4 März 2009

Holzmarkt im Sog der Finanzkrise

Markteinschätzung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen zeigt die aktuelle Marktsituation und die Aussichten für die verschiedenen Sektoren der Holz- und Forstbranche.

Bauwirtschaft
Deutlich ins Auge fällt die Talfahrt des Wohnungsbaus. 1995 wurden noch 600.000 neue Wohnungen fertig gestellt, im vergangenen Jahr waren es rund 200.000! Auch wenn im Einfamilienhausbau erfreulicherweise immer mehr Holz Verwendung findet, zeichnet sich für 2009 im Sog der deutlichen Verschlechterung der Konjunktur keine dynamische Belebung ab.

Möbelindustrie
Im Vergleich zu anderen Branchen verzeichnet die Möbelwirtschaft einen relativ positiven Konjunkturverlauf. Zumindest erwartet der Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) nach einem Umsatzplus von 2,3 Prozent im Jahre 2008 für dieses Jahr mindestens eine schwarze Null.

Nadelstammholz
Das Marktgeschehen auf dem Stammholzsektor verläuft zu Beginn des neuen Jahres zumeist in ausgesprochen ruhigen Bahnen. Die nach wie vor schwächelnde Baukonjunktur in Deutschland und großen Teilen Westeuropas belastet die Bauholznachfrage. Frische Fichte der Güteklasse B, Stärkeklasse 2b (Mittendurchmesser 25-29 cm ohne Rinde) erlöst im bundesweiten Durchschnitt überwiegend zwischen 60,- und 70,- €/FM ab Wald. Die Preise bei Kiefernstammholz und -abschnitten sind um bis zu 15% zum Vorvertragsniveau zurückgegangen, vornehmlich in den klassischen Kiefernländern Brandenburg und Niedersachsen. Das Leitsortiment B 2b (s. Fichte) für Stammholz liegt zur Zeit bei ungebundenen Mengen um 50,- €/FM.

Nadelschnittholz
Die Nadelschnittholznachfrage auf dem deutschen Markt ist auch noch Anfang Februar von kurzfristigen sowie mengenmäßig eher geringen Ergänzungskäufen gekennzeichnet. Nach-dem die Sägeindustrie in der Regel seit der 4. Kalenderwoche wieder vollständig die Produktion aufgenommen hat, können die Anfragen prompt bedient werden. Trotz der längeren Betriebsstillstände über den Jahreswechsel sowie den bei vielen Werken weiter bestehenden Produktionskürzungen wird nach wie vor noch von einem zu hohen Angebot gesprochen.

Der Druck auf die Preise hat Anfang Februar nachgelassen, auch der Abwärtstrend bei Verpackungsware hat sich verlangsamt. Eine Entlastung des Binnenmarktes durch Exportlieferungen findet derzeit nicht statt. In Südeuropa hat sich der Wettbewerb mit österreichischen Anbietern wieder verschärft, in Nordeuropa sehen sich deutsche Exporteure mit äußerst günstigen Angeboten schwedischer Ablader konfrontiert. Die Überseeexporte in Richtung USA sind angesichts der Situation vor Ort weitgehend zum Erliegen gekommen. Ebenfalls in Japan überwiegt zur Zeit eine Kaufzurückhaltung bei gleichzeitig spürbar gesunkenen Verkaufspreisen. Sollte es in den nächsten Wochen nicht zu einer Belebung der Nachfrage kommen, haben Schnittholzproduzenten angekündigt, noch im Laufe des Februars bzw. im März weitere Produktionskürzungen vorzunehmen.

Das Orkantief “Klaus” hat am 24. Januar 2009 in den Wäldern Südwestfrankreichs erhebliche Sturmschäden verursacht. Nach bisherigen Schätzungen wird mit einem Anfall von rund 40 Millionen m3 Sturmholz gerechnet. Nach bislang vorliegenden Informationen zeichnet sich ein relativ hoher Bruchholzanteil ab. Der Windwurf trifft die Forst- und Holzindustrie in der Region zu einem vergleichsweise ungünstigen Zeitpunkt. Aufgrund der schwachen Gesamtkonjunktur fehlt es derzeit auch den Holz verarbeitenden Betrieben in Frankreich an Aufträgen, insbesondere der Einbruch der Baukonjunktur im benachbarten Spanien hat hier für einen Rückgang der Exportmöglichkeiten für Nadelschnittholz geführt. Nach Aussage der European Organisation of the Sawmill Industry (EOS) wird insgesamt kurzfristig aber mit keinen erheblichen Marktstörungen gerechnet. Ein Großteil der Windwürfe entfällt auf Seekiefer, die größtenteils in den Bereichen Verpackung sowie bei der Sperrholz- und Zellstoffproduktion Verwendung findet.

