20 Oktober 2004

Holzpelletsheizungen: Verbesserungen auf hohem Niveau

Hersteller von Holzpelletskesseln haben noch so manche Idee

Holzpelletsheizungen haben heute bereits ein hohes technisches Niveau erreicht – und dennoch gehen die Entwicklungen natürlich weiter. Im Vordergrund stehen eine verbesserte Toleranz gegenüber schwankender Brennstoffqualität, sowie neue Verfahren wie Brennwerttechnik und ein raumluftunabhängiger Betrieb.

“Die Brennstofferkennung ist ein Thema, das uns beschäftigt”, verrät Helmut Gastl, Geschäftsführer von ÖkoFEN Deutschland. Auch Mitbewerber der Branche deuten an, dass sie auf diesem Feld noch Entwicklungspotenzial sehen. So könnte eine Pelletsheizung künftig zum Beispiel auf eine schwankende Dichte der Pellets oder auf eine variable Feuchte flexibel reagieren, und dadurch die Verbrennung weiter optimieren – wobei die Details dieser Technik freilich von der Herstellern unbenannt bleiben. (Vgl. Meldung vom 2004-04-19.)

Nicht ganz unumstritten ist unterdessen die Entwicklung der Pelletskessel in Richtung Brennwerttechnik. Während die Firma ÖkoFEN in Österreich bereits mit einem entsprechenden Produkt auf dem Markt ist, und man für 2005 auf eine Zulassung auch in Deutschland hofft (es hängt derzeit noch daran, dass die Behörden mit dem Kondensat aufgrund einer Gesetzeslücke ein Problem haben), sind die Mitbewerber naturgemäß kritisch. “Höherer Wartungsaufwand, schlechtere Amortisation”, heißt es bei der Konkurrenz zum Vorstoß von ÖkoFEN.

Letztendlich lassen aber alle Hersteller durchblicken, dass alleine der Markt über die Perspektiven dieser Technik entscheiden wird: Wenn die Kunden die Brennwerttechnik in nennenswertem Umfang nachfragen werden, wird ÖkoFEN nicht lange der einzige Anbieter bleiben. Ob das aber der Fall sein wird, trauen sich derzeit auch herstellerunabhängige Beobachter, wie die Bundesanstalt für Landtechnik im österreichischen Wieselburg, nicht zu beurteilen. “Die nächsten fünf bis zehn Jahre dürften Brennwerttechnik und klassische Heiztechnik parallel bestehen bleiben – ob sich dann eines von beiden Verfahren als die bessere Variante durchsetzen wird, ist offen”, sagt der Wieselburger Bioenergie-Experte Harald Baumgartner.

Weitgehend abgeschlossen ist unterdessen die Entwicklung der Holzpelletskessel hin zu kleineren Nennleistungen. ÖkoFEN bietet mit acht Kilowatt derzeit den kleinsten Kessel an, Wagner hat gerade ein Produkt mit 11,2 Kilowatt Nennleistung auf dem Markt gebracht. Andere gehen nicht unter 15 Kilowatt, oder bieten nur gedrosselte Versionen größerer Kessel an. Unisono heißt es bei den Herstellern nun, dass es kaum mehr sinnvoll sei, die Nennleistung noch weiter als acht bis zehn Kilowatt zu senken. Denn alleine schon für die Warmwasserbereitung benötige man eine solche Mindestleistung; diese dürfe auch bei weiterer Reduktion des Raumheizbedarfs mittels verbesserter Wärmedämmung nicht mehr unterschritten werden. Denn ansonsten müßte man den Warmwasserspeicher entsprechend größer bauen – und das ist nach einhelligem Urteil der Branche nicht sinnvoll.

Als weitgehend ausgereizt gilt inzwischen auch die Abgasqualität der Pelletsfeuerungen. “Wir haben schon heute traumhafte Abgaswerte”, erklärt ÖkoFEN-Chef Gastl. Jeder Versuch, diese noch weiter zu verbessern mache den Verbrennungsprozess instabiler und anfälliger für Störungen: “Da wird nicht mehr viel passieren.”

