10 November 2009

ISCC: Zertifizierungssystem für Biomasse

Nachhaltigkeitskriterien in nationales Recht umgesetzt

Die Einführung von Zertifizierungssystemen ist ein zentraler Schritt in Richtung sozial und ökologisch vertretbarer Bioenergieerzeugung. Darin sind sich Bioenergie-Experten aus Branche, Regierung und NGOs einig. Die Agentur für Erneuerbare Energien hatte im Vorfeld des Workshops “International Sustainability and Carbon Certification” (ISCC) zu einem Pressegespräch eingeladen. ISCC ist das am weitesten fortgeschrittene Zertifizierungssystem für nachhaltig erzeugte Biomasse. Etwa 200 Unternehmen und Organisationen beteiligen sich hier an der Entwicklung eines praxistauglichen Verfahrens, um die Einhaltung der gesetzlich geforderten Kriterien zu garantieren.

Spätestens ab Sommer 2010 müssen Biokraftstoffhersteller und Betreiber von Pflanzenöl-Kraftwerken den Nachweis erbringen, dass die verwendeten Energiepflanzen nachhaltig angebaut wurden. Grundlage dafür ist die jetzt in Kraft getretene Nachhaltigkeitsverordnung. Nachhaltig bedeutet u.a., dass keine Flächen umgewandelt wurden, die für den Naturschutz relevant sind (z.B. Regenwälder) oder die einen hohen Kohlenstoffbestand enthalten (z.B. Moore). Weiterhin muss gewährleistet sein, dass mindestens 35 Prozent Treibhausgasemissionen gegenüber fossilen Energieträgern wie Erdöl eingespart werden. Hinzu kommen die geltenden europäischen Vorgaben zu Umweltstandards im Anbau. Betroffen von der Nachhaltigkeitsverordnung ist flüssige Biomasse, wie Rapsöl, Palm- oder Sojaöl, die in Biokraftstoffen oder zur Stromerzeugung im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes eingesetzt wird.

Die ungleich größeren Mengen, die für Futter- und Nahrungsmittel sowie in der chemischen Industrie genutzt werden, müssen bisher nicht zertifiziert werden. Die Zertifizierung im Bioenergiebereich wird aber nach Ansicht der Experten auf diese Märkte ausstrahlen. “Wir sind zuversichtlich, dass die Kriterien auch auf nicht-energetische Anwendungsbereiche wie Nahrungsmittel, Chemie und Kosmetik ausgedehnt werden können”, sagt ISCC-Projektleiter Dr. Norbert Schmitz. “Die Märkte für nicht-zertifizierte Produkte werden schrumpfen”, ergänzt Dr. Andreas Schütte, Geschäftsführer der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe. “Wichtig dabei ist aber, die Nachhaltigkeitsverordnung glaubwürdig umzusetzen und Missbrauch zu verhindern”.

Deutschland ist einer der ersten Staaten, der die Nachhaltigkeitskriterien einer EU-Richtlinie in nationales Recht umsetzt. Die entstehenden Zertifizierungssysteme entwickeln sich in einem Spannungsfeld zwischen anspruchsvollen und ehrgeizigen Kriterien und einer schnellen und praktikablen Umsetzung. Herausforderungen wie die administrative Umsetzung und eine lückenlose Klimabilanzierung müssen von allen Beteiligten entlang der Produktionskette gemeistert werden. Für Jürgen Maier, Geschäftsführer des Forums Umwelt und Entwicklung, ist der deutsche Vorstoß dennoch zum Erfolg verpflichtet: “Wir haben dazu keine Alternative”, stellt Maier fest. Er entwickelt als Vorstandsmitglied des Round Table on Sustainable Biofuels ebenfalls ein weltweites Zertifizierungssystem, das von Kleinbauernverbänden bis zur Automobilindustrie alle Akteure der Biokraftstoffproduktion beteiligt. Maier weiter: “Die neue Nachhaltigkeitsverordnung ist wichtig, um das weltweite Problem der Bioenergie in Kooperation mit den Lieferländern und ihren Produzenten zu lösen. Wenn sich das Projekt als erfolgreich erweist, ist es eine Blaupause für ein weltweites System.”

Weitere Informationen
www.unendlich-viel-energie.de/de/bioenergie
Hintergrundinfo Zertifizierung Bioenergie(PDF-Datei)

Source: Agentur für Erneuerbare Energien Pressemitteilung, 2009-11-04.

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