13 April 2006

Getreide brennt am besten

Ein Festbrennstoff-Marktüberblick

Die hohen Energiepreise, egal ob von Chinesen, Indern, Ölscheichs oder Multis verursacht, beschleunigen die Suche nach alternativen Brennstoffen. Während die Einen die Energiereserven im Wald vermuten, wächst für Andere die Heizwärme von morgen auf dem Acker. Wann was für wen lohnender wird, kann mit den folgenden, nicht besonders aufwendigen Berechnungsschritten rasch selbst ermittelt werden.

Der ethisch umstrittene Ruf nach einer Freigabe der Getreideverbrennung für Heizzwecke wird immer lauter, schließlich sind die Getreidepreise seit Jahren schon unten, während die Ölpreise offenbar keine Grenzen mehr kennen.

Wenn für Öl mit dem Argument des unabhängigen Einkaufs, für Gas mit der einfachen, preiswerten und sauberen Versorgung und für Strom mit scheinbar günstigen Nachttarifen geworben wird, fehlt den drei land- und forstwirtschaftlichen Energieträgern bislang noch eine vergleichbare Lobbyistenpower.

Doch die Zeiten, wo das Heizen mit Holz, Stroh und neuerdings auch Getreide wegen aufwändiger Arbeitswirtschaft zu mühsam erscheint, gehen dank intelligenter Logistik endlich auch für Kleinanlagen zu Ende.

An einem Beispiel für einen Wärmeenergiebedarf von ca. 60.000 kWh, dies entspricht etwa dem Verbrauch von ca. 6.500 l Öl (z. B. in einem kleineren Mehrfamilienhaus), wird ermittelt, welches Heizsystem bei aktuell bestehendem Investitionsbedarf aufgrund veralteter Technik derzeit die niedrigsten Kosten verursachen würde.

Die wichtigsten Ausgangsdaten sind in der Übersicht 1 zusammengefasst. Demnach würde eine Heizung mit Nachtspeicheröfen mit ca. 8.200 € den niedrigsten Investitionsbedarf bei der höchsten Lebensdauer verursachen.

Ihr folgen die neue Gastherme und der Ölkessel (beide inkl. Pufferspeicher) mit ca. 11.300 € bzw. 12.600 €, während die Öfen für Strohpellets und Getreide erst für ca. 20.700 € und der für Holzhackschnitzel für ca. 22.600 € (alle drei inkl. Pufferspeicher und automatischer Beschickung) zu haben sind.

Allerdings sind bei der Stroh- und Getreideverbrennung aufgrund der höheren chemischen Aggressivität der Substrate mit ca. 12 Jahren deutlich kürzere Nutzungsdauern zu erwarten als bei Öl und Holzhackschnitzeln (15 Jahre) bzw. Gas (18 Jahre) oder Strom (20 Jahre).

Getreide und Stroh benötigen aufgrund der etwas geringeren Anlagenwirkungsgrade von 85% gegenüber bis zu 98% bei Gas und Strom deutlich mehr Primärenergieeinsatz. Für Holzhackschnitzel ist zusätzlich ein vergleichsweise hoher Lagerraumbedarf erforderlich, wenn eine Trocknungszeit von drei Jahren eingehalten werden soll.

Aus den erforderlichen Brennstoffmengen und deren Beschaffungskosten (zwischen 0,11 €/kg für Getreide und 16 €/m3 für Holzhackschnitzel frei Lager) ergeben sich mit 1.337 € bei Holzhackschnitzeln die niedrigsten und mit 6.091 € für Strom die höchsten Verbrauchskosten für den Brennstoff.

Was sonst noch dazu kommt



Die Übersicht 2 zeigt die neben den reinen Brennstoffkosten noch anfallenden weiteren Kostenpositionen. Hier sind zunächst weitere variable Kosten zu berücksichtigen. Neben dem Unterhaltungsaufwand, den Gebühren und den anteiligen Versicherungsprämien sind dies auch die Kosten für den Einsatz von Hilfsenergie (Strom), der von ca. 12 € für die Ventilatoren der Elektroöfen bis hin zu 210 € für die Fördertechnik bei der Holzhackschnitzelheizung variiert.

Nicht zu unterschätzen ist der höhere Zeitbedarf für Kontrolle und Nachfüllen der Vorratsbehälter bei den land- und forstwirtschaftlichen Brennstoffen, der bei Bewertung mit 15 €/AKh zu (selbstverdienten) Beträgen von 180 bis 360 € führt.

Gas- und Stromheizung bestechen durch fehlende Kosten für einen Lagerraum, während die Holzhackschnitzelheizung auch hier mit 1.003 € wegen geringer Schüttdichte und dem Dreijahresvorrat die mit Abstand höchsten (Nutzungs)-Kosten für die Lagerung verursacht.

Nach Aufsummierung sämtlicher variabler Kosten liegt die Getreideverbrennung mit 3.053 € pro Jahr deutlich vor den Strohpellets (+ 9 %) und den Holzhackschnitzeln (+ 11 %). Gas und Stromheizsysteme liegen hier gleichauf, aber um 53 % höher und Heizen mit Strom liegt von allen abgeschlagen beim 2,1-fachen gegenüber Getreide.

Aus dem Investitionsbedarf resultieren die festen Kosten, die hier mit den anlagenspezifischen Abschreibungssätzen ermittelt werden. Bei der Abschreibung sind der Getreide- und der Strohpelletofen mehr als und die Holzhackschnitzelheizung fast doppelt so teuer wie Öl- und knapp dreimal so teuer wie die Gasheizung.

