26 Januar 2004

Hanf-Dämmstoffe demnächst auch aus Gütersloh

Westfalens Bauern sollen Hanf zu Kapital machen

WERTHER. Industriehanf soll den Ostwestfalen helfen, die Wirtschaft anzukurbeln. Der Hanf, den die HAV NafiTech GmbH künftig im Kreis Gütersloh anbauen lassen will, soll zu Naturdämmstoff verarbeitet werden.

Der Startschuss zum Unternehmen in Werther fiel mit der Gründung der NafiTech GmbH im Dezember vergangenen Jahres. Seit 1996, als der landwirtschaftliche Anbau von Hanf wieder legalisiert wurde, habe sich ein regionaler Hanfverein mit dem Potenzial der Pflanze für die Landwirtschaft beschäftigt, erinnert sich NafiTech-Geschäftsführer Günter Butenuth. Fast zeitgleich hätten die Bielefelder Möller-Werke, ein großer Zulieferer der Automobilindustrie, Hanf-Forschungen betrieben. Die Fasern können problemlos im Verbund mit Kunststoffen eingesetzt werden und somit dazu beitragen, das Gewicht von Autoteilen zu vermindern. Außerdem sei Hanf ein guter natürlicher Dämmstoff, so Butenuth.

Zusammengekommen sind der landwirtschaftliche Hanfverein und die Möller-Werke schließlich in Werther: Dort standen Hallen leer, in denen nun die Hanffabrik untergebracht werden soll. Bis zum Spätsommer sollen die entsprechenden Maschinen stehen, erwartet der NafiTech-Geschäftsführer. Sein Ziel: “Wir wollen die Landwirte in der Region dazu bewegen, auf insgesamt 1.500 Hektar Hanf anzubauen.” Einige Interessierte gebe es immerhin schon, weitere sollen über Informationsveranstaltungen gewonnen werden.

Das Projekt findet den Beifall des in Bad Sassendorf ansässigen Zentrums für nachwachsende Rohstoffe der Landwirtschaftskammer: “Hanf ist eine sehr extensive Kulturpflanze, die wenig Pflanzenschutzmittel braucht und Gülle sehr gut verwertet. Außerdem bereichert sie die Fruchtfolge”, weiß Referent Hans-Bernd Hartmann. Besonders gut gedeihe sie auf nährstoffarmen Böden, wo sich andere Pflanzen eher schwer tun. Dass die Landwirte, die sich auf den Anbau von Hanf einlassen, keinen Besuch von der Polizei bekommen, dafür sorge die Zertifizierung des Saatgutes, so Hartmann: Dort ist vermerkt, dass die Pflanze keine nennenswerten Anteile des berauschenden Wirkstoffs THC mehr enthält.

Übrigens weist Hartmann darauf hin, dass man Geld damit sparen kann, wenn man sein Haus mit dem Material dämmt – denn dafür gibt es inzwischen einen Zuschuss von 40 Euro pro Kubikmeter aus dem Bundesförderprogramm für Dämmungen aus nachwachsenden Rohstoffen.

(Vgl. Meldung vom 2003-08-03.)

Source: "NRZ-online vom 2004-01-25.

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