14 September 2018

Innovationsdynamik im Agrarbereich

Michael Carus, Geschäftsführer nova-Institut, im Interview

„Die spannendste Konferenz, die wir seit langem gemacht haben! Wer hätte gedacht, dass der Agrar- und Lebensmittelbereich eine solche Innovationsdynamik entwickelt.“ (Michael Carus)

Interview in English: http://news.bio-based.eu/innovation-dynamics-in-the-agricultural-sector/

Michael Carus

Michael Carus, einer der führenden Europäischen Bioökonomieexperten und Geschäftsführer des nova-Instituts (Hürth), Initiator der neuen Konferenz „Revolution in Food and Biomass Production“, 1-2 Oktober 2018, Köln, im Gespräch mit der Redaktion.

Sie haben schon so viele Konferenzen veranstaltet, und die Neue soll die Spannendste sein?

Carus: Das Thema umspannt eine ganze Bandbreite an aktuellen Entwicklungen. Synergieeffekte zwischen unterschiedlichen Innovationsbereichen führen dazu, dass aus neun Innovationfeldern plötzlich eine Revolution der Lebensmittel- und Biomasseproduktion wird. In zwanzig Jahren werden unsere Lebensmittel anders aussehen und anders produziert werden als heute – und vermutlich werden sie effizienter, nachhaltiger und gesünder sein. Biomasse für die Bioökonomie wird eine neue Bewertung erfahren.

Können sie etwas konkreter werden?

Carus: Gerne. Auf der einen Seite durchdringt die Digitalisierung den gesamten Agrarbereich, mit Wetterdaten, vernetzten Traktoren, die optimiert Düngen, Robotern zum Pflanzenschutz und als Erntehelfer, Drohnen und Künstlicher Intelligenz. Gleichzeitig verstehen wir erstmalig die Abläufe im Boden und an den Wurzeln im Detail. Statt wie bislang den Boden eher zu schädigen, kann man ihn nun zu vollem Leben erwecken. Mit Biostimulanzien und Agro-Probiotika. Parallel dazu werden immer neue Räume zur Produktion von Lebensmitteln und Biomasse erschlossen: Die urbanen Zentren, die Wüsten und Eisregionen unserer Erde. Biotechnologie und Pflanzenchemie ermöglichen es, aus Biomasse-Nebenströmen wertvolle Lebensmittel und Geschmacks- und Duftstoffe herzustellen. Wie z. B. naturidentisches Vanillin aus dem Holzbestandteil Lignin.

Wodurch ist das Ganze getrieben?

Carus: Drei Aspekte treiben die Entwicklungen voran. Zum ersten die wachsende Weltbevölkerung und der steigende Wohlstand. Beides führt zu einem ganz erheblichen Anstieg der Nachfrage nach Lebensmitteln. Das zweite sind Effizienzfragen: Auf vielen Wegen kann die Effizienz der Umsetzung Sonnenenergie in Biomasse in Wertstoffe verbessert werden. Erträge können erhöht, der Input aber gleichzeitig reduziert werden. Nebenströme können in der Lebensmittel- oder Chemischen Industrie genutzt werden. Neue Technologien ermöglichen hier Fortschritte, wie sie noch vor wenigen Jahren undenkbar waren. Das zahlt sich auch ökologisch aus. Zum Dritten ist es der rasch voranschreitende Klimawandel, an dem die Agrarindustrie maßgeblich beteilig ist. Die neuen Technologien in den neun vorgestellten Innovationssektoren versprechen hier starke Reduzierungen in den Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette.

Und welche Auswirkungen hat dies auf die klassische Bioökonomie, in der Sie bisher primär unterwegs waren?

Carus: Wenn Biomasse mit einem geringeren ökologischen Fußabdruck produziert werden kann, haben auch bio-basierte Produkte einen entsprechend niedrigeren Fußabdruck. Auch die Konkurrenz Food oder Non-Food löst sich auf. Immer häufiger heißt es Food und Non-Food. Das einzige was relativ knapp und aufwändig zu produzieren bleibt, sind Proteine. Und hier setzen wir an und vergeben wir erstmal den „Future Protein Award“ für innovative Lösungsansätze. Die Teilnehmer der Konferenz wählen die Sieger!

Geht der breitgefächerte Ansatz nicht auf Kosten der Tiefe?

Carus: Wir können keine Fachkonferenz zu einem der Einzelthemen ersetzen. Das wollten wir auch nie. Wir haben versucht, typische und besonders gute Beispiele zu präsentieren und sehen große Synergieeffekte durch das Zusammenbringen aller neun Innovationsfelder an einen Ort. Jeder Sektor treibt die Innovationen voran, meist ohne Verbindung zum anderen Sektor. Ich denke, dass auf der Konferenz jede Menge neue Netzwerke und Projekte geboren werden.

Wird es ein REFAB II geben?

Carus: Mit Sicherheit. Wir werden den Termin bald bekannt geben. Wir sind nach anfänglicher Skepsis auf große Zustimmung und großes Interesse sowohl in der Industrie als auch in der Politik und Zivilgesellschaft gestoßen. Es gibt einen starken Bedarf nach Information und Vernetzung. Für die REFAB 2019 haben wir schon jetzt zwei wichtige Sponsoren.

Eine kurze Zusammenfassung bitte

Carus: Am 1. und 2. Oktober 2018 treffen sich rund 300 Experten aus 30 Ländern in Köln zur internationalen Konferenz „Revolution in Food and Biomass Production“ (www.refab.info), um die neuesten Innovationen und Konzepte vorzustellen und zu diskutieren. Auf der begleitenden Ausstellung werden sich u. a. Firmen um den „Future Protein Award“ bewerben. Die Teilnehmer wählen die Sieger, die am Ende der Konferenz vor der Weltpresse gekürt werden.

Wir danken für das Gespräch und wünschen viel Erfolg.

 

Interview als PDF: 18-09-13 Presseinformation Interview Michael Carus

Source: nova-Institut GmbH, 2018-09-13.

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