Auch bei den Zinskosten (Annuitätenfinanzierung über die anlagenspezifische Nutzungsdauer unterstellt) liegen die mit Holz, Stroh und Getreide befeuerten Anlagen bei knapp den doppelten Sätzen der Öl- und Gasanlagen. Die Summe der Festkosten ist mit 630 € für Strom am niedrigsten, gefolgt von 929 € für die Gas- und 1.173 € für die Ölheizung. Die Hackschnitzelanlagen sind mit 2.104 € nur unwesentlich preiswerter als die Getreide- und Strohpelletanlagen.

Was unterm Strich bleibt

Mit Gesamtkosten von 5.323 €/Jahr hat die Anlage zum Heizen mit Getreide zwar die Nase vorn, aber die Heizung mit Holzhackschnitzeln ist (nur) um 183 €/Jahr (+ 3,4 %) teurer und auch Strohpellets mit + 263 €/Jahr (+ 4,9%) und Gas mit + 291 €/Jahr (5,5%) folgen dicht dahinter. Der Vorteil gegenüber Öl beträgt 530 €/Jahr. Lediglich die Stromheizung fällt selbst bei vergünstigten Tarifen von 0,10 €/kWh so weit ab, dass dieses Heizsystem keinen weiteren Gedanken wert ist.

Was passiert bei anderen Preisen?

Die Umstellung auf eine andere Heiztechnik wird so stark von den Festkosten beeinflusst, dass eine derartige Entscheidung erst dann sinnvoll ist, wenn ohnehin eine neue Anlage her muss. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass die aktuell bestehenden Preisrelationen auch in Zukunft so weiter gelten? Eine Garantie dafür gibt es nicht, aber manche Propheten bezeichnen die derzeitige Hausse bei den Öl- und Gaspreisen erst als Vorgeschmack auf die Entwicklungen, die uns bei zunehmender Verknappung und weiter steigendem Bedarf in den “Schwellenländern” bevorstehen.

Wenn die Preisschere zwischen Öl (und Gas) und landwirtschaftlichen Erzeugnissen noch weiter auseinander driftet, ist es analog zur Entwicklung bei Solar- und Biogasanlagen aber nicht unwahrscheinlich, dass sich die Anlagenbauer (zunächst) ein Stück vom Vorteil sichern und deshalb die Investitionskosten für entsprechende Heizsysteme wohl erst einmal ansteigen werden. Das Argument “Sind nicht zu kriegen” kennen die Solarinteressierten zur Genüge. Der Heizofenbau ist aber ein interessanter großer Markt und wird deshalb – anders als die genannten Bereiche – schnell ein Massengeschäft mit dann vermutlich wieder sinkenden Anlagenpreisen.

Doch rund 40% der Gesamtkosten bei Bio-Brennstoff-Anlagen werden derzeit vom Brennstoff selbst verursacht. Das sind deutlich weniger als die 65% bei Öl und Gas. Daraus resultiert eine starke Variation der Ergebnisse, wenn sich diese Preise unterschiedlich entwickeln. In der Übersicht 3 wird für verschiedene Ölpreise aufgezeigt, wo die Schwellenwerte für die Kostengleichheit der verschiedenen Heizsysteme liegen.



Bei einem Ölpreis von 0,53 €/l liegt der “Gleichgewichtspreis” für Getreide bei 121,82 €/t deutlich über dem aktuellen Preisniveau für “schlechtere” Qualitäten, während die Holzhackschnitzel mit 16,24 €/m3 und die Strohpellets mit ca. 0,14 €/kg bei Unterstellung derzeitiger Zukaufspreise gerade konkurrenzfähig werden. Wer diese beide “Brennstoffe” aber selbst erzeugen kann oder eine “günstige” Quelle hat, kann auch hier schon sparen.

Erst bei Ölpreisen unter 0,44 €/l kommt auch die Getreideverbrennung wieder an ihre Wirtschaftlichkeitsgrenze. Aber glauben Sie wirklich, dass wir dies Preisniveau jemals wieder sehen?

Fazit

Die Verbrennung von Getreide wäre unter den derzeitigen Preisrelationen zum Öl ein bereits im “Hausgebrauch” lukratives Geschäft, insbesondere bei schwer vermarktbaren Qualitäten.

Aber auch Stroh(pellets) und Holz(hackschnitzel) rechnen sich bei den derzeitigen Öl- und Gaspreisen als konkurrenzfähige Brennstoffe.
Die Umstellung lohnt aber nur, wenn ohnehin nennenswerter Investitionsbedarf besteht. Wer ohnehin einen neuen Kessel braucht, kann die Entscheidung leichter treffen, als der, der in der “Investitionsfalle” sitzt, weil gerade erst der Brenner erneuert wurde, da die Abgaswerte nicht mehr stimmten.

Wer ernsthaft überlegt, den Multis den Geldhahn ein wenig zuzudrehen und den nach einer Freigabe der Getreideverbrennung zu erwartenden Preissteigerungen für die Öfen zuvorkommen will, der bestellt schon jetzt einen Ofen, der bei Biobrennstoffen ambivalent betrieben werden kann und fängt erst mal mit den schon zugelassenen Brennstoffen an.

Kontakt:
Dr. Mathias Schindler
Fachbereich Betriebswirtschaft, Markt
Telefon: 0511 3665-1350

(Vgl. Meldungen vom 2006-04-04 und 2005-11-29.)

Source: Landwirtschaftskammer Hannover vom 2006-04-12.

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