29 Januar 2014

Grüne und SPD auf Distanz zu neuen Gentechnik-Pflanzen

Die Grünen und die SPD plädieren gegen die Zulassung neuer Gentechnik-Nutzpflanzen, die Bundesregierung ist in dieser Frage noch uneins

 

Auf ihrem Sonderparteitag zur Neuformation der Parteispitze haben die SPD-Mitglieder die Bundesregierung aufgefordert, die Zulassung neuer gentechnisch veränderter Maispflanzen in der Europäischen Union (EU) zu verhindern. Im Speziellen ging es dabei um die Maissorte 1507 von DuPont und Dow Chemical, die gegen bestimmte Pflanzenschutzmittel und Schädlinge resistent ist. Bis zum 12. Februar, wenn die Zulassung im Minsterrat der EU auf der Agenda steht, ist hier eine Position gefragt. Bei ihrer Forderung verwies die SPD auf den Koalitionsvertrag, in dem sich Union und SPD verpflichtet hätten, „die Vorbehalte der Bevölkerung gegenüber der grünen Gentechnik anzuerkennen“. Wie das Nachrichtenmagazin Spiegel meldet, ist die Bundesregierung in ihrer Haltung zu der Zulassung von 1507 noch uneins: Während das Gesundheitsministerium und Forschungsministerium den Gentechnik-Mais für unbedenklich hielten, seien die Ressorts Wirtschaft, Landwirtschaft und Umwelt gegen die Zulassung. Die Grünen stellten in diesem Kontext eine Studie vor, die der EU-Parlamentarier Martin Häusling bei dem gentechnikkritischen Beratungsinstitut Testbiotech in Auftrag gegeben hatte. Das 56-seitige Papier mit dem Titel „Cyberkrieg auf den Äckern“ stellt der Grünen Gentechnik ein schlechtes Zeugnis aus und formuliert Zweifel an ihrem Nutzen. Der Studie zufolge liegt die Landwirtschaft der USA technisch und wirtschaftlich hinter der Westeuropas zurück, weil die Vereinigten Staaten vor allem auf Gentechnik setzen, während in Europa die Feldpflege im Vordergrund steht.

Beide Ansätze führten zu Ertragssteigerungen, allerdings gingen die Erträge einzelner gv-Äcker nach einigen Jahren wieder zurück. Der Einsatz von Pestiziden bleibe dagegen konstant hoch, fasst Autor Christoph Then auf Basis einer US-Studie zusammen. Schuld daran seien superresistente Unkräuter. Then fordert in seiner Studie die Politik dazu auf, die Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO), deren Ausbreitung nicht kontrolliert werden könne, grundsätzlich zu verbieten. Zudem müssten ethische Grenzen gezogen werden, was Eingriffe in das pflanzliche Erbgut betrifft. So sei die Gefahr, dass Erbgutmoleküle der GVO über den Darm in den menschlichen Organismus gelangten und die Genregulation beeinflussten, nicht auszuschließen. Dieser Aspekt ist wissenschaftlich jedoch stark umstritten. Laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gibt es keine wissenschaftlich fundierten Belege für diesen sogenannten horizontalen Gentransfer auf Menschen durch gv-Pflanzen.

 

Source: biotechnologie.de, 2014-01-27.

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