10 Oktober 2007

Ghana setzt auf EU-Holzdeal

Hoffnung auf Ende des illegalen Holzeinschlags

Illegaler Holzeinschlag zerstört die Wälder des westafrikanischen Staates Ghana zusehends. Nun setzt das afrikanische Land auf einen großen Holz-Deal mit der EU und hofft dabei auf ein Ende des illegalen Raubbaus in den eigenen Wäldern, berichtet BBC-Online. Edelhölzer gehören – wie in vielen afrikanischen Ländern – zu den stärksten Devisenbringern. Das größte Problem dabei ist der illegale Raubbau in den tropischen Wäldern.

Gut ausgerüstet sind die illegalen Holzfäller unterwegs und zerstören die wertvollen Wälder und bringen den Staat zusätzlich um Gebühren. Der EU-Deal, über den derzeit verhandelt wird, wird auch für die zwei afrikanischen Staaten Liberia und Kamerun gelten.

Mit Ghana soll der bilaterale Vertrag bereits Anfang 2008 in Kraft treten. “Wenn das Abkommen unterzeichnet ist, können diese Produkte mit einem Legalitätszertifikat ausschließlich in Europa verkauft werden”, erklärt Chris Beeko von der Ghana Forestry Commission. Skeptiker hingegen warnen, dass der große Bedarf an Hölzern im eigenen Land sowie der wachsende Bedarf in Nicht-EU-Ländern das Voluntary Partnership Agreement schnell aushöhlen könnte.

Einige europäische Ankäufer haben bereits jetzt spezielle Arrangements beim Kauf von tropischen Edelhölzern angesetzt: Sie greifen nur auf jene Hölzer zurück, die ohnehin schon mit Umweltzertifikaten versehen sind. Derzeit stammen etwa sechs Prozent der in die EU importierten Edelhölzer aus Ghana. Rund 50 Prozent der von Ghana exportierten Hölzer sind für EU-Länder bestimmt. Das Agreement könnte daran scheitern, dass das “legale Holz” in die EU exportiert wird und ein weiterer illegal geschlagener Teil in jene Länder, die bei der Einfuhr weniger streng sind. Ein Gesetz in Ghana verbietet den Export von Rohholz, das vor allem in China stark nachgefragt wird.

Geht es nach dem Willen der ghanesischen Regierung, darf in Zukunft nur legal geschlagenes Holz im Land selbst verkauft werden. Was die Regierung allerdings übersieht, sind die kleinen Dorfgemeinschaften und Familien, für die der Wald und das Holz lebensnotwendig sind. “Wir brauchen Holz zum Kohle machen, für Licht und zum Dachdecken”, so ein lokaler Bauer, der den Wald für seine Bedürfnisse nutzt, gegenüber BBC-Online.

Ihn kümmern die großen Geschäfte wenig. Vielmehr fürchten sich die Ghanesen davor, dass nach dem EU-Deal viele Sägewerke schließen werden und noch weniger Holz für den lokalen Markt zur Verfügung stehen wird. Was die lokale Bevölkerung als Folge des illegalen Holzeinschlages allerdings sehr genau weiß, ist das Ende der “Holzernte” in zehn Jahren: Dann wird es nämlich keinen Wald mehr in Ghana geben.

Erschreckende Nachrichten zum Thema nicht nachhaltige Nutzung der Wälder berichtete auch Radio New Zealand Mitte September. Auf den Salomonen ist es zum Zusammenbruch des wichtigsten Industriezweigs – dem Holzschlag – gekommen. Der Schaden für die Wirtschaft ist gewaltig: 70 Prozent der Einnahmen sind zurückgegangen, 20 Prozent der Jobs im Land sind weggefallen. Jahrelang hatten NGOs vor der Ausbeutung der tropischen Wälder durch multinationale Unternehmen gewarnt.

Bei Weiterführung der Abholzung in der gleichen Geschwindigkeit werden 2015 alle Wälder im Land verschwunden sein. Im Vorjahr wurde drei Mal mehr Holz geschlagen als das Land vertragen könne. In diesem Jahr sei die Situation noch dramatischer, berichten Experten.

(Vgl. Meldungen vom 2007-08-28 und 2004-08-31.)

Source: pressetext, 2007-10-04.

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