28 Januar 2005

Griechische Baumwollsubventionen in der Kritik

In der ersten Woche des neuen Jahres versammelten sich in Larissa/Griechenland ca. 2.000 Farmer, Funktionäre und Verbandsvertreter zu einem Treffen der Farm-Kooperativen. Die Versammlung fordert von der griechischen Regierung eine weitere Subvention zwischen EUR 23 und 30 Millionen zusätzlich zu der bereits von der EU gewährten Unterstützung von EUR 690 Millionen. Das teilweise tumultartige Treffen gipfelte in der Drohung, wie bereits vor fünf Jahren die Nationalstraße zwischen Athen und Thessaloniki mit Traktoren zu blockieren. Hintergrund der Aktivitäten ist die gemeinsame Agrarpolitik der EU (Common Agricultural Policy = CAP), die in diesem Jahr die Subvention für Griechenland auf eine Produktion von 1.060.000 Tonnen begrenzt. Da aber auf der “legalen”, genehmigten Anbaufläche 1.134.000 Tonnen produziert werden, verlangen die Farmer und Unionsvertreter nach der Devise “All the kilos, all the money, without restrictions”, die Differenz von bis zu EUR 30 Millionen von der eigenen Regierung.

Der Konflikt offenbart erneut die absurde EU-Subventionspraxis. Seit dem Beitritt Griechenlands zur Europäischen Gemeinschaft im Jahre 1981 werden die Landwirte, die in Griechenland mit 13% den höchsten Bevölkerungsanteil von allen Ländern der Gemeinschaft stellen, mit üppigen Unterstützungszahlungen versorgt. Besonders die Baumwollsubventionen haben dazu geführt, dass der Rohstoff ohne die Stützung nicht mehr wettbewerbsfähig angebaut und produziert werden könnte. Investitionen und Produktivitätsverbesserungen wurden kontinuierlich vernachlässigt. Die Subventionspraxis stößt deshalb auch innerhalb des Landes immer mehr auf Kritik. Die Absurdität liegt vor allem darin, dass vor Beginn der Stützungszahlungen Qualitätsbaumwolle immer zu wettbewerbsfähigen Preisen in Griechenland produziert wurde. Für die Produktion wurden aber nur die geeignetesten Felder mit den höchsten Erträgen und infolgedessen niedrigsten Kosten bestellt.

Staatliche Protektion und EU-Funds haben zu einer Ausweitung der Anbaugebiete auf ungefähr 400.000 Hektar geführt. Die Subventionen sichern den Farmern auch noch die Bebauung von eigentlich ungeeigneten Flächen und führen zu erheblichen Kostensteigerungen und Qualitätseinbußen und insbesondere bei Baumwolle und Getreide auch zur Monokultur. Die durchschnittliche Unterstützung lag in Griechenland laut ICAC in der Saison 2003/04 bei 97 US-cents/lb und damit weit über dem Preis, für den Baumwolle am Weltmarkt gekauft werden konnte. Die mit der Subventionierung verbundenen Absichten, schrittweise die Baumwollernten zu verbessern und den Produzenten bei Qualitätssicherung und Kostenreduzierung zu unterstützen sowie den Anbau auf geeignete und profitable Böden zu konzentrieren, wurde de facto ins Gegenteil verkehrt. Die Baumwollanbaufläche expandierte unkontrolliert, die Qualität hat sich verschlechtert und die durchschnittlichen Kosten sind so hoch, dass griechische Baumwolle ohne Subsidien nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Dazu gibt es erhebliche ökologische Rückschläge. Baumwolle benötigt bekanntlich für den Anbau erhebliche Mengen von Wasser und Düngemitteln. Wasserbohrungen in der Ebene von Thessaly werden nach griechischen Quellen zum Teil illegal vorgenommen und die Bohrlöcher erreichen unbekannte Tiefen. Der Grundwasserspiegel ist teilweise so weit gefallen, dass selbst 800 Meter tief gehende Bohrungen nur noch Brackwasser hervorbringen. Der Boden soll so mit Düngemitteln und anderen Chemikalien verseucht sein, dass die Einheimischen nur noch Wasser aus Flaschen trinken können. Einige Abgeordnete in Thessaly verlangen bereits zur Abrundung dieser ökologischen Katastrophe eine Umleitung des Flusses Acheloos.

Obwohl die EU-Förderung auch die Reinigung des Bodens und die Entwicklung von Wasserkonservierungssystemen vorsieht, soll bisher nicht ein Euro für derartige Projekte ausgegeben worden sein. Im Zusammenhang mit der Auszahlungspraxis der Fördergelder wurden in der Vergangenheit auch immer wieder Betrugsvorwürfe laut. Selbst von offiziellen Stellen wurden vielen Farmer Manipulationen vorgeworfen, die darauf abzielten, das Gewicht der abgelieferten Baumwolle und damit auch die Subventionszahlungen zu erhöhen. Erste Änderungen der EU-CAP-Politik treten am 01. Januar 2006 in Kraft und sollen 65% der produktionsabhängigen Zahlungen an EU-Baumwollfarmer in abgekoppelte Farmeinkommen-Unterstützung überführen. Es bleibt abzuwarten, wie diese geänderte Politik in Griechenland umgesetzt werden kann.

Vgl. auch Meldung vom 2004-04-12.

Source: Cotton Report - Wochenbericht der Bremer Baumwollbörse, Nr. 03/04 vom 2005-01-21.

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