRW entschlossen, auf dem Werksgelände in Eslohe-Bremke eine Pelletieranlage zu errichten.

Holzpellets können beim Endverbraucher ähnlich wie Heizöl mit einem Tankwagen angeliefert werden. Das Unternehmen hat bereits seit mehreren Jahren Erfahrung in der energetischen Nutzung von Holz. Im betriebseigenen Kraftwerk wird seit fünf Jahren Strom und Wärme zur Versorgung der Schnittholztrockenkammern sowie des Esloher Gewerbegebiets “Im Wennetal” produziert. Mit der vorhandenen Überschusswärme soll die Spänetrocknung ausgebaut werden.

Die so getrockneten Späne sind nicht nur Grundstoff für die Holzpelletproduktion, sondern auch hochwertiger Brennstoff für weitere größere Holzheizwerke in der Region. Das Land NRW wird mit Mitteln aus der HAFÖ-Richtlinie sowohl den Ausbau der Spänetrocknung wie auch den Bau der Pelletieranlage fördern.

Ob Sonsbeck oder Eslohe – hier wird Holz aus der Region verarbeitet. Damit entfallen lange Transportwege, diese umweltfreundliche Heiztechnik schafft und sichert dauerhaft Arbeitsplätze in der Waldwirtschaft, im Holzgewerbe und im Bereich des Handwerks. Gerade strukturschwache ländliche Gebiete können davon profitieren.

In den Jahren 2000 bis 2002 wurden in Nordrhein-Westfalen bereits 602 Pelletheizanlagen in Betrieb genommen. Das Umweltministerium fördert Holzpelletheizungen in Privathaushalten mit bis zu 1.500 Euro, weitere 1.500 Euro steuert der Bund aus dem Marktanreizprogramm bei. Für die Antragsverfahren sind die Forstämter zuständig.

(Vgl. Meldung vom 2003-04-30.)

Source: Brennpunkt Energie Ausgabe 02/2003.

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