10 November 2006

Holzgas in Güssing: Die Verarbeitung von Biomasse zu gasförmigen Energieträgern

Baumrinden zum Tanken, zum Heizen, zur Stromerzeugung

Wenn Forscher heute von Holzgas reden, meinen sie eine saubere und effiziente Technologie, mit der ein Gas hergestellt wird, das sich gut für viele Anwendungen eignet. Zum Beispiel für die Produktion von Treibstoff.

Das europaweit wohl spannendste Projekt läuft im burgenländischen Güssing: Dort wird Wald-Hackgut in einer Wirbelschicht-Anlage mit 850 Grad heißem Wasserdampf behandelt: Die langen Kohlenstoff-Moleküle, aus denen Biomasse besteht, werden dabei gespalten. Es entsteht das sogenannte “Synthesegas”, eine Mischung aus Kohlenmonoxid (CO) und Wasserstoff (H2).

In Güssing wird das Gas seit einigen Jahren in einer Versuchsanlage mit Hilfe der “Fischer-Tropsch-Synthese” zu flüssigen Kohlenwasserstoffen weiterverarbeitet – also zu Diesel oder Benzin. Nun soll das Verfahren zur kommerziellen Reife geführt werden. Erfahrungen will man bei einer in Bau befindlichen Anlage in Oberwart sammeln, in der erstmals “synthetisches Erdgas” – also Methan (CH4) – im großtechnischen Maßstab aus Biomasse hergestellt werden soll.

Eine andere Anwendung von Holzgas hat das deutsche Unternehmen Mothermik auf den Markt gebracht: Dabei wird Holz in einem Festbett-Reaktor durch Zuführung von 1.100 Grad heißer Luft behandelt und zerfällt zu Gas-Molekülen, die dann in einem Motor zwecks Ökostrom-Gewinnung verbrannt werden. Was ziemlich simpel klingt, ist ein recht ausgefuchstes System.

Ein Problem bei Biomasse ist etwa, dass sie relativ hohe Mineral-Stoff-Anteile hat, die als Asche anfallen – was regelmäßige Reinigung erfordert und Probleme mit Feinstaub-Emissionen verursacht. Mothermik hat diese Schwierigkeit elegant umgangen: Vor der vollständigen Verkohlung wird aus dem Reaktor eine kleine Menge Holzkohle ausgetragen – und mit ihr die ansonsten anfallende Asche.

Source: Infoholz vom 2006-11-10.

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