1 September 2004

Immer mehr Sonnenblumen reifen in Brandenburg

Günstiges Klima

Manschnow – Ihre Pracht haben sie in dieser Saison bereits eingebüßt: Aus den wochenlang golden leuchtenden Sonnenblumenfeldern im Land Brandenburg sind mittlerweile ziemlich unansehnliche Areale geworden. Das frische Grün-Gelb wandelte sich zu trockenem Gelb-Braun. Ende Juli war die Blütezeit vorbei. “Die Sonnenblumen reifen jetzt ab”, sagt Friedrich Müller. Er leitet die Versuchsstation des Landesamtes für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Flurneuordnung Brandenburg in Manschnow (Märkisch-Oderland).

Im Oderbruch gedeihen die meisten der märkischen Sonnenblumen. Das ist dem Klima zu verdanken. Sonnenblumen brauchen eine bestimmte Menge Wärme, damit sie gut ausreifen. Zu viel Nässe ist ungünstig. Wenn die Fruchtstände gut getrocknet sind, holt der Mähdrescher die Ernte vom Feld.

Die Ernte beginnt Ende September. Die Landwirte rechnen für dieses Jahr mit einem guten Ertrag – falls die Bestände so gesund bleiben wie bisher. Eine Gefahr ist zu viel Regen im Spätsommer. Dann würden sich die Blütenkörbe, die aus einem empfindlichen Gewebe bestehen, voll saugen. Krankheiten hätten so leichtes Spiel.

In Brandenburg wurden in diesem Jahr gut 17.000 Hektar Sonnenblumen angebaut, 2003 waren es mehr als 20.000 Hektar, wie das Agrarministerium mitteilt. Der Sortenratgeber 2003/04 für Sommerölfrüchte, herausgegeben vom Landesamt, schätzt die Fläche als größte deutsche Anbauregion ein.

Der Anbau von Sonnenblumen habe Anfang der 90er-Jahre im Land Brandenburg einen Aufschwung genommen, berichtet das Ministerium. Grund sei neben dem günstigen Klima auch die Förderung der Ölsaaten. Sie stellten eine feste Größe in vielen landwirtschaftlichen Unternehmen dar.

Die EU-Beihilfen beliefen sich auf 284 Euro pro Hektar, sagt Winfried Gerstenberger, Leiter des Landwirtschaftsamtes von Märkisch-Oderland. Sonnenblumen ordneten sich ausgezeichnet in die Fruchtfolge ein. Im Schnitt würden im Oderbruch 24,5 Dezitonnen je Hektar geerntet. Die Ernte werde an die chemische Industrie sowie die Lebensmittelindustrie geliefert. In diesem Jahr seien im Oderbruch 5.200 Hektar Sonnenblumen angebaut worden.

Die Sonnenblume stammt ursprünglich aus den warmen Gebieten Nordamerikas. Der einjährige Korbblütler (lateinisch: Helianthus) entwickelte sich von einer Zier- zur Nutzpflanze. Sonnenblumenöl ist ernährungsphysiologisch ein sehr wertvolles Öl. Raffiniertes Öl wird als Weichmacher, Härtungsöl, Schmierstoff oder zu Treibstoff verarbeitet. Öle so genannter High-Oleic-Sorten eignen sich sehr gut als Frittieröl. Zudem dient die Pflanze auch als Tierfutter und Bienenweide. Ein Hektar Fläche “liefere” insgesamt zwischen 20 und 50 Kilogramm Honig.

Source: dpa-Meldung vom 2004-08-29 und Berliner Morgenpost vom 2004-09-01.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email