26 August 2008

Hopfen als Faserpflanze nutzbar

Hallertauer Ingenieure wollen Hopfen für Biowerkstoffe und Dämmstoff etablieren

Hopfenpflanzen erreichen eine Höhe von bis zu acht Metern, zum Bierbrauen werden allerdings nur die Früchte verwendet während die Stengel in der Regel kompostiert werden. Nun möchten zwei Ingenieure aus Hallertau, Bayern, den Hopfen als Faserpflanze etablieren.

2008-08_Hopfenfaser.jpgBei näherer Betrachtung der ungenutzten Pflanzenteile und unter Berücksichtigung der damit umsetzbaren technischen Eigenschaften zeigen sich diese Produkte als hochinteressanter Werkstoff. Besonders die Hopfenreben mit Aufleitdraht können als technischer Grundstoff für die Fertigung von Platten und Formteilen aus Verbundwerkstoffen mit unterschiedlichen technischen Eigenschaften (je nach Verarbeitung) Verwendung finden.

Eine Rebe besteht aus einer im getrockneten Zustand harten Deckschicht, darunter befindet sich eine Schicht aus dünnen Kapillaren (Saftleiter) und im Inneren eine hohle Röhre. Die Reben werden von den Pflanzern so angelegt, dass sich normalerweise drei Reben um einen Aufleitdraht wickeln. Die Reben erreichen bei der Ernte eine Länge von 7m, das heißt, es stehen 7m lange Pflanzenfasern mit Stützdraht und einer sehr hohen Zugfestigkeit für technische Anwendungen zur Verfügung.

Bisher werden die Pflanzenteile wegen der darin enthaltenen Drähte weder für die Kompostierung noch für eine andere Anwendung genutzt. Die Hopfenbauern zerhäckseln daher Reben, Drähte und Blätter, und entsorgen diese Stoffe durch Ausbringen auf ihren eigenen Feldern. Eine unangenehme Nebenerscheinung stellen dabei die sogenannten “Hopfenspikes” dar. Darunter versteht man kleingehäckselte Drahtstücke die zur Erntezeit des Hopfens von den Anhängern der Hopfenbauern auf die Straßen fallen und dort für zahlreiche platte Reifen sorgen. Meist verbleiben solche Drahtstücke unbemerkt in den Autoreifen und können jederzeit zu gefährlichen Verkehrssituationen führen.

Die alljährliche Einbringung von mehreren tausend Tonnen Eisen in den Boden wird mit Besorgnis gesehen, da die Böden im Laufe der Zeit doch erheblich mit Eisen angereichert werden. Auch der wirtschaftliche Verlust des mittlerweile sehr teuer gewordenen Rohstoffes Eisen könnte durch einen geeigneten Wirtschaftskreislauf vermieden werden.

Vielfältige Verwendungsmöglichkeiten
Eine bessere Nutzung dieser Pflanzenreste ist von allen Seiten erwünscht. Vorgeschlagen wird deshalb eine weitere Nutzung der Blätter und der Hopfenreben mit Drähten. Die nach der Ernte vorliegenden Ausgangsformen dieser Abfallmaterialien beinhalten bereits eine technische Vorverarbeitung. So hat die Mehrzahl der Hopfenanbauer in ihre Pflückmaschinen bereits Häckselwerke mit eingebaut, die das Ausgangsmaterial in Längen von 1 bis 5 cm zerkleinert. Aber auch Rebenstücke in ganzer Länge stehen von kleineren Hopfenbauern zur Verfügung und bei Bedarf lassen sich Häckselwerke relativ einfach stilllegen.

Nach Ansicht von Horst Korger, der eine bessere stoffliche Nutzung der Hopfenfaser etablieren möchte, lassen sich für die Fasern und der Zellulose im Hopfen eine Reihe von stofflichen Verwendungsformen finden. So können sie nach seinen Erkenntnissen ähnlich wie Hanf als Häuser-Dämmstoff, bei der Möbel-Herstellung oder für die Produktion von Kunststoffen verwendet werden. Tränke man beispielsweise das Faser-Vlies mit Harz, könne man den Stoff in Form pressen – beispielsweise zur Innenverkleidung für Autos. Bislang seien diese Teile vor allem mit Fasern aus importierten Pflanzen hergestellt. Außerdem eigne sich Hopfen sehr gut als Dämmmaterial durch die im Stengel vorhandenen Zelluloseröhrchen.

Auch Kunststoff-Faser-Gemische lassen sich laut Korger mit dem Hopfen fertigen. 70 Prozent des Kunststoffes liesse sich durch Hopfenfasern ersetzen und würde zudem ein wesentlich stabileres Kompositmaterial erhalten, weil sich die Pflanzenfasern ineinander verhakten. Koger hat bereits einige Prototypen angefertigt, neben einigen Formteilen existieren bereits einige Kugelschreiber aus Hopfen-Kunststoff-Mischungen.

Blätter und kleinere Verästelungen werden beim maschinellen Pflücken in den Pflückmaschinen aussortiert und liegen innerhalb der Maschine in getrennter Form vor. Wenn die Blätter in getrennter Form aus der Maschine ausgebracht werden, lassen sie sich als Biomasse weiterverarbeiten z.B. zur Erzeugung von Biogas und Verrottungswärme mit anschließender Kompostierung. Die Blätter würden somit auf mehrfache Weise genutzt.

Bildschirmfoto_2008-08-26_10-44-08.jpgInteressenten?
Interessenten für seine Erfindungen hat Korger schon – allerdings nur für die fertigen Produkte. “Die wollen weder Zeit noch Kosten investieren, um das Produkt zu entwickeln”, so Korger. Mit seinem Partner Christian Peter hat eine Firma gegründet, sie suchen nun einen Sponsor. Mit einer halben Million Euro könnten sie erste Produkte auf den Markt bringen, schätzt der 57-Jährige. Georg Weber, Vize-Vorsitzender der Interessengemeinschaft Qualitätshopfen Niederlauterbach (IGN) glaubt an die Vision: “Das ist in meinen Augen ein gutes Konzept», betont er. Die 58 Mitglieder, allesamt Hopfenbauern, erwägen, eine Firma zu gründen und die Ideen der beiden Ingenieure mit umzusetzen.

Kontakt und weitere Informationen:
Christian Peter
Herzogring 29
D-85283 Wolnzach
Tel.: 08442 / 953520
Fax.: 08442 / 953518
Mail: christian.peter@hopfenfaser.de

Dipl.Ing. Horst Korger
Peretkundst. 6
D-85296 Rohrbach
Tel.:08442 / 958249
Fax.: 08442-958250
Mail: horst.korger@hopfenfaser.de

Internet: www.hopfenfaser.de

Source: Ad-Hoc News, 2008-08-25 und Hopfenfaser.de.

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