25 Juni 2001

Hanf: Das weiße Gold der Batschka

Martin Butter, der letzte donauschwäbische Hanfbauer Deutschlands, hat einen bemerkenswerten Erfahrungsbericht über den Hanfanbau in der Region Batschka vorgelegt.

Während in den Jahren 1994 und folgende zahlreiche Bücher von Hanfpionieren gedruckt wurden, gibt es nun ein hochinteressantes Buch von Martin Butter, einem Menschen mit jahrzehntelanger Hanferfahrung. Das Buch “Hanf. Das weiße Gold der Batschka ein nachwachsender Rohstoff heute?” erzählt die Geschichte des Hanfanbaus und der -verabeitung der Donauschwaben. Die Donauschwaben wurden im 18. Jahrhundert von den “Rattenfängern” der Habsburger im Süddeutschen Raum angeworben, um das Gebiet der Batschka auf dem Balkan zu besiedeln. Die Donauschwaben brachten von zu Hause ihren Hanf mit, um unter schwierigsten und entbehrungsreichen Bedingungen in einer neuen Welt etwas aufzubauen. Aus dem schnell wachsenden Hanf gelang es ihnen, das weiße Gold der Batschka zu gewinnen. Die Fasern waren von feinster Qualität.

Das Buch Butters ist ein bemerkenswertes wirtschaftsgeschichtliches Buch. Es zeigt, dass nicht nur das Aufkommen der Baumwoll- und Synthetikfaser zum Niedergang des Hanfs beigetragen hat, sondern auch die Vertreibung der Donauschwaben in Folge des 2. Weltkrieges.

Nach Westdeutschland vertriebene Donauschwaben gelang es in der Zeit des Wiederaufbaus, Fasern ähnlicher Qualität wie in der Batschka zu gewinnen. Dieser kurze Wiederaufschwung fand allerdings durch den Siegeszug der Chemiefaser ein jähes Ende. Butter machte jedoch weiter. Er verlegte sich auf die Produktion von speziellen Spanplatten aus Schäben für Nischenmärkte. Erst die Drogenpolitik der Bundesregierung mit ihren undifferenzierten Hanfanbauverboten stoppte ihn im Jahre 1981.

Für die Zukunftschancen des Hanfanbaus ist der Autor skeptisch, besonders in Bezug auf die Faser. Allerdings wird im Zusammenhang mit Fasern scheinbar immer nur die textile Faser betrachtet. Potenzial sieht er jedoch für Nischenprodukte aus Schäben.

Butter bedauert, dass bei der vermeintlichen Wiederentdeckung des nachwachsenden Rohstoffs Hanf nicht auf das noch im Verborgenen existierende Erfahrungswissen zurückgegriffen wurde. Dieses zu sichern, ist Ziel der spannenden Lektüre. Und in der Tat fragt sich der Leser, wenn Butter Erntemaschinen aus den 50er Jahren erwähnt, die sich bewährt hatten, ob nicht eigentlich die Hersteller noch existieren. Oder, ob zumindestens in Patentämter oder sonstigen Archiven noch Pläne der selben existieren. Ein solcher Erfahrungsfundus hätte die Wiedereinführung von Hanf in die modernen Wirtschaftskreisläufe sicher beflügeln können. Das Buch verdient das Prädikat unbedingt lesenswert.

Hanf. Das weiße Gold der Batschka ein nachwachsender Rohstoff heute?
Autor: Martin Butter
132 Seiten
Preis: DM 19,80
ISBN: 383 111 765 -9

Quelle: meOme/Hanf vom 25.06.2001.

Source: meOme/Hanf vom 25.06.2001.

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