15 Juli 2009

Hanffasern für die Industrie: Preisstabil bei großer Liefersicherheit

Konferenz der European Industrial Hemp Association zeigt leistungsfähige Branche

Die Produktionskette für Hanffasern ist regional aufgestellt und europaweit vernetzt. Auf der zentralen Veranstaltung der europäischen Nutzhanfverarbeiter, der sechsten “International Conference of the European Industrial Hemp Association (EIHA)” in Wesseling bei Köln, trafen sich Ende Mai knapp 120 Vertreter einer Branche, die sich eng am Markt orientiert.

Aufgrund der großen Nachfrage nach technischen Hanf-Kurzfasern haben mehrere mittelständische Verarbeiter in den vergangenen Jahren die Produktionskapazitäten ausgebaut und modernisiert. Die Naturfaser steht in ausreichender Menge und in definierten Qualitäten zu Verfügung. Durch die Verteilung der Produktionskapazitäten auf mehrere unabhängige Unternehmen in vier europäischen Ländern gewährleistet die Branche auch Großabnehmern eine zuverlässige Rohstoffversorgung. Rekordverdächtig ist die Preisstabilität der Hanffaser: In den vergangenen zwölf Monaten schwankten die Preise für technische Hanf-Kurzfasern um weniger als 5%. Ursache hierfür ist auf der Abnehmerseite die Preiskonkurrenz durch exotische Naturfasern wie Jute und Kenaf, auf der Rohstoffseite der nötige Mindestpreis für Hanfstroh, um die Anbauflächen der Vertragslandwirte weiter für den Hanfanbau zu sichern.

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Grafik in höherer Auflösung hier (PDF-Dokument, Stand: 2009-06).

Noch sind die Haupteinsatzgebiete der Hanffaser Naturfaser-Verbundwerkstoffen im Innenraum von Autos und für weitere Anwendungen, die Produktion von Hanffaser-Dämmstoffen und – vor allem in den traditionellen Anbauländern Spanien und Frankreich – die Herstellung von Spezialpapieren. Mit der Etablierung neuer Einsatzgebiete könnte sich diese Aufteilung aber bald ändern. So halten Flachs- und Hanffasern inzwischen 70% Anteil am deutschen Markt für Kresse-Anzuchtvliese. Im Textilbereich sorgt der in Kanada entwickelte “Crailar”-Prozess für Aufsehen, welcher Hanffasern zu Funktionsfasern macht, vergleichbar mit synthetischen High-Tech-Produkten. Dabei wird die Qualität durch einen speziellen, teilweise enzymatischen Prozeß der Fasergewinnung optimiert. Die Faser verbessert als umweltfreundliche Beimischung die Produkteigenschaften von Mischgeweben. Textilien mit 20% Crailar-Hanffaser im Baumwollgewebe schrumpfen um die Hälfte weniger, benötigen ein Fünftel weniger Färbemittel, und ihre Festigkeit erhöht sich um 45%. Eingesetzt werden soll die Faser in Funktionsbekleidung und für die Produktion von Vliesstoffen. Die in Kanada verarbeiteten Fasern sind Importware aus Europa.

hempfibresgreenproducts.jpgAuf Hanf als wertsteigernde Komponente in Materialkombinationen setzt auch das Fachgebiet Bionik an der Universität Bremen. Nina Graupner zeigte auf der EIHA Konferenz, wie die Eigenschaften der Hanffasern in Verbundwerkstoffen bei maximalem Einsatz Nachwachsender Rohstoffe zum Tragen kommen: In einer Mischung aus Hanffaser und der cellulosebasierten Regeneratfaser Lyocell mit dem Biokunststoff PLA trägt Hanf zu einer hohen Zugfestigkeit und Steifheit bei, Lyocell dagegen sorgt für gute Schlagfestigkeit.

Mit einer gezielten Informationskampagne rückt die European Industrial Hemp Association (EIHA) Hanf als vielseitige Nutzpflanze für die Industrie in den Mittelpunkt. Die Vorteile und Einsatzmöglichkeiten der Hanffaser fasst eine aktuelle Broschüre zusammen, die ab August 2009 erhältlich ist. Potentielle Abnehmer erhalten darin zudem einen Überblick der europäischen Produzenten und ihrer Kapazitäten. In Vorbereitung sind Veröffentlichungen zur industriellen Hanfnutzung insgesamt, zu Hanf als Lebensmittel sowie zu Fördermöglichkeiten für die Hanfbranche aus dem EU-Agrarhaushalt.

Weitere Informationen

Kontakt
European Industrial Hemp Association (EIHA)
c/o nova-Institut GmbH
Chemiepark Knapsack
Industriestraße
50354 Hürth
Tel.: 02233-48 14-49
Fax: 02233- 48 14-50,
E-Mail: info@eiha.org

Source: energie pflanzen, 2009-07.

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