6 Juli 2005

Großer Andrang zum Pflanzenölseminar in Greetsiel

Werlte, 01.07.2005 – Auf sehr großes Interesse bei Speditionen, Lohnunternehmen, Landwirten, Handel und Kommunen stieß das Pflanzenölseminar in Greetsiel, Landkreis Aurich. Mehr als 150 Teilnehmer informierten sich über aktuelle Ergebnisse aus Forschung und Praxis zur Rapsölnutzung als Treib- und Schmierstoff.

Die Tagung wurde veranstaltet vom RIS-Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe NaRo.Net, Werlte, vom Landkreis Aurich, der IHK Ostfriesland und dem Landwirtschaftlichen Hauptverein Ostfriesland.

Kein anderer Biokraftstoff wird zur Zeit so intensiv und zugleich so kontrovers diskutiert wie reines Pflanzenöl. Der Einsatz von Pflanzenölen erfüllt in idealer Weise die Vorstellung von regionalen Wirtschaftskreisläufen. Durch stetig steigende Dieselpreise wird Pflanzenöl als Kraftstoff auch ökonomisch interessant. Der Vorsitzende vom Landwirtschaftlichen Hauptverein Ostfriesland Burkhardt betonte, dass dieses Thema für den Landwirt im zweifachem Sinn wichtig ist: einmal als Verbrauer von Diesel, zum anderen als Rohstofferzeuger. Das Rapsanbaupotential in der Region sei noch bei weitem nicht ausgeschöpft.

Über die aktuelle Marktentwicklung bei Raps und anderen Nachwachsenden Rohstoffen informierte zu Beginn der Tagung Fachbereichsleiter Vogelsang von der Agravis AG. Die seit Jahren steigende Nachfrage nach Rapsöl im energetischem Bereich stabilisiere deutlich die Rapspreise. 70% des deutschen Rapsöls fließen heute in den Biodieselsektor. Fehlende Exportmöglichkeiten werden dadurch kompensiert. Ohne die starke Nachfrage aus dem Energiebereich wäre der Rapssaatmarkt heute ca. 20 – 30 €/t schwächer, erläuterte der Referent.

Reines Pflanzenöl unterscheidet sich erheblich in den physikalischen und verbrennungstechnischen Eigenschaften von Dieselkraftstoffen. Insbesondere die hohe Viskosität der Pflanzenöle muss hier beachtet werden. Der Einsatz von Pflanzenölen als Reinkraftstoff kann daher in modernen, direkteinspritzenden Motoren nur erfolgen, wenn zuvor eine motorische Umrüstung des Fahrzeugs erfolgt ist und vorgegebene hohe Qualitätsstandards für das Pflanzenöl eingehalten werden.

Große Schwierigkeiten bereiten die technischen Anpassungen und die Einhaltung von EU-Abgasgrenzwerten, welche in der EURO 4 und EURO 5 Norm weiter verschärft werden. Aus diesem Grund hält Prof. Krahl von der FH Coburg den Einsatz von reinem Pflanzenöl in modernen konventionellen Motoren für problematisch.

Die Anpassung von Traktorenmotoren an den Rapsölbetrieb stellt besondere Anforderungen an das Umrüstkonzept, erläuterte Frau Dr. Schümann von der Universität Rostock. Ein störungsfreier Rapsölbetrieb war bisher nur bei einem Drittel der am “100 Schlepperprogramm” teilnehmenden Traktoren festzustellen. Des weiteren muss die Rapsölqualität deutlich verbessert werden.

Der Aufbau eines umfassenden Qualitätsmanagementsystems (DIN-Norm) ist unbedingt erforderlich, bestätigte auch Dr. Traulsen von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Der Erfolg der Umrüstung hänge aber auch vom Motorenkonzept des Herstellers, sowie dem Know-how des Umrüsters ab. Die Firma Solaroilsystems berichtete über die Entwicklung des Pflanzenöleinsatzes in den Niederlanden und Umrüsterfahrungen in LKW’s. Dr. Kampmann von der Firma MWB Bremerhaven stellte die Ergebnisse von pflanzenölbetriebenen BHKW’s vor.

Über den Einsatz von Pflanzenölen als Hydrauliköl berichtete Dr. Theissen von der TH Aachen. Bioöle haben längst den Stand konventioneller Produkte erreicht und erfüllen höchste Anforderungen. Trotz höherer Produktkosten sind sie in vielen Anwendungsbereichen dennoch wirtschaftlich, da sie leistungsfähiger und langlebiger als mineralische Vergleichsprodukte sind. Für die Umölung auf Bioöle ist auch eine Förderung über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) möglich.

Hier können Sie die Vorträge des Pflanzenölseminars nachlesen.

(Vgl. Meldung vom 2005-07-01.)

Source: NaRo.Net Pressemitteilung vom 2005-07-01.

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