24 Juni 2009

Italien: Illegale Holzabfälle und radioaktives Cäsium in Holzpellets

Entwarnung für Deutschland und Österreich

Unzulässige Rohstoffherkünfte und radioaktive Energiepellets auf dem Markt – die italienische Pelletbranche wird derzeit von Skandalen gebeutelt. Für Deutschland und Österreich gehen die Branchenverbände davon aus, dass keine mit dem radioaktiven Element Caesium (Cs) 137 belasteten Pellets im Handel sind.

Illegale Quellen für Pelletsproduktion
Wie die österreichische Bauernzeitung berichtet, sind in Italien 10 Unternehmen und 14 Personen unter Verdacht, illegal mit Holzabfällen gehandelt zu haben. Es wurden Güter im Wert von 3 Mio. € beschlagnahmt, meldet oggitreviso.it. Besonders im Visier steht einer der größten Pelletshersteller des Landes, La Ti Esse, der zudem Präsident des italienischen Pellletsverbandes ist. Der Verdacht besteht, dass Überreste aus der Möbelproduktion und andere mit Lack und Leim behandelte Holzteile für die Pelletsproduktion verwendet wurden, liest man auf rainews24.rai.it. Momentan bestehe jedoch kein Verkaufsstopp für die Pellets von La Ti Esse.

10.000 Tonnen verstrahlte Pellets vom Markt genommen
Bereits in der vergangenen Woche mussten über 10.000 Tonnen Pellets wegen mutmaßlicher radioaktiver Verseuchung in Italien vom Markt genommen werden, zitiert AFP mehrere italienische Zeitungen. Die Pellets stammen angeblich aus Litauen. Die Behörden wurden von einem Mann aus dem Aosta-Tal informiert, der die Pellets analysieren ließ, weil sie schlecht gebrannt hätten, heißt es. Die Untersuchung habe eine Verunreinigung mit dem giftigen Cäsium 137 ergeben. In den Pellets ist der Stoff zwar ungefährlich, Rauch und Asche aber sind extrem gesundheitsschädlich. Die Pellets wurden im vergangenen Herbst nach Italien importiert und in elf süditalienischen Regionen verkauft.

Produkte in Deutschland und Österreich nicht betroffen
Der Deutsche Energie-Pellet-Verband e.V. (DEPV) berichtet über aktuelle Tests von Holzpellets auf den Gehalt des radioaktiven Elements Caesium (Cs) 137, die durchgehend negative Resultate erbracht hätten. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich sind bei Messungen keine Hinweise auf radioaktive Belastungen in Pellets aufgetreten, wie DEPV-Geschäftsführer Martin Bentele am Montag, den 22. Juni 2009 in Berlin mitteilte. Auch eine Abfrage bei deutschen Pellethändlern ergab keine Hinweise auf litauische Pellets, die in Deutschland im Umlauf seien. Durch diese Ergebnisse kann eine Verbrauchergefährdung in Deutschland und Österreich ausgeschlossen werden.

Das Jenaer Institut Eurofins-AUA GmbH (Niederlassung Freiberg, Sachsen) hat im Auftrag von zehn Händlern und Produzenten aus Deutschland Pelletproben auf den Gehalt von Cs 137 testen lassen. Dabei wurde (bei zwei Proben) ein Höchstwert von 7 Becquerel (Bq)/kg ermittelt. Die anderen Werte lagen darunter. Der österreichische Pelletverband Pro Pellets Austria (PPA) hat ebenfalls aktuell Pellets aus österreichischer, tschechischer und deutscher Produktion prüfen lassen, woraus sich ebenfalls keine belasteten Messungen ergaben. Die 7 Resultate weisen einen Höchstwert von 4,6 Bq/kg auf. Die Höhe der Belastungen in den Pellets entspricht derjenigen von Böden, Pflanzen- und Pflanzenprodukten. Für den sensiblen Bereich der Lebensmittel beträgt der Grenzwert 600 Bq/kg (lt. EU Verordnung 616/2000). Einen EU-Grenzwert für Holzprodukte gibt es nicht.

“Anders als Italien kann der heimische Markt komplett mit Pellets aus Deutschland versorgt werden. Die Inlandsnachfrage lag in der Vergangenheit sogar immer unterhalb der heimischen Produktion, so dass Pellets sogar in großen Mengen exportiert wurden”, sagte DEPV-Geschäftsführer Martin Bentele am Montag, den 15. Juni in Berlin. Importe kämen im geringen Umfang aus den direkten Nachbarstaaten wie Österreich oder Tschechien. Mit einer am 22. Juni bei den Pelletproduzenten und dem Handel getätigten Umfrage fragt der Verband ab, ob in der Branche Kenntnisse über litauischen Pellets in Deutschland bestünden. Zudem wird der DEPV mit einem kurzfristigen Praxistest die Existenz von belasteten Pellets am deutschen Markt überprüfen.

Source: Bauernzeitung, 2009-06-16, oe24.at, 2009-06-14 und Deutscher Energie-Pellet-Verband e.V. (DEPV), Pressemitteilungen, 2009-06-22 und 2009-06-15.

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