30 März 2006

Humanes Serumalbumin aus Tabakpflanzen?

Humanes Serumalbumin (HSA) ist ein Blutplasma-Bestandteil, der wesentlich für die Aufrechterhaltung des Blutdrucks und den Transport von Mineralstoffen und Hormonen ist. Die derzeitige weltweite Nachfrage nach HSA übersteigt 500 Tonnen pro Jahr, die fast alle aus Blutspenden stammen. HSA ist wichtig für die Bereiche Chirurgie, Entwässerung, Leber- oder Nierenerkrankungen oder Blutungen. Eine neue spanische Studie deutet darauf hin, dass ein synthetisches HSA aus Tabakpflanzen hergestellt werden könnte.

Die neue Technik ist das Ergebnis einer Doktorarbeit von Alicia Fernández San Millán von der Universidad Pública Navarra und könnte eine kostengünstige GV-Alternative zu HSA aus Blutplasma liefern.

Da die kommerziellen Blutplasmavorräte im Allgemeinen die Nachfrage nicht decken, wurden Anstrengungen zur Herstellung von HSA aus Hefezellen, Säugetierzellen oder Gemüse unternommen. Die Kosten für die Herstellung von HSA aus diesen Quellen sind hoch – 300 bis 4.000 Euro pro Gramm, im Vergleich zu vier Euro pro Gramm für die Herstellung aus Blutplasma.

Mit der neuen Technik der nuklearen Umwandlung wird der 14-fache Ertrag an HSA (dies entspricht 0,9 mg) pro Gramm eines frischen Tabakblattes erzielt. Der Albumingehalt ist deshalb so hoch, weil die Gensequenz mit dem Chloroplastengenom verbunden ist, bei dem es sich sozusagen um die Fabrik der Pflanze handelt. Dies wiederum führt dazu, dass die Pflanze große Mengen an Albumin ausstößt.

Ein weiterer Vorteil des Verfahrens besteht darin, dass die unbeabsichtigte Weiterverbreitung der genetisch veränderten Kulturen begrenzt sein wird, da das Chloroplastengenom mütterlicherseits vererbt wird, sodass es keine Genflucht durch Pollen geben wird.

Tabak wird seit mehreren hundert Jahren kommerziell angebaut und kann eine große Menge an Biomasse erzeugen. “Da das Protein in den Chloroplasten erzeugt wird, können wir umso mehr Albumin erhalten je mehr Blattbiomasse wir haben”, sagte San Millán. Der nächste Schritt wird die Entwicklung kommerzieller Studien zu albuminproduzierendem Tabak sein. Auch wenn es kostengünstiges synthetisches Albumin möglicherweise erst in einigen Jahren geben wird, könnte dieses Verfahren wegbereitend sein.

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Kategorie: Sonstiges
Informationsquelle: Basque research
Programm – Akronym: MS-E C

(Vgl. Meldungen vom 2006-01-31, 2006-03-28 und 2004-07-14.)

Source: Cordis-Nachrichten vom 2006-03-28.

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