30 Oktober 2013

Heinrich-Büssing-Preis 2013: Von Biokunststoff bis Buchanalyse

Dr.-Ing. Stefanie Kind für ihre Dissertation „Synthetic Metabolic Engineering of Corynebacterium glutamicum for Bio-based Production of 1,5-Diamino-pentane“ ausgezeichnet

Sichere Mülllager, besserer Diesel, innovative Biokunststoffe und eine neue Analyseart großer Nachkriegsliteratur: Das sind die Forschungsthemen der ausgezeichneten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern der Technischen Universität (TU) Braunschweig, die mit dem Heinrich-Büssing-Preis 2013 ausgezeichnet werden.

Der Heinrich-Büssing-Preis wird jährlich von der „Stiftung zur Förderung der Wissenschaften an der Carolo-Wilhelmina“ des Braunschweigischen Hochschulbundes verliehen. Die Preisverleihung findet am Montag, 28. Oktober 2013, um 18 Uhr in der Aula der TU Braunschweig, Haus der Wissenschaft, Pockelsstraße 11, statt.

Die Preisträger:

Dr.-Ing. Sonja Bente
In Deponien schlummern oft Schadstoffe und damit, vor allem in den Entwicklungsländern, eine große Gefahr für die Umwelt. Die Ingenieurin Sonja Bente hat in ihrer Doktorarbeit ein Modell entwickelt, mit dem das Langzeitverhalten der Deponien eingeschätzt werden kann. Dazu hat sie unter anderem mechanische, hydraulische und biochemische Prozesse in mathematische Gleichungen übersetzt. Dass sich mit ihrem Modell auch langfristige Vorhersagen treffen lassen, konnte sie mit Computersimulationen schon zeigen.

Thema der Dissertation: „Interaction of Degradation, Deformation and Transport Processes in Municipal Solid Waste Landfills“

„Sonja Bente hat mit ihrer Dissertation einen wichtigen Betrag zur Umwelttechnik für ein sehr komplexes Problem geleistet“, sagt Professor Dieter Dinkler, der die Doktorarbeit betreut hat.

Zur Person: Sonja Bente hat an der TU Braunschweig Bauingenieurwesen studiert und anschließend als Projektingenieurin im Büro für Umwelt- und Verfahrenstechnik in Neumünster gearbeitet. Seit 2010 ist sie bei der WTM Engineers GmbH in Hamburg tätig.

Dr.-Ing. Stefanie Kind
Fossile Rohstoffe gehen zur Neige und damit auch wichtige Ausgangssubstanzen für Polymere, aus denen zum Beispiel Kunststoffe oder Dämmmaterialien entstehen. Die Ingenieurin Stefanie Kind hat in ihrer Dissertation ein biotechnologisches Verfahren entwickelt, mit dem Bakterien für die Polymerproduktion aus nachwachsenden Rohstoffen maßgeschneidert werden können. Mit einem Modellbakterium, das etwa Holz oder Abfallprodukte der Zuckerindustrie in die Ausgangssubstanz für ein Biopolyamid umsetzt, ist ihr das bereits gelungen.

Thema der Dissertation: „Synthetic Metabolic Engineering of Corynebacterium glutamicum for Bio-based Production of 1,5-Diamino-pentane“.

„Zwei weltweite Patentanmeldungen und das starke Interesse der Industrie zeigen die Praxisrelevanz der Arbeit“, sagt der Doktorvater Professor Christoph Wittmann. Und die Gutachter sind „schlichtweg begeistert“.

Zur Person: Stefanie Kind war vier Jahre wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Bioverfahrenstechnik und blieb dort nach ihrer Promotion 2012 zunächst als Postdoc und Projektleiterin. Seit Juli leitet sie die Abteilung Biosynthesis and Synthetic Biology bei Evocatal in Monheim am Rhein.

Dr. rer. nat. Jens Schaak
Wie müssen Dieselkraftstoffe chemisch beschaffen sein, damit bei der Verbrennung möglichst wenig schädliche Abgase entstehen? Dieser Frage ist Jens Schaak in seiner Promotion nachgegangen. Dazu hat er an Motor-Prüfständen die Emissionen von über 40 fossilen, synthetischen und Bio-Kraftstoffen unter verschiedenen Bedingungen untersucht und konnte einige besonders kritische Molekülbausteine entlarven.

Thema der Dissertation: „Emissionen aus der dieselmotorischen Verbrennung von Pflanzenölen und deren Estern sowie synthetischen Kraftstoffen unter besonderer Berücksichtigung der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen“.

„Die Arbeit von Jens Schaak liefert eine zugleich wissenschaftlich grundlegende und anwendungsorientierte Gesamtschau des Themas, die Ihresgleichen sucht“, sagt der Betreuer der Doktorarbeit, Professor Jürgen Krahl von der Hochschule Coburg.

Zur Person: Jens Schaak hat an der TU Braunschweig Chemie studiert. An der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (heute: Thünen-Institut) fertigte er seine Diplomarbeit an und blieb dort für weitere vier Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Vor gut zwei Jahren wechselte der Kraftstoffexperte zur Continental Automotive GmbH in Regensburg. Die Promotion an der TU Braunschweig schloss er im letzten Jahr ab.

Dr. phil. Christian Stein
Wenn es um Bücher von Arno Schmidt geht, hatten Literaturwissenschaftler bisher vor allem die Interpretation von literarischen Verweisen im Visier. Christian Stein hat in seiner Doktorarbeit die Leitmotive aus Schmidts Werk erstmals einer Art Landkarte sinngebender Begriffe zugeordnet. Die Karte zeigt Verbindungen, zum Beispiel zwischen Literatur und Wissenschaft oder Alltag und Tod, und sie ermöglicht es, erweiterte Bezüge zu Philosophie und anderer Literatur zu schaffen.

Thema der Dissertation: „Primat der Sprache – Leitmotivik und Topologie des Subjekts bei Arno Schmidt“.

„Christian Steins Dissertation ist in der wissenschaftlichen Leistung, in Form und Dichte, aber auch in der Sprachkunst des Autors ein Meisterwerk“, sagt Professor Renate Stauf, die die Doktorarbeit betreute.

Zur Person: Christian Stein kennt sich mit Büchern ebenso gut aus wie mit Computern. An der TU Braunschweig studierte er Informatik, Linguistik und Literaturwissenschaften und betrieb nebenher eine eigene Softwarefirma. Von 2008 bis 2012 leitete er am Institut für Verkehrssicherheit und Automatisierungstechnik ein Team zum Thema Terminologieforschung. Heute arbeitet er als Postdoc an der Berliner Humboldt-Universität im Exzellenzcluster „Bild Wissen Gestaltung“.

Kontakt
Sabine Stegner
Braunschweigischer Hochschulbund e.V.
Tel.: 0531 391 4570
E-Mail: s.stegner@tu-braunschweig.de
www.braunschweigischer-hochschulbund.de

Source: Technische Universität Braunschweig, Pressemitteilung, 2013-10-28.

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