23 Juni 2003

Güstrow: Plattenwerk Stropoly startet Betrieb

Bauplatten aus Stroh - für Wände und Möbel

Mit einem bislang einmaligen Herstellungsverfahren wartet die Güstrower Stropoly GmbH auf, die am vergangenen Freitag ihre Produktion startete (vgl. Meldung vom 2002-01-09). Verbundwerkstoffe aus Stroh, Ökokleber und Wasser sollen künftig den Baumarkt revolutionieren. Das insgesamt 34 Mio. EUR teure Projekt erforderte ein Eigeninvestment der Betreiber von bereits 15 Mio. EUR, den Rest stellte das Land aus Fördermitteln bereit.

Nach Angaben des geschäftsführenden Gesellschafters Heinrich Otto sei das innovative Verfahren innerhalb von zehn Jahren Entwicklungszeit entstanden, während derer das Unternehmen aus Gründen der Geheimhaltung auch auf eine Patentanmeldung verzichtet habe. Immerhin bestünde ein Gebrauchsmusterschutz auf acht Oberflächenmodelle der Strohfaserplatten.

Die Spanplatten werden in Stärken von 12 bis 125 mm angeboten und seien emissions- und formaldehydfrei, stabil und Wasser abweisend, schwer entflammbar und gut dämmend, sowie recycelbar und ca. ein Drittel leichter als herkömmliche Holzfaserplatten. Dafür kosten sie etwas mehr – was dem Absatz keinen Schaden tut: 13.000 von 17.000 Kubikmetern der diesjährigen Produktion sind bereits unter Dach und Fach.

Ab 2004 soll der Absatz auf jährlich 50.000 m3 und der Umsatz auf runde 12 Mio. EUR steigen und aus bislang 17 Arbeitsplätzen 35 werden. Ihren Jahresbedarf von 30.000 Tonnen Stroh bezieht die Stropoly GmbH über eine Erzeugergemeinschaft von 19 Landwirtschaftsbetrieben der Region, mit denen sie in Vertrag steht: “Wir müssen aus Agrarprodukten, die bei uns wachsen, mehr machen. Denn die Veredlung im Land bringt Geld”, betont Agrarminister Till Backhaus (SPD).

Laut Schweriner Agrarministerium haben die Bauern in Mecklenburg-Vorpommern jedes Jahr mindestens eine Mio. Tonnen Stroh übrig, ein Drittel der anfallenden Menge, als nutzbaren Rohstoff übrig. Dieser wird im Werk gehäckselt, ausgestreut und mit einem ökologisch unbedenklichen Bindemittel verpresst. “Stroh eignet sich auf Grund der Wasser abweisenden natürlichen Fettschicht für die Spanplattenproduktion”, erläutert Otto hierzu.

Der umweltgerechte Strohwerkstoff findet Einsatz als Decken- Wand- oder Bodenelement sowie für diverses Mobiliar wie Tische oder Regalwände.

Source: Schweriner Volkszeitung vom 2003-06-20.

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