6 Juli 2015

Hamburger Hafen bereitet Hafensedimente mit stärkebasierten, bioabbaubaren Flockungsmitteln auf

Stärke ersetzt schlecht abbaubare synthetische Flockungsmittel – technisch ebenbürtig, ökologisch klar überlegen - Anwendung auch für Klärschlamm interessant

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Die Membrankammerfilterpressen der METHA, in denen künftig das stärkebasierte Flockungsmittel eingesetzt wird. Foto: HPA/Ulrich Döring

Bereits seit Ende 2012 verwendet die Hamburg Port Authority (HPA) ein Flockungsmittel aus kationischer Kartoffelstärke erfolgreich in der Praxis. Nun will sie auch die Stufe III ihrer Großanlage METHA für die Aufbereitung von Hafensediment auf ein neu entwickeltes Stärkeflockungsmittel umrüsten. Vorteile für die HPA: Die biobasierten Flockungsmittel ersetzen synthetische Polymere auf Basis von Acrylamid, die nur sehr schwer biologisch abbaubar sind.

Erste großtechnische Untersuchungen mit dem neuen Produkt auf einer Kammerfilterpresse der METHA-Anlage zeigen bereits, dass alle wesentlichen Betriebsparameter wie Kuchenwichte, Restfeuchte und Scherstabilität für die Hafenschlickentwässerung eingehalten werden können. Zusätzlich ergeben sich betriebliche Vorteile, wie beispielsweise die Verbesserung geophysikalischer Eigenschaften der entwässerten Schlickprodukte und eine bessere Filterkuchenablösung bei der Kammerfilterpresse – wodurch Betriebspersonal entlastet werden kann.

Auch für die Betreiber herkömmlicher Kläranlagen ist das biobasierte Flockungsmittel mittlerweile sehr interessant, denn die neue Düngemittel-Verordnung erschwert ab 2017 den Verkauf von Klärschlamm, der mit erdölbasierten, Acrylamid enthaltenden Polymeren entwässert wurde.

Der Hamburger Hafen war weltweit der erste Hafen, der das bei der Ausbaggerung der Schifffahrtsrinnen anfallende Sediment nicht mehr auf dem offenen Meer verklappte. Seit 1993 werden die teilweise schadstoffbelasteten Sedimente in der METHA (Mechanische Trennung und Entwässerung von Hafensediment), der ersten Großanlage dieser Art, aufbereitet und der belastete Teil auf Deponien an Land entsorgt. Bei der Aufbereitung kommen Flockungsmittel zum Einsatz, die das Hafensediment entwässern und aufkonzentrieren. Da es der HPA ein wichtiges Anliegen ist, technische Prozesse umweltbewusst zu führen, sind alternative umweltverträgliche Flockungsmittel für den Hafenbetreiber von großem Interesse. Mit den Stärkeflockungsmitteln, die im Wesentlichen aus kationisch geladenen Derivaten der Kartoffelstärke bestehen, war eine solche Alternative gefunden.

„Für uns hat sich die Umstellung der METHA-Stufe I im Novemer 2012  gelohnt – technisch sind die neuen Flockungsmittel ebenbürtig und ökologisch eindeutig überlegen. Deshalb wollen wir nun auch die Stufe III umstellen. Langfristig ist sogar ein kompletter Wechsel denkbar“, erklärt Ulrich Döring, Prozessingenieur der METHA und meint damit die noch verbleibende METHA-Flockungsstufe II, wo derzeit auch noch ein synthetisches anionisches Polymer zu substituieren wäre.

Nicht nur für Hafensedimente sind stärkebasierte Flockungsmittel eine gute Alternative. An Land fällt ein Vielfaches der Sedimente in Form von Klärschlämmen an und auch diese müssen entwässert werden. Mit der neuen Düngemittel-Verordnung ist der Verkauf von mit Polymeren entwässertem Klärschlamm ab 2017 jedoch nur noch erlaubt, wenn diese sich innerhalb von zwei Jahren zu mindestens 20 Prozent abgebaut haben. Dies war für die Polyacryl-basierten Mittel bislang nicht nachweisbar. Somit dürften sich auch Betreiber von Kläranlagen für die biobasierte Option interessieren.

Die stärkebasierten Flockungsmittel wurden in zwei Forschungsprojekten der Universität Hamburg, des Clausthaler Umwelttechnik-Instituts (CUTEC) und der Firma Emsland Stärke von 2004 bis 2008 entwickelt und optimiert. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) förderte die Vorhaben im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Informationen stehen auf fnr.de im Menü Projekte & Förderung unter den Förderkennzeichen 22018505 und 22018605 zur Verfügung.

Source: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V., Pressemitteilung, 2015-07-01.

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