Laubstammholz
Die Nachfrage nach Buchenstammholz bleibt auch zum Ende der Laubholz-Einschlagssaison eher schwach. Bei den unter Vertrag genommenen Mengekontrakten unterliegen die Preise großen Schwankungen. B-Ware erzielt in der Mitte Deutschlands in der 4. Stärkeklasse (Mittendurchmesser 40 – 49 cm ohne Rinde) zwischen 90,- und 105,- €/FM und ab der 5. Klasse bis zu 122,- €/FM ab Wald. C-Ware der Klassen 4 bis 5+ kommt durchschnittlich auf 55,- bis 60,- €/FM, Palette 3b bis 5+ (ab 35 cm Mittendurchmesser) liegt zwischen 45,- und 50,- €/FM. Im Vergleich zum Vorjahr errechnen sich damit Preiseinbußen um 10 bis 15% mit weiter fallender Tendenz. Auch bei der Eiche hat das Interesse der Industrie im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich nachgelassen. Die Ergebnisse der bisher bundesweit stattgefundenen Meistgebotstermine zeigen ein relativ einheitliches Bild von Preisrückgängen um bis zu 25% gegenüber Vorjahr. Die Erlöse im Freihandverkauf zeigen sich sehr uneinheitlich.

Laubschnittholz
Der rückläufige Exporttrend beim Laubschnittholz hält weiter an. Das hat dazu geführt, dass sich laut Umfrage bei der Laubschnittholz erzeugenden Industrie die Aussichten für das erste Halbjahr 2009 weiter eingetrübt haben. Insgesamt gehen acht Zehntel der Teilnehmer von einer weiteren Verschlechterung der Geschäftslage aus.

Industrieholz
Die Industrieholzmärkte stellen sich momentan stark differenziert dar. An Schleifholz sind zur Zeit relativ hohe Mengen auf dem Markt. Bei Holz für die Holzwerkstoffindustrie und Energieholz sind mittlerweile die Waldbestände dagegen deutlich abgebaut. In den aktuellen Abschlüssen zwischen Waldbesitzern/Forstbetrieben sowie Abnehmern aus der Zellstoff- und Holzwerkstoffindustrie konnten allerdings die Vorjahrespreise durchweg nicht gehalten werden. Je nach Region und Ausgangsniveau wurden die Preise im Schnitt um 15-20% gegenüber 2008 gesenkt.

Im Nord- und Ostdeutschland liegen die aktuellen Industrieholz-Abschlüsse mit Abnehmern aus der Spanplatten- und Zellstoffindustrie im Mittel bei etwa 16,50 und 17.50 €/RM ab Wald. Für Mischsortimente in NFK-Qualität (normal, fehlerhaft, krank) werden von Holzwerkstoff-herstellern Preise zwischen 18,- bis 19,50 €/RM, in der Spitze bzw. im Nahbereich bis 21,50 €/RM bezahlt. Die Preise für reine N-Qualitäten (normal = OSB-Qualität) liegen im Mittel bei etwa 21,- bis 23,- €/RM ab Wald. Regional trägt aus Sicht von Waldbesitzern ein lebhafter Brennholzmarkt zu einer gewissen Stabilisierung des Industrieholzmarktes bei.

Ausblick
Der Ausblick auf 2009 ist aufgrund des weltweiten Überangebotes und der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise nicht gerade verheißungsvoll. Zahlreiche Forstbetriebe und Waldbesitzer werden vor der schwierigen Aufgabe stehen, eine für sie vernünftige Balance zwischen Kostendeckung einerseits und nachhaltigem Wirtschaften andererseits zu finden. Die augenblickliche Marktlage wird von allen Akteuren und Beteiligten mit Sorge betrachtet. Paradoxerweise steht aber weiterhin die “Holzmobilisierung” in der Rangliste der anstehenden Aufgaben ganz oben! Eine Vielzahl europäischer Richtlinien und globaler Prozesse setzt für die Einhaltung der Klimaziele auf Holz. Um die Ziele bedienen zu können, den Anteil an erneuerbarer Energie zur Herstellung von Biotreibstoffen zu Transportquellen, die Erzeugung elektrischer und thermischer Energie sowie die stoffliche Verwertung zu steigern, bedarf es noch vieler Anstrengungen und Unterstützungen durch entsprechende politische und rechtliche Rahmenbedingungen.

Ebenso verhält es sich beim Substitutionsgut Holz in der Baubranche. Derzeit lässt sich noch nicht vorhersehen, wie lange und wie tief die Rezession tatsächlich ausfallen wird. Trotz aller Probleme und Herausforderungen, die auch immer Chancen in sich bergen, bin ich davon überzeugt, dass der umweltfreundliche und nachhaltige Rohstoff Holz national und international ein gefragtes und zukunftsweisendes Produkt, das derzeit deutlich unter seinem Wert gehandelt wird, bleibt. Der Mangel an Holzreserven in Asien, die Einführung russischer Holzexportzölle, das Wachstum des Bioenergiesektors sowie die seitens der EU geplanten Maßnahmen gegen den Handel mit illegal geschlagenem Holz werden überdies sicher Wirkung zeigen.

Quellen: FAZ, EUWID, HZBl, ZMP, Wood-Stock.

Source: Landwirtschaftskammer Niedersachsen, 2009-03-03.

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