7 Mai 2002

Heilpflanzen aus Deutschland bevorzugt

Auf einer Fachtagung an der Justus-Liebig-Universität (JLU) über „Nachwachsende Rohstoffe“ sprach sich der Professor für Pflanzenbau, Dr. Bernd Honermeier, für einen verstärkten Anbau von Arzneipflanzen in Deutschland aus. Bislang werden erst auf rund 10.000 Hektar, vornehmlich in den drei Bundesländern Hessen, Thüringen und Bayern, Heilpflanzen wie Kamille, Johanniskraut oder Sonnenhut angebaut. „Um die Nachfrage der Arzneimittel-Hersteller zu decken, wäre ein Mehrfaches der jetzigen Fläche notwendig“, berichtete der Wissenschaftler, aber die Landwirte scheuten häufig den damit verbundenen Aufwand.

Zur hygienischen Verarbeitung der so genannten Phytopharmaka – pflücken, trocknen, reinigen und verpacken – müssten zunächst auch teure Maschinen gekauft werden. „Das ist ein schwieriger und kostenintensiver Markt, man kann Wildpflanzen wie Kamille nicht einfach ins Feld stellen wie Weizen. Aber wo auf dieser Welt gibt es schon Kamille-Pflückmaschinen?“

Ein Großteil der in Deutschland verarbeiteten Arzneipflanzen werde importiert, obwohl die Qualitäten der auf dem Weltmarkt vertriebenen Heilpflanzen stark schwanke. „Sie werden zum Teil wild gesammelt und haben daher oft einen ganz unterschiedlichen Wirkstoff-Gehalt.“ Dies gelte ebenso für Schwermetall- oder Mykotoxinbelastungen. Erfreulich immerhin die Ankündigung des Gießener Referenten: „Die Industrie hat daher Signale gegeben, die Produktion aus Deutschland trotz der höheren Preise künftig zu bevorzugen“.

(Vgl. auch Meldung vom 2001-10-22.)

Source: Giessener Anzeiger, Kreis Anzeiger und Frankfurter Rundschau vom 2002-05-07.

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