24 Januar 2005

Grüne Woche: Künast will mehr Forschung für Nawaro

In ihrer Rede zur Eröffnung des 12. Ost-West-Agrarforums auf der 70. Internationalen Grünen Woche in Berlin hat Verbraucherschutzministerin Renate Künast heute auf die Bedeutung einer nachhaltigen Agrarwirtschaft für Politik und Gesellschaft hingewiesen. Das Ost-West-Agrarforum habe in den letzten 12 Jahren gerade auch den Wandel im Agrarbereich begleitet. “Ich halte deshalb die Agrarwende für eine herausragende und notwendige organisatorische und institutionelle Innovation unserer Zeit”, erklärte Künast.

Anstelle der Leistung, möglichst viel zu produzieren, seien andere Erwartungen an die Landwirtschaft getreten: Die Lebensmittelqualität, Tierschutz, Natur- und Umweltschutz, oder die Landschaftspflege. Die Bundesministerin betonte die enorme Leistung und die Vorreiterrolle des ökologischen Landbaus und der artgerechten Tierhaltung: “Wir müssen diese besonders nachhaltigen Wirtschaftsweisen so stark wie möglich machen. Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, dass sie noch mehr Sogwirkung entwickelt, auch für den “Mainstream”.

Es geht im 21. Jahrhundert um fünf zentrale Herausforderungen hinsichtlich der Nachhaltigkeit:

1. Globale Ebene. Hier gehe es um ein gerechtes, nachhaltiges Handelssystem für alle. Die künftige Verankerung Nicht-Handelsbezogener Kriterien auf internationaler Ebene sei dabei ein ganz wesentliches Element.

2. Lebensmittelsicherheit. Hier brauche man ein durchgängiges System der Verantwortlichkeit vom Acker bis zum Teller, Transparenz und Nachvollziehbarkeit auf allen Stufen der Lebensmittelkette. Neue, innovative Lösungen müsse es vor allem beim Umgang mit Salmonellen, Antibiotika­resistenzen oder Zoonosen geben. “Sie gehören zu den größten Gefahren für die Gesundheit der Menschen. Hier brauchen wir Verbesserungen durch eine nachhaltige Wirtschaftsweise”, so die Ministerin. Auch im Zusammenhang mit den so genannten neuartigen Lebensmitteln müsse man über Lebensmittelsicherheit reden. Hier sei ein Szenariobuilding wichtig, das auch zukünftigen Generationen ein gutes und gesundes Leben ermögliche.

3. Forschung. In der Forschung gehe es vor allem darum, technische Möglichkeiten mit gesellschaftlichen Erfordernissen und Erwartungen zusammen zu bringen. Man müsse sich fragen: Wohin soll die Forschung forschen? Welches sind die drängenden Probleme, vor denen wir stehen und welche Lösungsansätze können wir bieten? Wie organisieren wir Forschung, um diesen Problemen beizukommen?
Die Agro-Gentechnik sei ein gutes Beispiel für diesen Diskurs. “Sie ist zweifellos ein hochinnovativer Bereich. Aber: Wir wissen noch immer zu wenig über die Langzeitfolgen der Gentechnik. Wir problematisieren zu wenig die Frage der Rückholbarkeit”, sagte Künast. Man müsse sich die Frage stellen, was eine wirklich innovative Forschung sei, was uns voran bringe und was die Existenz einer nachhaltigen Agrarwirtschaft sichere. Gerade im Bereich Gentechnik müsse die Frage erlaubt sein, ob wir nicht mit einer traditionellen, standortangepassten Züchtung die gleichen, wenn nicht gar bessere Ergebnisse erzielen können. Hierzu habe es in jüngster Zeit beeindruckende Beispiele gegeben.

4. nachwachsende Rohstoffe. Die Landwirtschaft sei längst über ihre Rolle als reiner Lebensmittelproduzent hinausgewachsen. Sie biete mittlerweile eine breite Palette von Rohstoffen für hoch innovative Produkte an. “Das Segment der nachwachsenden Rohstoffe ist eine Innovation im besten Sinne und eröffnet zukunftsfähige Wege für die Landwirtschaft und damit auch für die ländlichen Räume”, sagte Ministerin Künast. “Es profitieren letztlich alle. Denn Innovationen in diesem Bereich sind unverzichtbar in ihrem Beitrag zum Klimaschutz, zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise und zur Schaffung von Wertschöpfung und neuen Arbeitsplätzen”, so die Ministerin.

5. Bedeutung und künftige Rolle des ländlichen Raums. Erfolg hätten schon in der Vergangenheit vor allem die ländlichen Räume gehabt, die sich schon früh auf anstehende Veränderungen eingestellt und innovative Strategien gesucht und umgesetzt haben. Die nachwachsenden Rohstoffe seien ein hervorragendes aktuelles Beispiel für einen solchen Blick in die Zukunft, die Verknüpfung von Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus ein anderes. “Auch in der Agrarpolitik müssen wir uns fragen, wo und wie wir solche Impulse setzen können, die diese notwendigen Prozesse in der ländlichen Wirtschaft unterstützen”, so Künast. Die EU-Agrarkomissarin Fischer-Boel habe in ihrer Eröffnungsrede zur Grünen Woche darauf hingewiesen, dass die Entwicklung der ländlichen Räume zu einem Herzstück der Lissabon-Strategie werden müsse. “Wenn wir dieses Ziel erreichen wollen, dann muss die Entwicklung der ländlichen Räume das Herzstück der innovativen Kräfte werden”, sagte die Ministerin. “Dabei ist der Bergriff der Nachhaltigkeit in seiner Ökologischen, sozialen und ökonomischen Dimension unweigerlich mit dem Begriff der “Modernität” und damit Erfolg versprechenden Innovationen im 21. Jahrhundert verbunden”, sagte die Ministerin abschließend.

Source: Pressemitteilung Ministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft vom 2005-01-22.

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