16 November 2004

Grüne Bundestagsfraktion setzt auf Nachwachsende Rohstoffe

Die bündnisgrüne Bundestagsfraktion hat zur großen Konferenz zu Nachwachsenden Rohstoffen am vergangenen Samstag in Berlin ein umfangreiches Positions- und Strategiepapier vorgestellt, das auf die Stärken der Nachwachsenden Rohstoffe setzt. Im Folgenden befinden sich Ausschnitte aus der Zusammenfassung des Papiers “Ölwechsel”: “Weg vom Erdöl – hin zu nachwachsenden Rohstoffen”

Eine Doppelstrategie “Weg vom Öl”: Die Modernisierung unserer Ökonomie macht eine Abkehr vom Erdölzeitalter notwendig. Bündnis 90/ Die Grünen setzten sich daher für eine Doppelstrategie ein, die zwei zentrale Weichenstellungen miteinander verknüpft:

1) die Verminderung des Energie- und Ressourcenverbrauchs
2) den Ersatz des Erdöls durch nachwachsende Rohstoffe und sonstige Erneuerbare Energien.

Die Kernthesen: Der Ölwechsel ist unvermeidlich: Hin zu nachwachsenden Rohstoffen

  • Die weltweite Nachfrage nach Erdöl nimmt zu, während die verfügbaren Ölressourcen sinken. Billiges Öl wird es nicht mehr geben. Das Ende des Öl-Zeitalters ist in Sicht.
  • Die Abhängigkeit unserer Ökonomie vom Erdöl ist besorgniserregend, insbesondere im Verkehrsbereich: über 90 % aller Transporte in der EU hängen am Öltropf!
  • Die Abkehr von der Erdölabhängigkeit ist eine zentrale Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung in Industrie- und Entwicklungsländern, für mehr Klimaschutz und zur Entschärfung globaler Konflikte.
  • Nachwachsende Rohstoffe kommen als Ersatz für Erdöl in allen Wirtschaftsbereichen in Frage: für die stoffliche Nutzung (z.B. für die chemische Industrie oder als Baumaterial), für Kraftstoffe und für die Strom- und Wärmeerzeugung.
  • Nachwachsende Rohstoffe führen zu mehr Versorgungssicherheit, zu mehr Umweltschutz, zu höherer nationaler Wertschöpfung und zu mehr Einkommen in ländlichen Regionen. Wir wollen die 30 – 40 Milliarden Euro, die Deutschland jährlich für Erdölimporte ausgibt, zunehmend in nachwachsende Rohstoffe investieren. Dadurch können mehrere Hunderttausend Arbeitsplätze geschaffen werden.
  • Bündnis 90/Die Grünen setzen sich dafür ein, dass nachwachsende Rohstoffe Erdöl als Ressourcenbasis in der Energieversorgung und der Grundstoffindustrie langfristig vollständig ablösen. Dafür brauchen wir eine “Road-Map” mit neuen Zielen, Zeitplänen und konkreten Maßnahmen.

Unsere Ziele: 4 x 25 %

  • Bündnis 90/Die Grünen setzen sich für das Ziel 4x 25 % bis 2020 ein:
  • Wir wollen 25 % der stofflichen Nutzung auf Basis nachwachsender Rohstoffe;
  • Wir wollen 25 % der Stromversorgung auf Basis Erneuerbarer Energien mit einem hohen Beitrag der nachwachsenden Rohstoffe.
  • Wir wollen 25 % der Wärmenutzung auf Basis Erneuerbare Energien mit einem hohen Beitrag der nachwachsenden Rohstoffe.
  • Wir wollen 25 % der Kraftstoffe auf Basis alternativer Kraftstoffe mit einem hohen Beitrag der Biokraftstoffe.

Diese Zielsetzungen sind ambitioniert, aber sie können auch übertroffen werden. Entscheidend wird dabei sein, dass es gelingt, durch eine parallele Strategie zur Energie- und Rohstoffeinsparung den Verbrauch an Ressourcen auch insgesamt zu reduzieren.

Ressourcen und Umwelt schonen, die gesamte Pflanze nutzen:

  • Nachwachsende Rohstoffe sind mehr als Ölpflanzen wie Raps: wir wollen alle Pflanzen und Pflanzenteile nutzen! Das Potenzial für die wirtschaftliche Nutzung von Biomasse umfasst alle Pflanzen, ob Holz, Stroh, Ernterückstände oder organische Abfälle.
  • Eine Konkurrenz um Flächen beim Anbau von nachwachsenden Rohstoffen muss es nicht geben, vor allem dann nicht, wenn zukünftig das Prinzip von Ganzpflanzennutzung und Nutzungskaskaden angewendet wird.
  • Der Ausbau nachwachsender Rohstoffe soll dabei nicht zu Lasten anderer ökologischer Zielsetzungen gehen: Umwelt, Natur und Landschaft können gleichzeitig geschützt und die Artenvielfalt gesichert werden.

Ein Maßnahmenpaket für nachwachsende Rohstoffe

  • Für eine verstärkte Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen als Grundstoff in der Chemieindustrie und für die stoffliche Güterproduktion wollen wir in Anlehnung an das Erneuerbare-Energien-Gesetz im Stromsektor ein neues Förderinstrument einführen.
  • Im Verkehrsbereich machen neue Verfahren eine Ganzpflanzennutzung, Reinkraftstoffe sowie die Beimischung von Biokraftstoffen zu herkömmlichen Kraftstoffen möglich. Dadurch werden sowohl die energetische Bilanz, als auch die Anwendbarkeit von Biokraftstoffen erheblich verbessert. Diese Ansätze müssen gezielter unterstützt werden. Bisherige Zielsetzungen können somit übertroffen werden.
  • Die Substitution vom Öl zur Wärmeerzeugung ist klima- und wirtschaftspolitisch von großer Bedeutung. Daher wollen wir ein haushaltsunabhängiges Instrument für die regenerative Wärmeerzeugung einführen (Regeneratives Wärmegesetz).
  • Für eine umfassende Strategie zum Ausbau nachwachsender Rohstoffe wollen wir die Forschungsförderung weiter aufstocken und umgestalten.
  • Wir wollen, dass alle Länder auf diesem Planeten an den Chancen nachwachsender Rohstoffe teilhaben können. Damit dies geschehen kann, sind Transferleistungen notwendig und müssen Kapazitäten vor Ort gestärkt werden. Eine Internationale Organisation für Erneuerbare Energien könnte in diesem Kontext eine wichtige Rolle spielen

Das vollständige Papier kann hier runtergeladen werden.

Source: Hans Josef Fell, Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen vom 2004-11-15.

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