10 Januar 2000

Göttinger Professor entwickelt Bodensanierungssystem auf Basis von Hanfschäben

Für Hanfschäben hat sich eine interessante neue Anwendungsmöglichkeit ergeben. Prof. Mayer vom Institut für Mikrobiologie und Genetik an der Universität Göttingen hat auf der Basis von Schäben ein Bodensanierungssystem entwickelt. Die Schäben werden mit einem Polysacharid umhüllt und als Sperrschicht in Böden eingebracht, die aufgrund ariden Klimas von Wüstenbildung oder Versalzung bedroht sind. Das Polysacharid sorgt dafür, dass bei Bewässerung die Feuchtigkeit in den Hanfschäben gespeichert wird und die bei schneller Verdunstung entstehende Kapillarwirkung unterbleibt, durch die oft salzhaltiges Grundwasser nach oben steigt. Grundlage der Erfindung ist die Erkenntnis, dass gelbildende Polysaccharide zwar ein vielfaches, oft sogar hundertfaches, ihres Eigenvolumens an Wasser aufnehmen können, dass aber auf diese Weise gequollene Polysaccharide eine Sperrschicht für Wasser und auch für Gase bilden können, wenn ihre Konzentration in den wasserdurchlässigen Schichten hoch genug ist, um eine zusammenhängende Schicht zu bilden. Diese Schichten sind dann, obwohl aus wasserhaltigem Gel bestehend, für Wasser undurchlässig.

Das Verfahren von Prof. Mayer wurde inzwischen patentiert und in die Firma IBIS GmbH Bio-Innovationen (Geschäftsführer Herr M. Gettwart, Fax: 089-3155285), einem Spinn-off der Universität Göttingen eingebracht. Der Sitz dieser jungen Firma ist in Oberschleissheim in Bayern.

Neben Hanfschäben können auch andere Pflanzenmaterialien für dieses Verfahren verwendet werden, solange sie in ausreichender Menge verfügbar sind, gehäckselt werden können und verrottbar sind (Beispiele: Flachsschäben, Stroh, Schilfstroh, Papyrusabfälle, Säge- oder Hobelspäne, Papier). Für die Verwendung von Hanfschäben spricht nach Ansicht von Prof. Mayer eine bestehende Kooperation mit der Firma TreuHanf AG, Berlin (siehe auch Meldung vom 28.12.99).

Das zugrunde liegende Polysaccharid-System deckt weitere Anwendungsmöglichkeiten ab. Für zwei dieser Anwendungen hat die IBIS GmbH bereits Lizenzverträge abgeschlossen, die Markteinführung
der Produkte wird vorbereitet. Während der EXPO 2000 wird das Verfahren im Otto-Hahn-Zentrum in Göttingen (offizielle Ausstellungsfläche der EXPO) vom 1. Juni bis 31. Oktober 2000 vorgestellt.

Kontakt:
Prof. Dr. Frank Mayer
Universität Göttingen
Institut für Mikrobiologie und Genetik
Abteilung Strukturelle Mikrobiologie
Grisebachstrasse 8
37077 Göttingen
Tel.: 0551 – 39 3829
Fax: 0551 – 39 7081
E-Mail: fmayer@gwdg.de

Autor: Klaus-Martin Meyer (nova)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: E-Mail der Pressestelle der Universität Göttingen vom 10.01.99, E-Mail von Prof. Mayer vom 11.01.99, Fax von Prof. Mayer vom 12.01.99.

Source: E-Mail der Pressestelle der Universität Göttingen vom 10.01.99, E-Mail von Prof. Mayer vom 11.01.99, Fax von Prof. Mayer vom 12.01.99.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email