31 März 2004

Gen-Raps aus Gatersleben demnächst als Vitaminquelle?

SunGene-Pflanzen sollen Chemiefirmen Konkurrenz machen

In zahlreichen Gewächshäusern und auf den Äckern um Gatersleben schiessen derzeit viele neuartige Pflänzchen. Eins der Treibhäuser gehört zum IPK (Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung)-Ableger SunGene – und darin blüht gerade Vitamin-E-Raps: “2012 soll unser Vitamin-E-reicher Raps auf dem Markt sein”, kündigt Karin Herbers, wissenschaftliche Direktorin von Sungene an. Das Antioxidans dient dazu, Fette vor dem Verranzen zu schützen und ist ein beliebter Zusatz von Vitaminpillen, Margarine, Säften, Cremes oder Tierfutter.

Herbers und ihr Team konnten drei für den Alpha-Tocopherol-Gehalt wichtige Gene identifizieren und fanden bereits heraus, mit welchen zusätzlichen Genen sich der Vitamin-E-Gehalt der Züchtungen verdreifachen lässt: “Im Bereich des Metabolic Engineering, bei dem man versucht, mithilfe genetischer Veränderungen den Gehalt von Pflanzeninhaltsstoffen zu steigern, sind wir mittlerweile weltweit führend”, sagt Karin Herbers stolz.

Auch BASF hat sich dem Joint Venture mit dem Biotech-Unternehmen angeschlossen, das in absehbarer Zeit lukrative Ergebnisse verheißt. Rund 90 Prozent des Vitamin-E-Bedarfs produziert die chemische Industrie derzeit noch aus Erdölderivaten, denn Pflanzen wie z.B. Sojabohnen sind als Tocopherol-Lieferanten nicht ergiebig genug. Damit das Vitamin-Raps-Projekt wirtschaftlich zu betreiben ist, muss allerdings noch ordentlich nachgeholfen werden.

So rechnen die SunGene-Partner mit einer gesamten Entwicklungsspanne von 12 bis 14 Jahren sowie rund 25 Millionen Euro Investment, bis tatsächlich ein marktfähiges Konkurrenzprodukt zum herkömmlichen Antioxydans aus dem nachwachsendem Rohstoff präsentiert werden kann. Ob bis dahin feldfähige Sorten existieren, mit denen Rapsbauern zu stolzen Vitamin-Erzeugern werden, bleibt noch dahin gestellt. Auch mit politischen Schwellen wird gerechnet. Herbers: “Das geplante Gentechnikgesetz wird uns möglicherweise derart hemmen, dass wir für die Freisetzungsversuche und den Anbau in die USA oder nach Kanada ausweichen müssen”.

Source: BerlinOnline vom 2004-03-30.

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