6 Oktober 1999

Geo- und Agrartextilien aus Hanffasern und anderen Naturfasern

Im Rahmen des Projektes “MarktInnovation Hanf”, das vom Europäischen Sozialfonds und dem Land NRW finanziell unterstützt wird, veranstalteten das nova-Institut, Hürth, und The Value:Marketing, Siegburg, das zweitägige Fachseminar “Geo- und Agrartextilien aus Hanffasern und anderen Naturfasern”. Schwerpunkt des Seminars, das in Rheine (NRW) stattfand, waren “Märkte & Ökonomie” und “Marketing”.
Insgesamt 16 Fachreferenten und ca. 30 Teilnehmer, kleine und mittlere Unternehmen und Institute, diskutierten, welche Märkte für Naturfasern und speziell Hanffasern erschlossen und mit welchen Marketing-Aktivitäten erobert werden können.
Fazit: Geo- und Agrartextilien stellen einen sehr großen und wachsenden Markt dar, der bislang von synthetischen Fasern weitgehend dominiert wird. Die potentiellen Anwendungsgebiete für Naturfasern sind bis heute nur zu geringen Anteilen erschlossen, insbesondere aufgrund von Wissensdefiziten der Entscheidungsträger, Landschaftsplaner, Tiefbau- und Agraringenieure.
Naturfasern können insbesondere dann eingesetzt werden, wenn die Geo- und Agrartextilien ihre Funktion nur über einen begrenzten Zeitpunkt sicherstellen müssen bzw. ein biologischer Abbau nach der Funktionszeit erwünscht ist. Möglich sind auch Mischungen aus synthetischen und Naturfasern, wo nur ein Teil der Schutzwirkung dauerhaft benötigt wird.

Wichtigste Nischenmärkte, die Naturfasern bereits zum Teil erobern konnten, sind:

  • Begrünungsmatten (z. B. zum Erosionsschutz), Rollrasen, Anspritzbegrünung
  • Mulchmatten und -scheiben zur Beikrautunterdrückung
  • Pflanzenanzuchtmatten, Naturfaservliese als Pflanzsubstrat
  • Dränage, Filtration

Als mögliche weitere Anwendungen wurden temporäre Baustraßen (als Trennschicht), Einsatz im Moorwasser (keine Verrottung) und Laichhilfen für Fische genannt.
Wenn Naturfasern eingesetzt werden, dann vor allem Kokos und Jute. Kokosfasern eignen sich ganz besonders für Geo- und Agrartextilien, da sie aufgrund ihres sehr hohen Ligningehaltes (40-50%) nur langsam verrotten. Zudem gehören Kokosfasern mit 0,40-0,50 DM/kg zu den preiswertesten Naturfasern überhaupt. An zweiter Stelle folgen Jutefasern, die meist in Form von Geweben eingesetzt werden.
Hanf- und Flachsfasern tun sich in dieser Konkurrenzsituation schwer. Auf dem Fachseminar wurden mehrere Projekte und erste Produktionen vorgestellt, in denen heimische Bastfasern in speziellen Geo- und Agrartextilien Verwendung finden. (siehe auch Meldung vom 01.08.99)
Einigkeit bestand darüber, dass Hanffasern nur dann interessant sind, wenn sie maximal 0,60 bis 0,80 DM/kg kosten. An die Qualität der Hanffasern werden dabei deutlich geringere Anforderungen gestellt als in der Automobilindustrie, insbesondere ist ein höherer Schäbengehalt unkritisch. Bestehende Faseraufschlussanlagen sind eher auf die Automobil- und Dämmstoffindustrie ausgerichtet und können nicht zu den angegebenen Preisen liefern. Diskutiert wurde daher über alternative, einfache “Schlagaufschlussverfahren”.

Die Mappe mit den wichtigsten Vortragstexten kann für 30 DM gegen Briefmarken beim nova-Institut, Kerstin Marten, Goldenbergstr. 2, 50354 Hürth, angefordert werden.
Die Vortragstexte werden zudem in Kürze im kostenpflichtigen Teil des MIH-Internetdienstleistungszentrums unter der Rubrik “Fachvorträge” vollständig verfügbar sein.

Autor und Endredaktion: Michael Karus (nova)

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