8 September 2003

Höhn: Bau von Biogasanlagen erhält durch Novelle des EEG neue Anreize

Die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn (Grüne) hat anlässlich der Einweihung einer Biogasanlage in Vreden (Kreis Borken) den von Bundesumweltminister Jürgen Trittin vorgelegten Entwurf für eine Novelle des Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) begrüßt. Speziell die Vorschläge zur Förderung der Biomasse unterstützt Höhn ausdrücklich.

Der Entwurf sieht vor, die Mindest-Einspeisevergütung für Strom von bisher 10 Cent/kWh auf 12,5 Cent/kWh für kleine Anlagen bis 75 kW und für Anlagen bis 200 kW auf 11,5 Cent/kWh anzuheben. Zusätzlich sollen Betreiber einen Bonus in Höhe von 2,5 Cent/kWh erhalten, wenn sie außer Gülle und Mist ausschließlich Pflanzen- und Pflanzenbestandteile, also zum Beispiel Energiepflanzen wie Silomais, Futterrüben oder Gras einsetzen. Einen weiteren Bonus in Höhe von 1 Cent/kWh können Anlagen erhalten, die besonders innovative Technologien zur Stromerzeugung – wie etwa Mikro-Gasturbinen oder die Brennstoffzelle – nutzen.

Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn: “Ich begrüße diese Vorschläge sehr. Da die bisherige Einspeisevergütung nicht ausreicht, um kleinere Anlagen ohne eine zusätzliche Förderung beim Bau wirtschaftlich zu betreiben, ist der höhere Vergütungssatz absolut gerechtfertigt. Auch die besondere Honorierung des ausschließlichen Einsatzes landwirtschaftlicher Rohstoffe halte ich für wegweisend. Denn das riesengroße Potential der Energieerzeugung aus Biomasse kann nur dann optimal genutzt werden, wenn es gelingt, einen gezielten Anbau von Energiepflanzen wirtschaftlich attraktiv zu machen. Für diese Entwicklung setzt die angestrebte Zusatzvergütung ein richtiges Signal – deshalb unterstütze ich diesen Vorschlag nachdrücklich. So können sich Landwirte ein zweites Standbein als Energiewirt aufbauen.”

Bislang ist in Nordrhein-Westfalen der Beitrag der Bioenergie zur Stromproduktion zwar noch vergleichsweise klein, aber er nimmt stetig zu. Die Zahl der Biogasanlagen insgesamt ist in Nordrhein-Westfalen von zwanzig im Jahr 1998 auf rund hundert im Jahr 2003 gestiegen. Die installierte Leistung aller Bioenergieanlagen in NRW liegt derzeit bei rund 43 MW (Stand 31. 12. 2002), davon entfallen rund 14 MW auf Biogas. Experten schätzen den möglichen Beitrag der Biomasse zum Primärenergieverbrauch Deutschlands auf etwa zehn Prozent.

Nordrhein-Westfalen gilt als das Energieland Nummer eins, hier werden fast 30 Prozent der in Deutschland benötigten Energie erzeugt und verbraucht. Mit seiner in einigen Teilen des Landes stark ausgeprägten ländlichen Struktur eignet sich NRW hervorragend für einen Ausbau der Energieerzeugung aus Biomasse – also zum Beispiel aus Stroh, Holz, Mist und Gülle. Der Vorteil von Biomasse gegenüber anderen erneuerbaren Energien liegt auf der Hand: Da Biomasse jederzeit verfügbar ist – unabhängig davon, ob die Sonne scheint oder der Wind weht -, kann sie bei der Stromproduktion für die Grundlast eingesetzt werden. In der Novelle des EEG sieht Höhn daher einen wichtigen Impuls für NRW, auch im Hinblick auf das von der Bundesregierung angestrebte Ziel, die Stromversorgung bis zum Jahr 2010 zu 12,5 Prozent aus erneuerbaren Energien sicherzustellen.

Die Gemeinde Vreden hat dieses Ziel schon weit überschritten und präsentiert sich mit ihren inzwischen sechs Biogasanlagen als Vorreiter in NRW. Rein rechnerisch kann mit diesen Anlagen bereits ein Drittel des Vredener Strombedarfs aus erneuerbaren Energien gedeckt werden.

(Vgl. Meldung vom 2003-08-25.)

Source: Pressemitteilung des Landwirtschaftsministeriums NRW vom 2003-09-05.

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