7 Dezember 2005

In Schweden sind 5.300 Kraftfahrzeuge und ein Zug mit Biogas unterwegs

Österreichischer Biomasseverband erkundet schwedischen Biogas-Weg

Stockholm/Wien, 7. Dezember 2005 (AIZ). – Der Österreichische Biomasseverband ist derzeit mit einer Journalistengruppe in Schweden unterwegs, um dort die Verwendung von Biogas als Treibstoff für Kraftfahrzeuge vorzuzeigen. “Man muss das Rad nicht in jedem Land neu erfinden”, argumentiert Ernst Scheiber, Geschäftsführer des Verbandes. Mit Schweden bestehe seit Jahren eine sehr gute Verbindung in der Entwicklung und Anwendung alternativer, erneuerbarer Energieformen.

17 Städte und ein Personenzug fahren mit Biogas

Richtig aufbereitetes Biogas kann ebenso wie Erdgas in Kraftfahrzeugen genutzt werden. In den diesbezüglich führenden Ländern Deutschland und Österreich wird Biogas derzeit fast ausschließlich in stabilen Gas- oder Zündstrahlmotoren mit einem Generator verstromt.

Die Wärme als Nebenprodukt kann vorerst nur in geringem Umfang verwertet werden. Da Wärme direkt und Strom teilweise in “Kraft-Wärme-Kopplungen” mit geringerem Investitions-Aufwand aus Holz oder anderer Biomasse produziert werden kann, wird für Biogas eine effizientere Anwendung gesucht. Die Biogas-Einspeisung in das Ergasnetz wird in Österreich bereits erprobt.

In Schweden mit rund 200 größeren Biogasanlagen laufen Biogas-Autos bereits seit einem halben Jahrzehnt. Das Biogas kommt dort zu 60% aus Klärschlamm, zu 30% aus Mülldeponien und das restliche Zehntel aus anderen Abfallverwertungsanlagen.

Aus der Gesamtbiogasproduktion von 1,4 Terrawattstunden (TWh) wurden in Schweden 2004 bereits fast 10% (0,13 TWh) als Treibstoff genutzt. Bei 70 TWh Gesamtenergieverbrauch des Verkehrssektors ist das noch wenig, doch die Tendenz ist stark steigend.

Biogas als Treibstoff ist in vergangenen fünf Jahren auf das Dreifache gestiegen, von allen Gasfahrzeugen laufen bereits 45% mit Biogas. Dazu arbeiten in Schweden 22 Biogas-Aufbereitungsanlagen und 17 Städte versorgen dort ihre Busflotten mit Biogas. Nur zehn Städte fahren mit Erdgas, drei arbeiten mit Biogas und Erdgas.

Insgesamt sind in Schweden bereits 5.300 Gas-Fahrzeuge, davon 3.500 PKW, in Betrieb. Eine Weltneuheit ist ein mit Biogas betriebener Zug, der 45 Passagieren Platz bietet und der seit Juni 2005 auf der 115 km langen Strecke zwischen Linköping und Västervik verkehrt. Die Gasversorgung sichern 60 öffentliche Tankstellen. (Vgl. Meldung vom 2005-06-21.)

Ein Hektar Mais reicht für fünf Autos

“Biogas als umweltfreundlicher Treibstoff kann auch in Österreich den großen Schritt vom Landwirt zum Energiewirt unterstützen, denn Rohstoff für die Biogasproduktion wächst reichlich nach.

1 ha Mais kann über Biogas bis zu 40.000 kWh und damit die rund vierfache Energiemenge gegenüber Raps als Basis für Biodiesel oder Pflanzenöl liefern. Diese Biogas-Kraft reicht für fast fünf PKW bei der durchschnittlichen Jahreslaufleistung von je 12.000 Kilometern.

Mit 15 bis 20% der österreichischen Ackerfläche könnten so über Biogas etwa 15% des heute verwendeten Treibstoffes ersetzt werden”, rechnet Scheiber vor.

Werde Biogas statt fossilem Treibstoff eingesetzt, könnte die Treibhausgasemission um bis zu 75% je Fahrzeug reduziert werden. Biogas sei gleichzeitig billiger als Benzin und Diesel und eine Biogas-Erdgas-Mischung (50:50) koste nur die Hälfte des fossilen Kraftstoffes, gibt Scheiber zu bedenken.

Neue Biogas-Autos kosten durch den zusätzlichen Gastank und die Adaptierung des Motors um EUR 1.500,- bis 3.000,- mehr. Biogas-Autos werden in Schweden daher auch staatlich oder regional verschieden gefördert – beispielsweise durch Tankgutscheine oder freies Parken in Städten. Das Tankstellennetz und die Gasaufbereitung werden ebenfalls unterstützt.

(Vgl. Meldung vom 2004-04-13.)

Source: AIZ.info vom 2005-12-07.

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