3 Februar 2009

imm cologne bietet neue Interior-Trends

Wo bleibt die Nachhaltigkeit?

Fundhözer, die extremen Witterungsverhältnissen <br />ausgesetzt waren, verwendet Alexander Curtius aus <br />der Schweiz. Aus den Stämmen verschiedener Holz-<br />sorten entstehen stromlinienförmige Wohnskulpturen. <br />Bei diesem dem Körper angepassten Liegestuhl <br />berührt nur ein Punkt den Boden und ermöglicht so <br />eine Schaukelbewegung in alle Richtungen. <br />(Foto: Koelnmesse)”></td>
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<td style=Fundhözer, die extremen Witterungsverhältnissen
ausgesetzt waren, verwendet Alexander Curtius aus
der Schweiz. Aus den Stämmen verschiedener Holz-
sorten entstehen stromlinienförmige Wohnskulpturen.
Bei diesem dem Körper angepassten Liegestuhl
berührt nur ein Punkt den Boden und ermöglicht so
eine Schaukelbewegung in alle Richtungen.
(Foto: Koelnmesse)

Die Möbelmesse imm cologne (Köln, 19. -25.01.2009) präsentierte die Möbel-Trends der nächsten Saison und machte diese begreifbar. Die Halle 3.1 war bereits zum vierten Mal der Treffpunkt des kreativen Nachwuchses, zusammengefasst zu den “d3 design talents”. Dieses Forum beweist auch über die Messe hinaus, dass an frischen und anregenden Ideen und Visionen rund ums Thema Wohnen und Einrichten kein Mangel herrscht.

Die vergangenen zwei Jahre wurden gesellschaftlich dominiert durch den “Megatrend” Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Während es seitdem in der Automobilbranche kein Verkaufsgespräch gibt, in dem nicht marktschreierisch geringe CO2-Emissionen und reduzierter Kraftstoffverbrauch angepriesen würden, reagiert die Möbelbranche gelassen. Holz und Holzwerkstoffe erfreuen sich ohnehin ihres guten Rufes als natürliche, nachwachsende Werkstoffe. Die Speichereigenschaft von CO2 im Holz ist allgemein bekannt, Nach-Kommastellen sind in dieser Branche nicht gefragt, entsprechende Hinweise bei den Produkten suchte man daher auf der imm cologne vergeblich.

Re-Design bezeichnet die Wiederverwertung alter <br />Möbelelemente in neuem Kontext. Dazu werden im <br />Gegensatz zum Restaurieren nicht die ganzen <br />Möbel in ihren Originalzustand zurück versetzt, <br />sondern sie werden in eine neue Nutzung in einem <br />neuem Design überführt. So haucht beispielsweise <br />das Team vom Berliner schubLaden alten Näh-<br />maschinen schubladen ein neues Leben als Ablage <br />einer Flurgarderobe ein. (Foto: Koelnmesse)”></td>
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<td style=Re-Design bezeichnet die Wiederverwertung alter
Möbelelemente in neuem Kontext. Dazu werden im
Gegensatz zum Restaurieren nicht die ganzen
Möbel in ihren Originalzustand zurück versetzt,
sondern sie werden in eine neue Nutzung in einem
neuem Design überführt. So haucht beispielsweise
das Team vom Berliner schubLaden alten Näh-
maschinen schubladen ein neues Leben als Ablage
einer Flurgarderobe ein. (Foto: Koelnmesse)

Archaic Nature
Die äußerliche Ruhe der Inneneinrichter bedeutet jedoch nicht Stillstand, keinesfalls, die Entwicklungen laufen ungebrochen weiter – nur eben subtiler. Die dritte “Stilwerk Trendstudie” nennt diese Bewegung “Archaic Nature”. Diese spiegelt “die neue Sehnsucht nach Authentizität und Substanz wider; originäre Materialität und Naturformen vermitteln Ehrlichkeit und Charakter”, so die Kernaussagen der Studie zur Möbelmesse.

Generell scheint naturinspiriertes und materialeffizientes Design die neue Ausdrucksweise der Öko-Bewegung zu sein. In organischen Formen und Texturen spiegelt sich die Sehnsucht nach einer vollendeten, harmonischen Natur wider. Dabei darf der “Fun-Faktor” nicht fehlen, Wohndesign muss Spaß machen und positive, erfrischende Akzente setzen. Hell Naturfarben dominieren, in der Auswahl der Materialen sind Seegras und Bambus weiterhin stark im Kommen.

Hinter dem Begriff “Re-Design” verbirgt sich mehr als bloß das altbekannt Recycling: Es ist der Wunsch nach dem “wahren Leben”, erzählt in den Geschichten der Objekte, die uns umgeben. Wie bei der Jeans im “Used-Look” dürfen auch beim Möbel Gebrauchsspuren mit Stolz und Würde getragen werden. Hinter dem Wunsch nach einer Oberfläche mit Macken und Schrammen liegt die Annahme, dass Luxus tatsächlich auf der Straße liegt und nun in neue Systeme überführt werden darf. Sperrmüllsammlungen, Treibholzanschwemmungen und Produktionsreste sind die Rohstoffquellen für diese Szene. So werden beispielsweise alte Möbel oder Möbelelemente nur kurz aufgearbeitet und in einen neuen Kontext überführt: Aus dem Schubkasten einer ausrangierten Nähmaschine wird die Ablage einer Flurgarderobe, aus den verbeulten Servierwagen eines Flugzeuges entstehen praktische Bürocontainer.

Vom Staubkehrer zur Lampe: Die Lampe <br />PIASSAVA wurde als Teil eines fin-<br />nischen Nationalprojekts zur Förderung <br />der Sehbehinderten in 2005 von blinden <br />Handwerkern gefertigt. Der durch-<br />sichtige Faserstoff des Lampenschirms <br />wird von Palmen gewonnen und sonst zur <br />Herstellung von Staubkehrern und <br />Bürsten häufig verwendet. Das Lampen-<br />gerüst besteht aus Birke und Acryl. <br />(Foto: Koelnmesse)”></td>
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PIASSAVA wurde als Teil eines fin-
nischen Nationalprojekts zur Förderung
der Sehbehinderten in 2005 von blinden
Handwerkern gefertigt. Der durch-
sichtige Faserstoff des Lampenschirms
wird von Palmen gewonnen und sonst zur
Herstellung von Staubkehrern und
Bürsten häufig verwendet. Das Lampen-
gerüst besteht aus Birke und Acryl.
(Foto: Koelnmesse)

Gegenspieler: Extra Much
Jeder Trend hat seinen Gegenspieler: “Extra Much” nennen es die Autoren des Trendbooks der imm cologne mit den Interior Trends 2009. In einem übersättigten Markt heißt es, Aufmerksamkeit zu erwecken. Klotzen, nicht kleckern, lautet die Devise. Eine klare Formensprache dominiert; schwarz und weiß, selten noch grau sind die kraftvollen und unbunten Farben der Saison. Neue Fertigungsverfahren, Hightech-Design mittels komplexer Berechnungsverfahren und spezialisierte Materialinnovationen führen zu nie dagewesene Formen und Strukturen und verschieben die Grenze des Möglichen. Besonders technische Kunststoffe, die bisher im Möbelbereich noch nicht eingesetzt wurden, sind auf dem Vormarsch; sie ermöglichen filigrane und zugleich hochfeste Bauteile wie minimalistische Tischbeine, grazile Armlehnen oder mehrfach gekrümmte Flächen.

Source: Christian Gahle, eigene Recherchen, 2009-01.

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