Eine weitere Technik, deren künftige Bedeutung in der Branche weitgehend unstrittig ist, ist der raumluftunabhängige Betrieb der Kessel. Als erster Hersteller in Deutschland hat Paradigma gerade mit seinem Produkt “Peletti” die Zulassungsprüfung bestanden. Die raumluftunabhängige Betriebsweise werde in Zukunft ein wichtiges Thema sein, gestehen längst auch Mitbewerber ein, obwohl sie selbst noch keinen Kessel dieser Art anbieten können. Schließlich liegt der Bedarf auf der Hand: Je besser die Häuser isoliert werden, umso wichtiger wird es, dass die Verbrennungsluft nicht aus den Wohnräumen bezogen wird, sondern über das Abgassystem kommt.

Darüber hinaus liegen die künftigen Trends eher im Detail – etwa bei der Verbesserung des Zusammenspiels der Komponenten. Wenn es heute noch technische Probleme gibt, dann entstünden diese “meistens an den Systemgrenzen”, heißt es in der Branche – etwa im Zusammenspiel von Fördertechnik und Verbrennung. Auch Aspekte wie eine weitere Geräuschreduktion bei der Brennstoff-Fördertechnik gehören ins Repertoire der Entwickler.

Als eine mögliche Perspektive für die nächsten Jahre gilt unterdessen auch die Einführung einer gemeinsamen Regelung für Solaranlage und Pelletsheizung. Bisher nutzt man üblicherweise zwei Regelungen, die freilich aufeinander abgestimmt sind. Eine gemeinsame Regelung biete dagegen nicht nur Kostenvorteile, sondern könne auch ein noch besseres Zusammenspiel der beiden Komponenten bewirken, sagt Christof Geiger von der Firma Wagner & Co. Dennoch wird auch eine solche Neuerung nicht für jede Anlage in Frage kommen – denn im Gegenzug verliere man an Flexibilität, gibt Geiger zu bedenken.

Flexibilität in jeder Hinsicht ist ohnehin ein Schwerpunkt, dem sich die Branche widmet – auch im Hinblick auf die Brennstoffe. “Wir bieten heute schon Kessel, bei denen der Öl- gegen eine Gasbrenner getauscht werden kann”, sagt Solvis-Geschäftsführer Helmut Jäger. Künftig werde man in dem gleichen System auch Pelletsbrenner einsetzen können. “90 Prozent des Kessels sind dann weiterhin nutzbar”, sagt Jäger. Das sei eine Option für Hausbesitzer, die heute noch fossile Energien nutzen, aber sich die Möglichkeit zum einfachen Umrüsten auf Holzpellets offen halten wollen. Mit dieser zweifellos bestechenden Idee liebäugeln auch andere Hersteller bereits: “Ein Pelletsbrenner für Ölheizungen wird auch bei uns diskutiert”, heißt es bei der Firma Fröling.

Und immer ein Thema ist bei den Kesselbauern natürlich die Kostensenkung. “Das wird zwar nicht in großen Schritten gehen”, sagt Solvis-Chef Jäger, “aber mit steigenden Stückzahlen werden wir durchaus noch ein wenig im Preis herunter kommen”. Bestätigung kommt dazu auch aus Wieselburg: “Die Anlagen können noch preisgünstiger werden”, sagt Wissenschaftler Baumgartner – ohne sich aber auf Zahlen festlegen zu wollen.

Und schließlich gibt es über die aktuell anstehenden Themen hinaus unter den Herstellern von Pelletsfeuerungen auch noch Visionen für die ferne Zukunft. Die gleichzeitige Stromerzeugung ist unter allen Ansätzen das wohl spannendste Thema. “Wenn ich mal ganz optimistisch bin, kann ich von einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren ausgehen, bis uns das gelingt”, sagt ÖkoFEN-Geschäftsführer Gastl. Am ehesten realistisch sei dabei die Nutzung der Stirling-Maschine.

Und auch für die Regelung des Kassels gibt es noch kreative Visionen – speziell bei Kombination einer Pelletsheizung mit einer thermischen Solaranlage. “Was bislang fehlt”, sagt Christof Geiger von der Firma Wagner, “ist eine Regelung des Kessels in Abhängigkeit von der Wetterprognose.” Denn wenn die Heizungsanlage darüber informiert ist, dass in den nächsten Stunden wieder die Sonne scheinen wird, kann der Pelletskessel bereits frühzeitig zurückschalten. Schließlich ist es immer ärgerlich, wenn die Sonne gerade dann heraus kommt, wenn der Wasserspeicher von der Zusatzheizung soeben auf seine Zieltemperatur gebracht wurde.

Source: Pers. Mitteilung vom 2004-10-19.

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