25 Mai 2005

Japanische Holzarchitektur: Roland Schweitzer fasziniert Tiroler Publikum

Die japanische Holzarchitektur ist eine einflussreiche Grundlage der modernen europäischen Architektur. Univ.Prof. Roland Schweitzer, Architekt und Berater der französischen Regierung aus Paris, bereichert mit seinen Holzbauten die europäische Baukultur mit traditionellen japanischen Konzeptionen und findet somit eine vollkommen einzigartige neue Formensprache.

proHolz Tirol veranstaltete in Kooperation mit dem Stiftungslehrstuhl für Holzbau und dem Institut für Entwerfen Studio 2 Raumgestaltung der Universität Innsbruck sowie mit dem aut.architektur und tirol am Dienstag, den 10. Mai 2005 an der Universität Innsbruck den Vortrag “Einfluss der japanischen Holzarchitektur auf die zeitgenössische westliche Architektur”. Roland Schweitzer, ein Verwandter des Nobelpreisträgers Albert Schweitzer (1875-1965), begeisterte mit seinen Ausführungen rund 80 Architekten, Vertreter der Universität Innsbruck, Holzbauinteressierte und Studenten. Der Auftritt des 80 jährigen Grand Senieurs des Holzbaus wird in Erinnerung bleiben.

Das Haus der Zukunft ist aus Holz! Schon Adolf Loos war 1930 der Meinung, dass moderne Architektur auch aus einer Verbindung der japanischen Kultur mit der europäischen Tradition besteht.

Wichtige Elemente des europäischen Holzbaus mit einem Ursprung aus Japan sind: Weit ausragende Dächer, der offene Grundriss, die Einbindung in das Gelände, der fließende Übergang von Innen nach Außen, der Raster als gestaltendes Maß und beispielsweise Elemente wie Schiebetüren oder auch Galerien.

Feststellbar ist, dass die räumliche Kreativität des traditionellen Japans sich im Laufe der Jahrzehnte auf zahlreiche zeitgenössische Bauwerke übertrug und die japanische Holzarchitektur einen großen Einfluss auf die europäische Bauweise hatte und noch immer hat. Eine Zielvorgabe für den europäischen Holzbau sind weiterhin die in Holzbauweise errichtete 56 Meter hohe Pagode Toji in Kyoto und das älteste Holzgebäude der Welt, die buddhistische Tempelanlage Horyu Ji aus dem 7. Jahrhundert.

ChalonsDetail

Das Landwirtschaftsministerium Chalon_en in Champagne in Zentralfrankreich zeigt eine Neuinterpretation der japanischen Konzeptplanung. Das Spiel von offenen und geschlossenen Flächen sowie die klare Strukturierung von vertikalen und horizontalen Elementen verbunden mit einer spannenden Wegführung lassen den Einfluss Japans erspüren. Hier wurde erstmalig ein neues Verbindungselement zwischen Holzträger und Holzstütze entwickelt und erfolgreich eingesetzt.

villageK Das Jugenddorf Cieux in Limoges fasziniert durch die einzigartige Verbindung von Architektur und Natur. Der Holzfußboden scheint eine homogene Ebene mit dem Terrassenboden und dem Waldboden zu bilden. Bemooste Steine und Bäume werden in faszinierender Weise in die Architektur integriert. Schiebetüren sind direkt aus der japanischen Architektur übernommen. Die Ablesbarkeit von Material und Struktur wird hier deutlich. Die tragende Konstruktion, Stützen und Träger, sind in Holzbauweise gefertigt und stehen im Kontrast zu den großen Glasflächen.

Chapelle01KKapelle

Die Kapelle Saint Clotilde in Paris nimmt östliche Mystik in die europäische sakrale Architektur auf. Das horizontal betonte Dach wird durch eine zylindrische Öffnung durchbrochen, sodass ein Lichtkegel den Altar beleuchtet. Die Gläubigen finden somit Meditationsimpulse in der klaren Struktur des Gebäudes, in der Lichtführung im Innenraum und auch im Zen-Garten im Außenbereich. Das Gesamtkonzept ist im Einklang und überzeugt somit.

Weitere Informationen:
proHolz Tirol
Meinhardstraße 14
6020 Innsbruck
Tel.: 05 90 905-1363
Fax: 05 90 905-1312
E-Mail: proholz@holzinformation.at

Source: holz.net und proHolz Tirol vom 2005-05-24.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email