5 August 2009

Holzwerkstoffhersteller Glunz: Kurzarbeit, Werksschließung und Preiserhöhung

Steigende Rohstoff- und Energiekosten, Absatzrückgang und Überkapazitäten als Ursachen

Mit steigenden Rohstoff- und Energiekosten begründete der Holzwerkstoffhersteller Glunz AG eine Erhöhung der Abgabepreise für seine Produkte. Bereits im Juni hatte das Unternehmen entschieden, am Standort Kaiseresch ein Spanplattenwerk mit 320 Mitarbeitern zu schließen. Als mögliche Nachnutzung des Geländes schlugen Unternehmensvertreter nun eine Holzpelletproduktion vor – also jene Branche, mit der die Holzwerkstoffindustrie um den Rohstoff Säge- und Hobelspäne konkurriert.

Preissteigerungen bis zehn Prozent
Für Rohspan, beschichtete Spanplatten, Arbeitsplatten sowie MDF/HDF erhöht Glunz die Preise für Lieferungen ab dem 1. September 2009 um fünf bis zehn Prozent je nach Produktgruppe. Bei OSB erfolgt für Lieferungen ab dem 1. Oktober 2009 eine weitere Preisanpassung um fünf Prozent.

Glunz rechnet in den kommenden Monaten mit einem Anstieg der Rohstoff- und Energiepreise – erste Anzeichen liegen bereits vor: Der Ölpreis ist seit Januar um rund 70 Prozent auf über 71 Dollar pro Barrel (Stand: 03.08.2009) gestiegen, Experten rechnen bis Ende des Jahres mit einem Anstieg auf 85 Dollar pro Barrel. Das Aufkommen an Recycling-Holz wird in 2009 von rund 7 Millionen Tonnen/Jahr um rund 1 bis 1,5 Millionen Tonnen/Jahr zurückgehen – durch die hohe Nachfrage u. a. von Kraftwerken steigen auch hier die Preise.

“Die teilweise Substitution von Öl und Gas durch nachwachsende Energieträger führt zu einer steigenden Nachfrage nach Holz – die Preise werden weiter steigen”, so Lutz Fissenewert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Glunz AG. “Angesichts unserer Ertragssituation müssen wir diese Preissteigerungen an unsere Kunden weitergeben. Eine verantwortungsvolle Preisgestaltung ist die Basis für die Erhaltung unserer Handlungsfähigkeit.” Aufgrund der aktuellen Marktsituation hatte Glunz die Abgabepreise für OSB bereits zum 1. August 2009 um rund acht Prozent angepasst.

Werk Kaiseresch wird geschlossen
Bereits im Juni hatte die Unternehmensleitung beschlossen, ein Spanplattenwerk in Kaiseresch schnellst möglich zu schließen. Hintergrund für die Entscheidungen sind anhaltende Absatzrückgänge und Überkapazitäten in der Holzwerkstoffindustrie. Glunz rechnet in absehbarer Zeit nicht mit einer Erholung der Märkte. Die Produktionskapazitäten müssen nachhaltig an den Bedarf angepasst werden. Glunz fährt seit April in ganz Deutschland Kurzarbeit.

Für die Zeit danach hat Glunz bereits in den vergangenen Wochen auf Basis der vorhandenen Anlagen Ideen für grundsätzliche Nutzungsmöglichkeiten durch Dritte entwickelt. Derzeit sieht man vier Möglichkeiten:

  • Produktion von Holzpellets – die technischen Anlagen sind bis auf die eigentlichen Pelletpressen nahezu vollständig vorhanden
  • Recyclinghof bzw. Recyclingaufarbeitung – die Genehmigungen für eine solche Nutzung liegen vor
  • Ansiedlung von Lohnbetrieben zur Nutzung der Veredelungsanlagen (Sägen und Beschichtung)
  • Verpachtung der Hallen als Logistikflächen.

Nach Meinung der Glunz Techniker wäre ein Produzent von Holzpellets die beste Alternative. Er würde von den genannten Möglichkeiten die meisten neuen Arbeitsplätze bieten und könnte die Holzaufbereitung sowie den Holzplatz inkl. neuem Nasselektrofilter nutzen. Holzpellets sind genormte Presslinge aus getrocknetem Restholz. Der Deutsche Energie-Pellet Verband (DEPV) erwartet im laufenden Jahr 2009 einen weiteren Ausbau der Produktionskapazitäten und weitere Absatzsteigerungen.

Source: Glunz AG, 2009-08-03 und 2009-07-24, EUWID Holz und Holzwerkstoffe, 2009-06-17.

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