17 Februar 2010

Gute Klimabilanz durch Holztürme für Windanlagen

Gründerunternehmen und Uni Hannover kooperieren bei der Realisierung des "TimberTower"

Ingenieure haben in Zusammenarbeit mit der Uni Hannover einen Holzturm für Windkraftanlagen entwickelt. Für den TimberTower wurde das Start-up-Unternehmen bereits mit mehreren Gründerpreisen ausgezeichnet. Ende 2009 wurde der Turm von der TÜV Nord zertifiziert. Der “hölzerne Riese” soll in diesem Jahr auf dem Universitätsgelände errichtet werden.

Die Idee entstand aus Zufall. Die Ingenieure gaben die Materialwerte von Holz in das Berechnungsprogramm für Türme ein und stellten fest, dass ein Hohlkörper aus Holz den Anforderungen an Türmen für Windkraftanlagen standhält.

“Der Markt verlangt nach höheren Türmen”, so Geschäftsführer Holger Giebel. “Der Stahlrohrturm würde gerne in die Höhe wachsen, doch bei einer Turmhöhe von 110 m müsste der Turmfuß vergrößert werden. Und Betontürme haben sich nicht durchsetzen können.”

Der TimberTower wird aus einem Verbundsystem aus Fichten-Brettsperrholzplatten und Oberflächenkomponenten gefertigt (Fuß: 7,0 x 7,0 m / Spitze: 2,40 x 2,40 m). Die geleimten Bauelemente werden computergesteuert gesägt und in Containern an den Standort geliefert. Dort werden sie zu einem Hohlkörper mit sechs-, acht- oder zwölfeckigem Querschnitt verbaut. Durch den Aufbau des TimberTowers vor Ort entfallen teure und umweltbelastende Schwertransporte wie für Stahlrohrturmsegmente. Zum Schluss wird der Turm mit einer grauen Kunststoffmembran überzogen.

Windkraftanlagen müssen hohen dynamischen Belastungen standhalten. Durch die spezielle Zusammensetzung und Bauweise der Bretter werden die Lasten in alle Richtungen verteilt. Darüber hinaus weist Holz eine geringere Materialmüdigkeit wie Stahl auf.

Die TimberTower GmbH strebt bei der Umsetzung ihres Holzturms hohe Qualitätsstandards an. Offshore-Windanlagen müssen korrosionsbeständig gegen salzhaltige Luft sein. Um sich diesem Problem zu stellen, wird der Tower in einer Klimakammer des Instituts für Bauphysik an der Uni Hannover Belastungstests unterzogen und wechselnden Luftfeuchten und Temperaturschwankungen von -20° C bis +80° C ausgesetzt. Es werden jedoch noch weitere Material- und Verbindungsmitteltests folgen.

Nabil Fouad, Leiter des Instituts für Bauphysik an der Uni Hannover und Holzbau-Experte, unterstützt das junge Unternehmen, das sich aus festangestellten Mitarbeitern sowie Praktikanten, Diplomanden und Statikern zusammensetzt. So ist geplant, dieses Jahr den ersten TimberTower auf dem Unigelände in Garbsen-Marienwerder zu errichten.

Durch die Zusammenarbeit mit TimberTower kann sich die Uni Hannover noch einen Schritt weiter in Richtung bundesweit führendes Testzentrum für Windenergieforschung etablieren. Auch Diplomarbeiten wurden schon über die Belastungstests geschrieben. Geschäftsführer Giebel begrüßt ein weiteres Engagement von studentischer Seite: “Wenn es vom Thema her passt, auf jeden Fall. Wir suchen vor allem in Richtung Physik, Bauphysik und insbesondere Statik.”

Sandro Mainusch, der ehemals beim Windanlagenhersteller REpower beschäftigt war, weiß, welche Überzeugungsarbeit im Bereich Windkraftanlagen vonnöten ist. Hersteller von Windkraftanlagen seien der Holzbau-Technologie gegenüber durchaus aufgeschlossen. Man könne mit der Herstellung der Holztürme einen echten Wettbewerbsvorteil im Markt realisieren, so Giebel.

Der Turm verfügt laut Holger Giebel auch über eine gute Ökobilanz: “367 t CO2 werden im Holzturm dauerhaft gebunden.” Bei einer Turmhöhe von 100 Metern wie beim TimberTower würden rund 300 Tonnen Stahlblech anfallen, für die enorm viel Energie erforderlich sei. Nach einer Lebensdauer von ca. 20 Jahren könnte der Turm anschließend recycelt werden. “Wenn die Beschichtung vom Turm abgekratzt ist, lassen sich die Platten noch zu Carports oder ähnlichem verwenden.” Und danach ließe sich das Holz zu Pellets verarbeiten.

Kontakt:
TimberTower GmbH
Vahrenwalder Straße 7
30165 Hannover
Tel.: 0511-859 300 20
Fax: 0511-165 975 079
E-Mail: info@timbertower.de

Source: VDI-Nachrichten

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