8 September 2017

ITA erforscht klimafreundliche Werkstoffe

Projekte der RWTH Aachen University werden Teil der KlimaExpo.NRW

Die Herstellung von Werkstoffen wie Beton oder Kunststoff ist mit erheblichen CO2-Emissionen verbunden. Das Institut für Textiltechnik (ITA) der RWTH Aachen University forscht in seinen Projekten BasFlair und GreenBraid am Einsatz klimafreundlicher Alternativen aus Naturstoffen. Dafür wurden die Projekte nun von der KlimaExpo.NRW geehrt. Dr. Heinrich Dornbusch, Vorsitzender Geschäftsführer der Landesinitiative, überreichte den Projektleitern am Dienstag die offizielle Urkunde zur Aufnahme in die landesweite Leistungsschau für den Klimaschutz.

Bildschirmfoto 2017-09-06 um 14.48.04

Im Bild v.l.n.r.: Die Projekte BasFlair und GreenBraid sind der 225. und 244. 1.000. Schritt in eine klimafreundliche Zukunft, die die Landesinitiative bis 2022 präsentiert.

Das Projekt BasFlair setzt für die Herstellung eines klimafreundlichen Betons Basaltfasern aus vulkanischem Gestein ein. Im Projekt GreenBraid verwenden die Aachener Forscherinnen und Forscher Flachs für die Produktion naturfaserverstärkter Kunststoffe. „Die beiden vorbildlichen und innovativen Projekte zeigen eindrucksvoll die Möglichkeiten, Werkstoffe energieeffizient und CO2-arm zu produzieren. Damit sind sie zwei gelungene Beispiele für den Fortschrittsmotor Klimaschutz“, sagte KlimaExpo.NRW-Geschäftsführer Dr. Heinrich Dornbusch, während er die Urkunden an Andreas Koch, Projektleiter von BasFlair, sowie an Viktor Reimer und Marie-Isabel Popzyk, Projektleiter von GreenBraid, überreichte.

Bildschirmfoto 2017-09-06 um 14.43.02

BasFlair – Feuerstelle

Nachhaltiger Beton mit vulkanischen Fasern

Beton, das Forschungsobjekt des Projektes BasFlair, ist einer der wichtigsten und preisgünstigsten Materialien für die Bauindustrie. Er gehört jedoch auch zu den größten Klimakillern der heutigen Zeit. Die Produktion von Zement als wesentlicher Bestandteil von Beton verursacht sechs bis neun Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Als ressourceneffiziente Alternative wurde daher federführend in Aachen seit den 1990er Jahren Textilbeton als neuartiger Baustoff entwickelt, der die günstigen Materialeigenschaften von Beton mit denen technischer Textilien kombiniert. Textilbeton enthält üblicherweise Textilien aus Glas- oder Carbonfasern, die die Zugfestigkeit des ansonsten spröden Betons erhöhen. Da Bauteile aus Textilbeton im Vergleich zu Stahlbeton bei gleichzeitig höherer Tragfähigkeit um bis zu 75 Prozent dünner und damit leichter sind, verringern sich die Transportkosten und die produktionsbedingten CO2-Emissionen. Weitere Vorteile sind die im Vergleich zu Stahlbeton geringere Korrosionsanfälligkeit und die freie Form- und Gestaltbarkeit.

Das Projekt BasFlair ersetzt nun die marktüblichen teuren und energieintensiven Glas- und Carbonfasern durch Basaltfasern aus vulkanischem Gestein. „Basaltfasern können das Anwendungsspektrum des innovativen Verbundwerkstoffs Textilbeton deutlich erweitern. Hauptargumente sind dabei der niedrige Preis und die Nachhaltigkeit aufgrund der Verwendung eines nachwachsenden Materials.“, sagte Andreas Koch, Abteilungsleiter „Textiles Bauen“ vom Institut für Textiltechnik (ITA) der RWTH Aachen University.

Bildschirmfoto 2017-09-06 um 14.43.42

GreenBraid

Entwicklung von widerstandsfähigen Flachsfaserverbundwerkstoffen

Das Projekt GreenBraid entwickelt naturfaserverstärkte Kunststoffe. Im Gegensatz zu kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen, die zum Beispiel bei Fahrradrahmen verwendet werden, sind naturfaserverstärkte Kunststoffe energieeffizienter. Das Projekt GreenBraid setzt hier Flachs als Naturfaser ein und produziert als Prototyp einen Hockeyschläger, bei dem die guten Dämpfungseigenschaften der Naturfaser zum Tragen kommen und Belastungen für Gelenke, Arme und Beine mindern. Das Projekt optimiert die Eigenschaften der Flachsfasern in einem Faserverbundwerkstoff mit dem Ziel, den Energieverbrauch bei der Herstellung um bis zu 75 Prozent im Vergleich zu bisherigen Verfahren zu senken. „Mit GreenBraid ist es möglich, Bastfasern wie Flachs für hochbelastete Bauteile aus Faserverbundwerkstoffen einzusetzen, die zuvor nur mit Glasfasern erschlossen werden konnten. Durch den Einsatz von Bastfasern können ca. 30 Prozent CO2-Emissionen im Vergleich zu glasfaserverstärkten Kunststoffen eingespart werden“, resümierte Projektleiter Viktor Reimer vom ITA. Begleitet wird das Vorhaben von den drei Industriepartnern Barthels-Feldhoff GmbH & Co. KG aus Wuppertal sowie NPSP BV und Holland Hockey aus den Niederlanden.

Die beiden Projekte BasFlair und GreenBraid werden im Rahmen des europäischen Förderprogramms „Eurostars“ durchgeführt und die deutschen Partner aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert.

Source: Institut für Textiltechnik (ITA), Pressemitteilung, 2017-07-18.

Supplier

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email