12 Dezember 2002

Hamburger Wirtschaftsbehörde lässt über Tropenholz-Siegel diskutieren

In Hamburg gibt es offenbar Bestrebungen, die Bestimmungen zur öffentlichen Beschaffung von Tropenholz zu lockern. Für den heutigen Mittwoch hat die Behörde für Wirtschaft und Arbeit der Hansestadt Vertreter von Handel, Gewerkschaften, der technischen Zusammenarbeit und von Umweltverbänden in die Wirtschaftsbehörde eingeladen, um über das malaysische Holz-Zertifikat MTCC zu diskutieren. ROBIN WOOD warnt davor, Tropenholz ungesicherter Herkunft in Hamburg wieder hoffähig zu machen.

Das Zertifikat wird von der Dachorganisation der malaysischen Forstindustrie, dem Malaysian Timber Certification Council (MTCC), vergeben. ROBIN WOOD hält dieses Industrie-Siegel für inakzeptabel, da es nicht unabhängig kontrolliert wird, über die Köpfe der UreinwohnerInnen hinweg eingeführt wurde und ihre Landrechte ignoriert.

Nach wie vor ist die Forstwirtschaft in Malaysia größtenteils weder ökologisch nachhaltig noch sozial gerecht. Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO geht jedes Jahr eine Waldfläche von 237.000 Hektar verloren. Ursache dafür ist der maßlose kommerzielle Holzeinschlag, der von Günstlingen des malaysischen Regimes betrieben wird. In einem verzweifelten Kampf wehrt sich die indigene Bevölkerung, etwa das Waldnomadenvolk der Penan, gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen durch die malaysische Forstindustrie.

ROBIN WOOD hatte bereits im Juni, als Vertreter des MTCC auf Werbetour in Hamburg waren, deutlich gemacht, dass europäische und malaysische Nichtregierungsorganisationen aus guten Gründen dieses Industriesiegel ablehnen. In einem offenen Brief hatten sie Bürgermeister von Beust und Wirtschaftssenator Uldall aufgefordert, den Senatsbeschluss vom 3.12.1996 weiterhin konsequent und uneingeschränkt umzusetzen. Demnach darf in Hamburg Tropenholz nur dann bei öffentlichen Baumaßnahmen eingesetzt werden, wenn es mit dem vonUmweltorganisationen anerkannten Gütesiegel des Forest Stewardship Council
(FSC) ausgezeichnet ist.

“ROBIN WOOD hat jahrelang dafür gekämpft, dass sich die Hansestadt am Raubbau in den Tropen nicht mitschuldig macht”, erläutert Jens Wieting, ROBIN WOOD-Tropenwaldexperte. “Wir können nicht nachvollziehen, warum jetzt über ein Zertifikat diskutiert werden soll, dass von Umweltverbänden und den Ureinwohnern Malaysias so deutlich abgelehnt wird. Wir erwarten, dass Beust und Uldall sich für den Schutz der Tropenwälder stark machen und nicht hinter bestehende Regelungen zurückfallen.”

Kontakt:
Jens Wieting, Tropenwaldreferent
Tel.: 040-38 08 92-18
E-Mail: tropenwald@robinwood.de

Ute Bertrand, Pressesprecherin
Tel.: 040-38 08 92-22
E-Mail: presse@robinwood.de
Internet: www.robinwood.de

(Vgl. Meldungen vom 2002-08-22 und 2002-04-18.)

Source: www.robinwood.de und eco-info.de vom 2002-12-11.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email